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Corona-Live-Talk mit Dr. Matthias Stoll

Niedersachsen (mf). Der Infektiologe an der Medizinischen Hochschule Hannover sprach über die neue Variante des Coronavirus, über Kinderimpfungen und die 2G-Plus-Regel.

Bereits zum 31. Mal während der Corona-Pandemie sendete die Ärztekammer Niedersachsen den Live-Talk „Zur Sache Corona“ mit Dr. Matthias Stoll.
Auch, wenn momentan viel über Omikron gewarnt wird – schließlich erinnert die jetzige Situation an jene vor einem Jahr, als die Delta-Variante langsam Einzug in Deutschland erhielt – noch wisse man sehr wenig über die neue Variante, so Stoll. Entdeckt wurde sie schließlich erst vor einigen Wochen, wahrscheinlich ist aber: Omikron ist ansteckender als bisherige Varianten. Erste Hinweise, dass Omikron weniger schlimme Krankheitsverläufe auslöst, müsse man allerdings vorsichtig betrachten, denn der betrachtete Zeitraum sei noch sehr kurz, eine hinreichende Bewertung könne erst nach einer längeren Zeit getroffen werden.
 
Impfung wirkt etwas schlechter
 
Und die Impfung? Die Impfung wirkt gegen Omikron, allerdings etwas schlechter. Vor allem Antikörpern könne die neue Variante ausweichen, trotzdem gibt es durch andere Systeme des Immunsystems, insbesondere den T-Zellen, einen guten Schutz. Studien aus Israel, so Stoll, belegen, dass die Booster-Impfung den Schutz der Impfung um den Faktor 100 stärken kann. Dass die Boosterimpfung ein wichtiger Teil der Pandemiebekämpfung ist, meint auch der Infektiologe, trotzdem sei vor allem eines wichtig: das Schließen der Impflücke. Immer noch seien zu wenig Menschen überhaupt geimpft, die Impfung aller Menschen sei nicht nur gegen die Pandemie, sondern auch speziell gegen Omikron das effektivste Mittel.
Zu einer Maßnahme, die nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in vielen anderen Bundesländern gilt, steht Stoll eher kritisch: die 2G-Plus-Regelung. Zum einen sei die Regelung, unter anderem dadurch, dass Menschen mit Boosterimpfung kein negatives Testergebnis vorzeigen müssen, schon wieder stark eingeschränkt worden. Zum anderen seien die Zertifizierungen, die die auch in Testzentren verwendeten Schnelltests brauchen oft sehr zweifelhaft; bei Überprüfungen seien teilweise nicht einmal hohe Viruslasten erkannt worden. Besser sei es, das Geld nicht in kostenlose Tests, sondern in die Impfkampagne zu stecken, so der Infektiologe.
 
Kinder haben geringes Risiko, schwer zu erkranken
 
Die Entscheidung, die die Ständige Impfkommission zur Kinderimpfung getroffen hatte, sieht Stoll positiv: Da Kinder nur ein sehr geringes Risiko haben, schwer an Corona zu erkranken, sei eine gemeinsame Entscheidung von Eltern und Kinderarzt die beste Wahl. Kinder zu impfen, die Vorerkrankungen haben oder im engen Kontakt zu Risikogruppen stehen, hält Stoll ebenfalls für sinnvoll.


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