

Elm. Nach 18 Jahren ohne eigenen Supermarkt könnte Elm wieder eine Einkaufsmöglichkeit bekommen – doch ob Tante Enso in die ehemalige Volksbank einzieht, hängt jetzt vom Endspurt der Bürgerbeteiligung ab.
Anlässlich der Informationsveranstaltung der Elmer Bürger Stiftung zur Einrichtung eines Tante Enso-Supermarktes in den Räumen der ehemaligen Volksbank war Schomaker‘s Landgasthof in Elm am 22. April bis auf den letzten Platz belegt. Das gewaltige Interesse an der Infoveranstaltung war sicher auch dem Sachverhalt geschuldet, dass viele kleine Dörfer keine „eigenen“ Supermärkte mehr vorweisen können und die Elmer Bürger:innen nach 18 Jahren ohne Einkaufsmöglichkeit endlich wieder vor Ort ein Ladengeschäft begrüßen möchten.
Die Vorstände der Elmer Bürger Stiftung Erich Gajdzik, Herbert Klefke und Knud Spardel waren über die große Resonanz hocherfreut. Sie sehen in dem möglichen neuen Ladengeschäft eine echte Perspektive für den Ort. Man solle die sich bietende Chance ergreifen, denn alle Elmer:innen hätten Interesse an einem Nahversorger.
Anteile sichern Markt
Entscheidend für die Realisierung des Projekts sei die Beteiligung der Einwohner:innen vor Ort und der naheliegenden Nachbardörfern. Denn nur, wenn sich bis zum Stichtag mindestens 500 Personen, Vereine und Unternehmen für Genossenschaftsanteile von mindestens 100 Euro entscheiden, werde der Tante Enso-Markt gebaut. Durch die Vielzahl der Anteils-Eigner soll die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Geschäfts sichergestellt werden. Wenn mindestens 500 Anteile gezeichnet wurden, wird der Markt nach Elm kommen und dann könnten Anträge für Fördergelder für den Umbau der ehemaligen Volksbank-Filiale gestellt werden.zu 65 Prozent der anfallenden Baukosten sind förderfähig. Gajdzik zeigte sich sehr optimistisch, dass die Eröffnung des gewünschten Geschäftsbetriebs bereits im Herbst 2027 erfolgen könne. Mittlerweile sind bereits 426 von 500 benötigten Anteilen zu jeweils 100 Euro gezeichnet worden. Im Endspurt bis zur Deadline am 20. Mai müssen also noch mindestens 74 Personen einen Genossenschaftsanteil zeichnen, damit Elm mit einem Tante Enso-Markt wieder einen Supermarkt bekommt.
Rund um die Uhr geöffnet
Im Verlauf der Veranstaltung kommunizierte Timo Jacobs als Enso-Projektleiter ausführlich geplante Details. So sollen auf einer Verkaufsfläche von rund 200 Quadratmetern bis zu 3.000 Artikel angeboten werden. Tante Enso-Filialen führen größtenteils Waren auf dem Preisniveau/Sortiment von REWE. Ergänzt werde das Angebot durch sogenannte Foodpioniere: Das sind Start-ups, kleine Manufakturen oder regionale Hersteller, die häufig Dinge anders, besser oder auch innovativer machen. Die Elmer Enso-Filiale soll an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr mit einer Kundenkarte zugänglich sein. Die Einwohner:innen der jeweiligen Ortschaften tragen die Filialen in Form einer Genossenschaft direkt mit und werden im Erfolgsfall mit fünf Prozent Rendite p.a. belohnt.
Mitspracherecht
In einer sogenannte Co-Creation Phase dürfen Anteilseigner:innen den zukünftigen Markt mitgestalten sowie über die Auswahl der angebotenen Produkte, Farbgestaltung der Immobilie und Personalzeiten mitentscheiden. Geplant ist, dass der zukünftige Markt an vier Tagen pro Woche mit Personal öffnet - mit der Enso-Kundenkarte soll dort rund um die Uhr eingekauft werden können. Es wird zwei Selbstbedienungskassen und eine klassische Supermarktkasse, an der auch Barzahlung möglich ist, geben. Kundenkarten können erst ab dem vollendeten 18. Lebensjahr erworben werden, um den Richtlinien des Jugendschutzes beim Verkauf von Alkohol und Tabakwaren zu entsprechen.
Jacobs erinnerte in seinen Ausführungen an die altbekannten Tante-Emma-Läden. Das dort bekannte Einkaufsgefühl soll im neuen Supermarkt spürbar werden, obwohl man in einem modernen Ladengeschäft einkauft. Mit Ausnahme der Betreiber der Bäckerei waren alle Gäste der Veranstaltung hochzufrieden. Die Inhaberin des Bäcker-Familienunternehmens im Ort befürchtet in ihren berechtigten Kritikpunkten, dass im neuen Supermarkt angebotene Backwaren dazu führen könnten, dass erheblich weniger Kunden Backwaren direkt in der Bäckerei erwerben. Auch, weil die Betreiber dann daran mitverdienen würden und sie – wenn sie die Backwaren für den Supermarkt liefern sollte – pro Backwerk weniger verdienen könnte. Dennoch möchte Jacobs das Backwarenregal nicht leer lassen. Diesbezüglich müssten die Anbieter und die Betreiber noch einen Konsens ausarbeiten, der alle Beteiligten zufriedenstelle.
Weitere Informationsmöglichkeiten
Tante Enso-Paten für den Kampagnenzeitraum vom 10. April bis zum 20. Mai sind Anke Rauschenberger, Knud Spardel, Sönke Kosicki, Marten Friedrich, Christa und Erich Gajdzik. Sie geben bei Interesse gerne nähere Informationen, um den Endspurt zu unterstützen, damit ihre Ortschaft ihr Ziel erreicht und wieder eine eigene Einkaufsmöglichkeit bekommt. Weitere Antworten und Zeichnungsmöglichkeiten gibt es unter tanteenso.de/content/tanteenso/standorte/elm



