

Ritterhude. „Breiter, besser, schöner“ – so beschreibt Simone Schröter, Vorstand der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe, die neue Schlossbrücke. Mit ihr haben Bewohner und Betriebe in den letzten zwei Jahren immer wieder über den Neubau der Brücke gesprochen. Mit dem Abschluss des Neubaus, so weiß sie, kehre wieder mehr „Lebendigkeit in Ritterhude“ ein.
Nach knapp zwei Jahren Bauzeit kann die wichtige Verbindung über die Hamme wieder genutzt werden. Eröffnet wurde die Brücke am Freitag, 12. Juni, um 10 Uhr auf der nördlichen Seite der Brücke. Im Verlauf der kleinen Eröffnungsfeier wurde das Bauwerk offiziell für den Auto-, Fußgänger- und Radfahrerverkehr
Ein Millionen Projekt
Der Ersatzneubau der Schlossbrücke im Zuge der Landesstraße 151 gehört zu den größten Straßenbauprojekten, die der Geschäftsbereich Stade der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in den vergangenen Jahren betreut hat. Knapp 13 Millionen Euro aus Landesmitteln sind in das neue Bauwerk geflossen. Die Brücke ist 72,5 Meter lang und 15 Meter breit. Sie erhält eine acht Meter breite Fahrbahn, auf der Westseite einen drei Meter breiten Geh- und Radweg sowie auf der Ostseite einen zwei Meter breiten Gehweg. Zwischen Fahrbahn und Gehwegen befinden sich Schutzstreifen und Schutzeinrichtungen.
Die neue Brücke ersetzt ein Bauwerk, das mehr als 70 Jahre lang den Verkehr über die Hamme getragen hatte. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Schlossbrücke 1952 als Zwei-Feld-Brücke wieder aufgebaut worden. Seitdem war sie weit mehr als nur ein technisches Bauwerk. Für Ritterhude war sie ein Bindeglied zwischen den Ortsteilen, für Pendler eine wichtige Achse in Richtung Norden Bremens und in den Landkreis Osterholz. Auch Lieferverkehr, Schwerlastverkehr und Landwirtschaft waren auf die Verbindung angewiesen.
Die erste Phase
Dass die Brücke neu gebaut wurde, hatte vor allem mit Tragfähigkeit und Verkehrssicherheit zu tun. Die Anforderungen an den Verkehr haben sich seit den 1950er-Jahren deutlich verändert. Mehr Fahrzeuge, schwerere Lasten, andere Standards für Rad- und Fußverkehr: All das ließ sich mit dem alten Bauwerk nicht dauerhaft vereinbaren. Der Ersatzneubau soll deshalb nicht nur die Verbindung wiederherstellen, sondern sie an die heutigen Bedürfnisse anpassen.
Begonnen hatte das Projekt bereits Anfang 2024. Im Januar liefen die vorbereitenden Arbeiten an. Zunächst wurden Arbeitsflächen an der Hamme hergestellt, das Baufeld für spätere Erdarbeiten vorbereitet und Teile des Parkplatzes am Hamme-Forum als Baustelleneinrichtungsfläche hergerichtet. Dafür musste der vorhandene Baumbestand in Abstimmung mit der Gemeinde Ritterhude leicht reduziert werden. Für den Verkehr blieben die Einschränkungen in dieser frühen Phase noch überschaubar.
Kampfmittelsondierung und Vorschlaghammer
Im Juli 2024 folgte ein weiterer wichtiger Schritt: Kampfmittelsondierungen in der Hamme. Über rund zwei Wochen wurde das Flussbett im Bereich der Schlossbrücke mit Taucheinsätzen untersucht. Die Maßnahme diente der Sicherheit der folgenden Arbeiten. Der Schiffsverkehr auf der Hamme musste dafür werktags zeitweise eingeschränkt werden. Außerhalb der Arbeitszeiten und an den Wochenenden blieb die Durchfahrt möglich.
Symbolisch begann der eigentliche Neubau am 25. Juli 2024. Beim offiziellen „Spatenstich“ kamen unter anderem Frank Doods, Staatssekretär im Niedersächsischen Verkehrsministerium, und Timo Quander, Präsident der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, nach Ritterhude. Passend zum Bauwerk wurde dabei nicht nur mit Spaten gearbeitet: Der Startschuss erfolgte auch mit dem Vorschlaghammer.
Anspruchsvolle Bauphase
Sichtbar wurde der Wandel im Herbst 2024. Am 14. und 15. Oktober wurden die Stahlträger der alten Brücke in zwei Hälften getrennt und ausgehoben. Damit verschwand Stück für Stück das Bauwerk, das über Jahrzehnte zum Ortsbild gehört hatte. Zugleich wurde das Baufeld für den Ersatzneubau frei.
In den folgenden Monaten wuchs die neue Schlossbrücke über der Hamme heran. Der neue Brückenpfeiler entstand im Fluss, die Widerlager am Nord- und Südufer nahmen Form an. Am nördlichen Widerlager wurde betoniert und ausgeschalt, auch das südliche Widerlager folgte. Anschließend wurden die Mittel- und Endquerträger hergestellt, auf denen später die Stahlträger aufliegen sollten. Parallel liefen weitere Gründungsarbeiten. Dazu mussten noch einmal Großbohrpfähle hergestellt werden.
Eine der anspruchsvollsten Bauphasen folgte Ende August 2025. Damals wurden zehn Stahlträger geliefert und montiert, die das Tragsystem der Fahrbahn bilden. Jeder einzelne Träger ist etwa 36 Meter lang und wiegt rund 25 Tonnen. Die Anlieferung erfolgte per Schwertransport, der nur nachts möglich war. Nach dem Prinzip „just in time“ wurden die Träger unmittelbar nach ihrer Ankunft mit einem Autokran eingehoben. Für jede Brückenseite bedeutete das eine eigene Nachtschicht.
Es war herausfordernd
Nun wurde das zweijährige Bauwerk freigeben. Nach Angaben der zuständigen Landesbehörde werden nach der Eröffnung noch einzelne Restarbeiten vorgenommen. Diese sollen den Verkehr jedoch nicht beeinträchtigen. Für Ritterhude ist die Rückkehr zur alten Verkehrsführung ein spürbarer Schritt. Pendler, Anwohner, Betriebe und landwirtschaftliche Fahrzeuge können die Route über die Hamme wieder nutzen. Darüber freut sich insbesondere auch der IRB. „Für die Gewerbetreibenden und Pendler war die Zeit schon eine großer Herausforderung“, so Schröter. Überstanden habe man sie mit Kreativität und Geduld. Aber auch die klare und verlässliche Kommunikation mit der Landesbehörde habe dazu beigetragen, dass die Flexibilität aberverlangende Zeit gut gemeistert werden konnte.
Geduldig musste man auch auf die Wiedereröffnung des Restaurants und Hotels „Zur Schlossbrücke“ warten. Auch diese Wartezeit hat nun ihre Ende gefunden, berichtet Schröter mit Freude.
Die nächste Brücke
Ganz verschwinden werden Baustellen und Sperrungen im Umfeld allerdings nicht. Der Landkreis Osterholz bereitet bereits den Abriss und Neubau der benachbarten Dammbrücke vor. Zudem soll zuvor der Bahnübergang Fergersbergstraße für mehrere Wochen gesperrt werden. Die Verkehrsplanung in Ritterhude bleibt damit ein Thema. Doch mit der neuen Schlossbrücke ist ein zentrales Stück Infrastruktur wiederhergestellt – moderner, breiter und tragfähiger als zuvor.




