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Wasserstoff aus Biogasanlagen

Die SPD-Kreistagsfraktion beantragt ein Modellprojekt für den Landkreis Rotenburg: Bestehende Biogasanlagen sollen nach ihrem Wunsch zu dezentralen Wasserstoff-Standorten umgebaut werden.

Landkreis Rotenburg. Die SPD-Kreistagsfraktion im Landkreis Rotenburg bringt für die Kreistagssitzung am Mittwoch, 17. Juni, einen Antrag zur künftigen Nutzung bestehender Biogasanlagen ein. Ziel ist es, prüfen zu lassen, ob vorhandene Standorte von Biogasanlagen künftig als dezentrale Produktions- und Speicherorte für Wasserstoff genutzt werden können. Der Antrag wurde von Fraktionschef Bernd Wölbern an Landrat Marco Prietz übersandt.

Hintergrund ist der geplante weitere Ausbau von Windkraft und Photovoltaik im Landkreis. Die SPD geht davon aus, dass dieser Ausbau in den kommenden zehn Jahren eine große Herausforderung für Menschen, Verwaltung und Politik wird. Zugleich sei noch nicht sicher, ob der produzierte Strom regional oder lokal verbraucht oder über bislang nicht ausreichend vorhandene Stromtrassen abgeleitet werden könne. In Spitzenzeiten müssten Windkraft- und PV-Anlagen deshalb möglicherweise vom Netz genommen werden. Bei Dunkelflauten drohe dagegen eine Unterversorgung.

 

Wasserstoff aus Überschussstrom

Die SPD will deshalb bestehende Biogasanlagen in ein neues Energiekonzept einbinden. Im Landkreis Rotenburg gibt es dem Antrag zufolge derzeit 148 Biogasanlagen. Bei vielen läuft die garantierte Einspeisevergütung aus oder ist bereits ausgelaufen. Damit drohe einzelnen Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen die Stilllegung, obwohl ihre technische Infrastruktur weiter nutzbar sei.

Das Konzept sieht vor, bisherige Fermenter und Biomasselagerplätze zurückzubauen. Stattdessen sollen Elektrolyseure installiert werden. Diese Anlagen zerlegen Wasser mithilfe von Strom aus Windkraft- und PV-Anlagen in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff könnte gespeichert und bei Bedarf wieder zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt oder an andere Energiesektoren weitergegeben werden.

Ein Vorteil aus Sicht der SPD: Bestehende Netzanschlüsse, Leitungen, Gebäude und Technikräume könnten teilweise weitergenutzt werden. Auch vorhandene Kraft-Wärme-Maschinen beziehungsweise Blockheizkraftwerke spielen in dem Konzept eine Rolle. So könnte aus einer bisherigen Biogasanlage ein dezentraler Wasserstoff-Standort werden, ohne dass überall neue Leitungen und großflächige Tiefbauarbeiten nötig wären.

 

Kreis soll Verbundprojekt anschieben

Der Antrag umfasst mehrere Punkte. Der Kreistag soll sich zur Transformation der Energieerzeugung bekennen und die Herausforderungen als Chance für ein nachhaltiges, dezentrales und technisch breit aufgestelltes Energiekonzept im ländlichen Raum bewerten. Der Landkreis soll prüfen, ob die Einbindung bestehender Biogasanlagen als Standorte für Elektrolyseure und Wasserstoffspeicher technisch machbar und in Kooperation einer ausreichend großen Zahl von Anlagenbetreibern umsetzbar ist.

Zudem soll der Kreis über die Bioenergie-Innovations- und Kooperationsinitiative oder ein anderes geeignetes Forum die Gründung eines Wasserstoff-Verbundes anstoßen. Beantragt werden soll außerdem ein regionales, interkommunales Verbund-Modellprojekt beim Land Niedersachsen und/oder beim Bund. Landrat Prietz soll mit Nachbarlandkreisen über eine kreisübergreifende Zusammenarbeit sprechen. Die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen soll als Partnerin für Organisation und Planung gewonnen werden.

 

Weniger Energiepflanzen und Transport

Die SPD verbindet mit dem Vorschlag auch ökologische Ziele. Wenn Biogasanlagen nicht mehr auf Biomasse angewiesen wären, könnten Anbau und Transport von Energiepflanzen sowie die Verbringung von Gärresten entfallen. Der Antrag verweist darauf, dass dadurch Transportaufwand sinken und Biodiversität gefördert werden könnte.

Im Idealfall bliebe eine dezentrale und grundlastfähige Infrastruktur zur Stromerzeugung erhalten. Zugleich könnte regionale Wertschöpfung gesichert werden. Für eine sinnvolle Umsetzung und eine möglichst hohe Förderfähigkeit hält die SPD ein kreisübergreifendes Verbundprojekt für besonders wichtig. Der Landkreis solle das Innovationspotenzial nutzen und sich an systemverwandte Forschungsprojekte ankoppeln.


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