Amelie Nobel

Berliner Künstlerin Stefanie von Schroeter beschäftigt sich mit Worpsweder Malerinnen

Worpswede. Im Art Space der Galerie KW/Randlage in Worpswede läuft die Ausstellung „Mal Weib“´.

Bilder
In Worpswede kommt die Künstlerin Stefanie von Schroeter schon früh mit dem Begriff des „Malweibs“ in Berührung.  Foto: an

In Worpswede kommt die Künstlerin Stefanie von Schroeter schon früh mit dem Begriff des „Malweibs“ in Berührung. Foto: an

In ihren Arbeiten setzt sie sich mit den Worpsweder Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Herausforderungen, denen die Frauen im Nationalsozialismus begegnen mussten.
Die Galerie KW/Randlage liegt verträumt am Rand von Worpswede und lädt an diesem sonnigen Herbsttag gerade dazu ein, sich mit Kunst zu beschäftigen und in eine andere Welt abzutauchen. Auch der Ausstellungsraum der Galerie ist wie gemacht für die kleine, aber ausdrucksstarke Ausstellung der Berliner Künstlerin. An einer Wand hängen vier kleinere Werke, an der Wand gegenüber kommen drei Werke gut zur Geltung. Alle sieben Werke überzeugen als Collagen in ihrer Mischung aus historischem Textil, malerischen Elementen, Textbausteinen und Fotos.
Eines der Kunstwerke besteht aus Bierdeckeln, die Stefanie von Schroeter bemalt hat. Auf einigen stehen die Namen Worpsweder Künstlerinnen. In einem anderen hat die Berliner Künstlerin historisches Textil aus dem „Haus im Schluh“, der Wirkungsstätte Martha Vogelers, geschickt mit Fotos und den bemalten Bierdeckeln kombiniert.
Komplementiert wird die Ausstellung durch eine Wand, die mit schwarzer Tafelfarbe bemalt ist. Mit bunter Schulkreide hat die Künstlerin sich hier ebenfalls ausprobiert. Trotz der Vielfalt an Formaten sticht kein Werk aus der Sammlung heraus. Es ist mehr ein Zusammenspiel. Auf jedem Bild sind bekannte Elemente wiederzufinden, die Grenzen sind fließend. So sei es auch schwer gewesen, ein Ende zu finden. Irgendwann war es einfach genug, erzählt von Schroeter.
Die Künstlerin hat neben Kunst in Düsseldorf auch Textil in Hannover studiert. Durch ihre Zeit in Düsseldorf ist sie mit dem Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler in Verbindung gekommen, der auch an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert hat. Außerdem sei ihr Mann ein Fan von Worpswede, erklärt von Schroeter die frühe Zuneigung zu Worpswede und seinen Künstler*innen.
 
Die „Malweiber“ in Worpswede
 
In Worpswede kommt von Schroeter schon früh mit dem Begriff des „Malweibs“ in Berührung. Malweiber wurden um das Jahr 1900 abfällig Frauen genannt, die malten. Frauen waren damals noch nicht zum Kunststudium zugelassen. Von Schroeter interessiert sich dafür, was im Nationalsozialismus mit den Frauen und ihren Ambitionen, Künstlerinnen zu werden, passiert ist. Für die meisten Frauen sei es ein Rückschritt gewesen: „Von der freien Künstlerin zur Hausfrau“, erzählt von Schroeter. Doch die Berliner Künstlerin weiß den Begriff zu nutzen und hat ihn nicht zufällig als Titel ihrer Ausstellung gewählt. So forderte sie den Künstler Bhima Griem auf, die Worte „Mal Weib“ an eine Wand im „Toilettenhäuschen“ beim Parkplatz/Dorfplatz im Zentrum Worpswedes zu schreiben. Indem sie als Frau einen männlichen Kollegen ihre Arbeit ausführen lässt, wollte sie den Spieß umdrehen, erklärt von Schroeter.
 
Martha, my Dear
 
Das Thema „Malweiber“ beschäftigt die Berliner Künstlerin schon länger. So veröffentlichte sie 2018 das Künstlerbuch „Martha, my Dear“, das die Geschichte der Worpsweder „Malweiber“ in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beleuchtet. Stefanie von Schroeter betont, dass es ihr wichtig sei, nicht zu urteilen. So hat sie unveränderte Originalquellen in ihr Buch integriert. Denn sie möchte ihre Werke lieber für sich sprechen lassen.
Und das gelingt ihr auch. So setzt sie in einer ihrer Arbeiten ein Foto von Paula Modersohn-Beckers Zeichnung mit bemalten Textilen und dem Frauenzeichen zusammen. Auf einigen Werken hat Stefanie von Schroeter auch auf dem Textilstoff gemalt. Das sei für sie wie eine Zusammenführung von Innen und Außen, erzählt die Künstlerin, die sich die Bierdeckel als Ausgangspunkt genommen und immer neue Ideen entwickelt hat.
Wer nun Lust bekommen hat, sich die Ausstellung einmal anzusehen und vielleicht ein Werk zu erwerben, der hat dafür noch bis zum 20. Dezember Gelegenheit. Anmelden können sich Interessierte bei Volker Schwennen und Marie S. Ueltzen unter der Telefonnummer 04792 9878-350. Um Terminabsprache wird gebeten.


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