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Alles anders für „Nach Paris!“ - Theater in OHZ spielt französisches Stück auf Hochdeutsch

Ist Vincent (rechts: Jan Makow) für Michelle (Francine Fromme) ein spannender Schritt in die helle Zukunft, für den Vater Charles (Carsten Mehrtens) ein schrecklicher Schritt in die dunkle?  Foto: ek

Ist Vincent (rechts: Jan Makow) für Michelle (Francine Fromme) ein spannender Schritt in die helle Zukunft, für den Vater Charles (Carsten Mehrtens) ein schrecklicher Schritt in die dunkle? Foto: ek

Osterholz-Scharmbeck (ek). Im Januar 2020 gehört die Bühne des Theater in OHZ (TiO) der hochdeutschen Sprache: „Nach Paris!“ wird gespielt, geschrieben vom 46-jährigen französischen Autor Samuel Benchetrit, seit letztem Jahr der Ehemann der Sängerin Vanessa Paradis.
Zwar steht Komödie über dem Titel des Stücks, doch dieses Stück transportiert eine gehörige Portion französische Melancholie, mit der die zwischenmenschlichen Beziehungen in spielerisch anmutenden Dialogen beleuchtet wird. Michelle, eine junge Frau, wartet mit ihrem Vater Charles auf einem Bahnsteig auf den Zug nach Paris. Väterliche Strenge wechselt sich ab mit liebevollem Kümmern, die junge Frau entkommt kaum der Tochterrolle, was sie auch gar nicht so recht will. Wurzeln hat sie, doch sind ihr auch Flügel gewachsen? Die Feuerprobe erscheint mit dem jungen Vincent, der Michelle eindeutig gefällt. Und – oh làlà – das beruht auf Gegenseitigkeit. Ist der junge Bistrobesitzer der Schritt in die Zukunft? Für den Vater ins Dunkle, für die Tochter ins Licht?
Für dieses Stück zeigt sich das TiO mal ganz anders, denn der rechte Seitenraum des Zuschauersaals wird als Bühne genutzt. „Eine echte Herausforderung für die Technik, vor allem für das Licht“, sagt dazu Gastregisseur Bernd Poppe. Denn zwischen den alten Balken der Scheune wird der Bahnhof als Bühnenbild entstehen. Der gesamte Zuschauerraum erfährt eine 45-Grad-Drehung. „Die Statik des Stücks ist mal eine ganz andere. Und das beschreibt nicht nur den Bühnenaufbau“, so Poppe weiter. „Nach Paris!“ ist ein Stück mit Resonanz: „Es wurde mit jedem Lesen interessanter.“ So wird es auch in jedem einzelnen Zuschauer wohl nachwirken. Mit viel Fingerspitzengefühl und darstellender Erzählkraft, die wichtigen Pausen viel Raum lässt, wird das Ensemble es den Zuschauern sehr leicht machen, sich schneller als dreimal Lesen in diese frankophile Atmosphäre zu verlieben. „50 Prozent des Erfolgs eines Stückes ist die Besetzung“, sagt der Regisseur. In dieser Hinsicht habe er mit der zarten und herzlichen Francine Fromme, einer Audrey Hepburn nicht unähnlich, dem perfekt in das Genre des jugendlichen Liebhabers hineingewachsenen Theater-Nachwuchses Jan Makow und dem alten Hasen Carsten Mehrtens so richtig Glück gehabt. „Ich freue mich über diesen grandiosen Wechsel von Carsten Mehrtens vom turnschuhtragenden bad guy zum älteren Fach“, sagt Bernd Poppe und macht neugierig auf die Reaktion des Publikums. Und wie die Stimme aus dem Lautsprecher, der den Bahnhof beschallt, eine wichtige Rolle spielen kann, werden die Zuschauer, die ihre Plattdeutsch-Kenntnisse für dieses Stück zu Hause lassen dürfen, ebenfalls en passant erfahren. Alle weiteren Infos zu Vorverkauf und Spielzeiten findet man unter www.scharmbecker-speeldeel.de. Wichtig: Premiere mit anschließender Premierenfeier, zu der jeder gern bleiben darf, findet statt am 11. Januar um 20 Uhr im Gut Sandbeck.


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