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Umzug der Roten Waldameisen - Letzte Bewohner verlassen das Haus des Waldes

Bremervörde (eb). Das Haus des Waldes muss aufgrund von statischen Mängeln abgerissen werden. Es wurde 1991 anlässlich der Landesausstellung Natur im Städtebau in Bremervörde errichtet und die Standzeit war ursprünglich nur für ein Jahr konzipiert. Die Ausstellung wurde seit Bestehen durch die Niedersächsischen Landesforsten betreut und für Führungen mit Gruppen genutzt. Dies war durch eine über die Jahre stets gute Kooperation mit der Natur- und Erlebnispark Bremervörde GmbH möglich.

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Florian Offermanns, Leiter des Waldpädagogikzentrums Elbe Weser, bilanziert: „Zwischen 1992 und 2019 haben wir fast 74.000 Besucher im Haus des Waldes gezählt, denen wir hier einen kleinen Einblick in den Lebensraum Wald ermöglichen konnten“.
Nun müssen auch die letzten Bewohner des Hauses weichen. Spezialisten der Ameisenschutzwarte siedeln das Ameisenvolk um. Über einige Jahre war ein Volk der Roten Waldameise im Haus des Waldes zu bestaunen. Untergebracht war es im sogenannten „Formicarium“, einem an die Lebensweise der Roten Waldameise angepassten Terrarium. Die kleinen nützlichen Insekten wurden hier fachmännisch gepflegt und gehegt. Dafür mussten sich Forstleute vom Forstamt Harsefeld eigens zum Ameisenheger fortbilden lassen. Dieser Aufwand hatte einen guten Grund, schmunzelt Florian Offermanns: „Die Roten Waldameisen stehen im Dienst der Niedersächsischen Landesforsten. Grundsätzlich dienen sie dem Ökosystem Wald, aber hier im Haus des Waldes haben sie vorübergehend der Umweltbildung gedient.
„Bei diesem Volk handelte es sich um eine Notumsiedlung aus der Nähe von Worpswede, die Ameisen mussten damals einem Straßenbauprojekt weichen“ ergänzt Bernd Wiedenroth, Mitarbeiter der Ameisenschutzwarte. Jetzt ziehen sie übergangsweise zum früheren Leiter der Revierförsterei Heidhof, bis es draußen wieder wärmer ist. „Von dort geht es dann in ein paar Wochen an einen ausgewählten Platz in meiner ehemaligen Försterei“, freut sich Wiedenroth.
Florian Offermanns blickt nach vorne: „Es ist zwar schade, dass wir den Anlaufpunkt für unsere Bildungsarbeit hier am Bremervörder See nicht mehr haben. Die Ausstellung mit ihren Präparaten wird uns fehlen, aber wir werden hier weiterhin waldpädagogische Aktivitäten anbieten. Geplant sind Führungen auf dem Gelände und im Arboretum. Programme, wie die Baum- oder Klimadetektive habe ich mir schon überlegt“.
Hintergrund: Ameisen sind nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Deshalb müssen im Planungsprozess für Baumaßnahmen auch Ameisen-Kartierungen durchgeführt werden. Planungen müssen so angepasst werden, dass die hügelbauenden Insekten nicht beeinträchtigt werden. Im Ausnahmefall müssen die Ameisennester umgesiedelt werden.
Nur in Absprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde, dem zuständigen Planungsbüro und dem Grundbesitzer dürfen ausgebildete Spezialisten Umsiedlungsmaßnahmen für Ameisen durchführen. Der Ameisenhaufen wird dann vorsichtig ausgegraben und die Tiere werden mit dem Nestbaumaterial an einen anderen, geeignet erscheinenden, Ort gebracht. Der neue Standort muss ein breites, gutes Nahrungsspektrum aufweisen und darf nicht bereits durch andere Ameisen oder viele Feinde besiedelt sein.
Eine Umsiedlung eines ganzen Ameisenvolkes ist nicht ganz einfach. Die Art der Großen Roten Waldameise hat in der Regel nur eine Königin, die unversehrt mitgenommen werden muss. Die Königin, die übrigens eine Lebenserwartung von bis zu 25 Jahre hat, sitzt normalerweise im unteren Nestbereich oft über einen Meter tief in der Erde. Nur während der Besonnung im Frühjahr kommt sie für zwei bis drei Wochen nach oben. Dann ist der richtige Zeitpunkt für eine Umsiedlung. Denn nur wenn die Königin unversehrt mit dabei ist, kann das Volk am neuen Standort überleben.


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