Ingrid Mahnken

Reichtum und Zerfall einer Kultur - Bewegende Reportage „Syrien - ein Land ohne Krieg“

Gnarrenburg. Wie spricht man über ein Land, in dem seit acht Jahren ein Bürgerkrieg tobt, in dem großes Leid, Terror, Vertreibung, Tod und Zerstörung herrschen. Die Rede ist von Syrien, das Land zwischen Mittelmeer und Arabischer Wüste, ein faszinierendes Land mit einer über 5000-jährigen Geschichte.

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Viele Syrer haben in Gnarrenburg eine neue Heimat gefunden. Bürgermeister Axel Renken war es eine besondere Freude, mit dem Buchautoren, Historiker und Fotojournalisten Lutz Jäkel einen Syrien Fachmann im Bürgerhaus begrüßen zu können. Mit seiner beeindruckenden Live- Reportage schlug er die Besucher voll und ganz in seinen Bann.  Foto: im

Viele Syrer haben in Gnarrenburg eine neue Heimat gefunden. Bürgermeister Axel Renken war es eine besondere Freude, mit dem Buchautoren, Historiker und Fotojournalisten Lutz Jäkel einen Syrien Fachmann im Bürgerhaus begrüßen zu können. Mit seiner beeindruckenden Live- Reportage schlug er die Besucher voll und ganz in seinen Bann. Foto: im

Doch es gab auch ein friedliches Syrien. Der Journalist, Islamwissenschaftler und Historiker Lutz Jäkel erinnerte in seiner Reportage im Gnarrenburger Bürgersaal an dieses Land, aus dem so viele Menschen fliehen mussten.
Auf Initiative der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen Renate Warren und Monika Konwiarz sowie von der Gemeinde Gnarrenburg unterstützt, löste der Gastredner Lutz Jäkel mit seiner über dreistündigen Live-Reportage „Syrien - ein Land ohne Krieg“ bei den rund 150 Besuchern ein echtes Wechselbad der Gefühle aus.
Kein Land habe den Islamwissenschaftler auf seinen Reisen so tief beeindruckt und beeinflusst wie Syrien, so der Referent. Damit dieses einst schöne und reiche Kulturland nicht in Vergessenheit gerät, nahm Lutz Jäkel seine Besucher mit auf eine beeindruckende Reise vor den Unruhen und Aufständen Syriens.
Nach einem kleinen Sprachtraining mit dem Publikum „Salem Aleikum“ - Friede sei mit dir - zeigte Lutz Jäkel zunächst nach Bildern der Zerstörung, Leid und Tod, Syriens einstige Schönheit jenseits des Krieges mit seinen weltweit ältesten bewohnten Städten. Bilder von Syriens Jahrtausend alte Hauptstadt Damaskus mit seinem bunten und vielfältigen Leben der Menschen, in der das frühe Christentum seinen Ursprung hatte, karge Wüstenlandschaften, Olivenhaine, antike Stätten, die sinnlos zerstört wurden und vieles mehr erzählten eine beeindruckende Geschichte.
Kinder, die in den engen und verschlungenen Gassen unbeschwert mit Murmeln spielten, junge Leute, die in den Cafés schwarzen Tee aus kleinen Tassen tranken oder Wasserpfeife rauchten, Gemüsehändler, die ihre Waren feilboten, bunte Basare, Gewürzgassen, Arkaden, Tempel und Moscheen, vieles sei seit dem Ausbruch des Krieges unwiederbringlich zerstört worden.
Und so vielfältig die Landschaft und Geschichte, so bunt seien auch die Menschen in Syrien. Sie lebten zum Teil in Großfamilien. Ihre Gastfreundschaft voller Herzlichkeit habe den Fotojournalisten auf den Reisen durch das Land immer wieder zutiefst beeindruckt. „Beduinen, Armenier, Drusen - eine bunte Mischung an ethnischer und religiöser Vielfalt, lebten bis 2011 in friedlichem Miteinander“, so der Fotojournalist.
Eindrucksvoll dokumentierten seine Fotos den Alltag, sie zeigten, wie man in Syrien lacht und einkauft, arbeitet, betet, diskutiert und feiert. In dazu eingespielten Videoaufnahmen ließen Zeitzeugen, Syrer, Deutsch-Syrer und Deutsche den Zuschauer von ihren Erlebnissen und Erfahrungen, die geprägt waren von Fröhlichkeit und Wehmut, Betroffenheit und Trauer um ihr Land, teilhaben. So entstand ein gleichermaßen berührendes, persönliches, wie breites Bild - ein Brückenschlag voller Trauer, aber auch Hoffnung und Empathie.
Angesichts der kritischen und mitunter ablehnenden Haltung vieler Deutscher zu den Flüchtlingen - auch aus Syrien - warb der Referent abschließend um mehr Toleranz in unserer Gesellschaft. „Wir müssen das Verbindende sehen und uns verbindet mehr, als uns trennt“, so seine langjährige Erfahrung.
Ein gelebtes Miteinander, bei dem man feststellen könne, dass das syrische Volk gar nicht so anders sei, wäre ein großartiger Schritt in Sachen Völkerverständigung. Und dass es davon viel gibt, war eine Botschaft, mit der er sich nach lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen in den späten Abend verabschiedete.


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