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Begegnung im Klassenzimmer

Barno Akbarova ist Lehrerin, kommt aus Usbekistan und hat drei Wochen an der BBS hospitiert und nicht nur den ukrainischen Schüler:innen geholfen.

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Die ukrainischen Schüler Maksin Derchov, Oleksandar Chubko und Dmytro Reschke (v.l.) freuen sich über eine Lehrerin, die sie versteht.

Die ukrainischen Schüler Maksin Derchov, Oleksandar Chubko und Dmytro Reschke (v.l.) freuen sich über eine Lehrerin, die sie versteht.

Osterholz-Scharmbeck. Wer weiß, wo Usbekistan liegt? Diese Frage stellt Elke Ramm, Deutschlehrerin an den Berufsbildenden Schulen Osterholz-Scharmbeck, in ihrer Sprachlernklasse den geflüchteten Schülerinnen und Schülern. Verhaltenes Schweigen bei den ukrainischen wie bei den syrischen und griechischen Schülerinnen und Schülern.

Barno Akbarova - ein unbekanntes Gesicht in der Klasse - übernimmt die Gesprächsführung und klärt auf: Sie kommt aus Usbekistan und ist vom 5. bis 25. November 2023 im Rahmen des PASCH-Austauschprogramms (Pädagogischer Austauschdienst - Schulpartnerschaften) an den Berufsbilden Schulen als sogenannte Hospitationslehrkraft tätig. Die Schülerinnen und Schüler fragen nach: „Wo leben Sie in Usbekistan? Haben Sie Familie?“ Die Antwort kommt prompt. Barno Akbarova lebt in Margilan, einer usbekischen Industriestadt im Osten des Landes. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. „Sind Sie Deutschlehrerin in Usbekistan?“, wird weiter gefragt. - Ja, das ist sie, und zwar seit 1990 an einer Schule mit 2200 Schülerinnen und Schülern, die dort das Abitur machen und danach an die Universität oder an die Hochschule gehen.

 

Jemand, der sie versteht

 

Dass Barno Akbarova gerne Deutschlehrerin ist, merkt man sofort. Sie steht ganz selbstbewusst vor der ihr ja eigentlich unbekannten Klasse und hat sofort die Zügel in der Hand: „Ich möchte euch kennenlernen. Bitte, stellt euch vor! Name, Wohnort, bist Du mit deiner Familie hier? Wie gefällt es Dir in Deutschland?“, fragt die Lehrerin. Und die Schülerinnen und Schüler des Anfängersprachkurses sind gefordert. Name, Wohnort, Familiensituation sind schnell genannt. Dann wird es schwierig, die Vokabeln fehlen.

Sofort ist Barno Akbarova mit Nachfragen in russischer Sprache zur Stelle. Die Schülerinnen und Schüler atmen auf. Endlich jemand, der sie versteht und den sie verstehen. Jetzt sprudeln die Antworten in russischer Sprache nur so hervor.

Es ist den ukrainischen Schülerinnen und Schülern anzumerken, dass ihnen die Kommunikation in der russischen Sprache sehr entgegen kommt. Sie können endlich auch im Unterricht ausdrücken, was ihnen im deutschen Sprachunterricht noch nicht gelingt. Aber auch die Deutschlehrerin, Frau Ramm, profitiert in ihrem Unterricht von den Sprachkenntnissen der Hospitationslehrkraft. Endlich kann auch sie Themen mit den Lernenden besprechen, die in einfachem Deutsch schwer zu erklären sind, aber den ukrainischen Schülerinnen und Schülern durch die Übersetzung von Barno Akbarova verständlich werden. Die Sprachschüler und -lehrerinnen werden sie nach drei erlebnisreichen Wochen an der Schule vermissen.

 

Der weitere Einsatz

 

Der weitere Einsatzplan der Gastlehrerin sieht den Besuch außerschulischer Arbeitsgemeinschaften und Konferenzen vor, dass sich Barno Akbarova mit didaktischen Ansätzen und Methoden der deutschen Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzt, damit sie abschließend einen ausführlichen Erfahrungsbericht für den Pädagogischen Austauschdienst der Kultusminister Konferenz zusammenstellt.

Aber das interessiert die Sprachlernschüler nicht. Sie möchten, dass Barno Akbarova soviel wie möglich in den Unterricht kommt, dass sie über Usbekistan und das Schulsystem erzählt oder - wenn es schon sein muss - die deutsche Grammatik mindestens auf Russisch erklärt.


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