Luisa Mersmann

Vom Handelsverein zum WIR-Gefühl

Was mit 46 Geschäftsleuten und Handwerkern begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens in Gnarrenburg. Die Geschichte des WIR ist zugleich ein Stück Ortsgeschichte.

Gnarrenburg. Aus einer Anwesenheitsliste aus dem Jahr 1951 geht hervor, dass sich 46 Geschäftsleute und Handwerker getroffen hatten, um eine wirtschaftliche Vereinigung zu gründen. Angesprochen wurden offenbar auch Unternehmen aus Kuhstedt. Diese neue Vereinigung gab sich den Namen „Verein zur Förderung von Handel, Handwerk und Gewerbe“ und wurde 25 Jahre von Harry Wulff als Geschäftsführer geleitet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben Harry Wulff vom Möbelhaus auch Richard Konz vom Elektrohaus, Friedrich Burfeind vom Textilhaus, Otto Brockmann von der Gärtnerei und Friedrich Tönnies vom Hotel Tönnies.

 

Gemeinsam für den Standort

Damit war früh ein Zusammenschluss entstanden, der mehr sein wollte als eine lose Runde einzelner Betriebe. Es ging darum, die Interessen des örtlichen Handels und Handwerks zu bündeln, gemeinsame Aktionen möglich zu machen und Gnarrenburg als Einkaufs- und Geschäftsort zu stärken. Gerade in einer Zeit, in der persönliche Kontakte, Empfehlungen und gewachsene Kundschaft noch eine besonders große Rolle spielten, war ein solcher Zusammenschluss ein wichtiges Signal.

Aus dieser Vereinigung wurde 1986 der Wirtschaftsinteressenring Gnarrenburg, kurz WIR. Die Kurzform WIR wurde damals bewusst als Name gewählt: einfach, einprägsam und passend zu dem Selbstverständnis, gemeinsam aufzutreten. Zunächst blieb der Zusammenschluss auf die Ortschaft Gnarrenburg beschränkt. Seit den 1990er Jahren wurden auch Betriebe aus der gesamten Einheitsgemeinde aufgenommen. Das führte zu einer deutlichen Vergrößerung der Mitgliederzahl und verbesserte zugleich die finanzielle Lage des WIR.

 

Der „Gnarrenburger Bote“

Mit dieser Entwicklung veränderte sich auch der „Gnarrenburger Bote“. Die Veröffentlichung war eng mit dem wirtschaftlichen Zusammenschluss verbunden. Bereits am 27. Februar 1969 erschien der „Gnarrenburger Bote“ in einer frühen Gestaltung. Später wurde das Blatt sichtbarer vom WIR geprägt. In einer Ausgabe vom 28. November 1985 wurde unter der Überschrift „Gnarrenburger Bote in einem neuen Gewand!“ angekündigt, dass der Bote künftig weniger eine reine Werbezeitung, sondern stärker ein Informationsblatt für den Raum Gnarrenburg sein solle.

Nach dem Ausscheiden von Harry Wulff folgten mehrere Vorsitzende des gewählten Vorstandes: Friedrich Burfeind, Kurt Bauda, Hans-Wilhelm Topp, Georg Postels, Dieter Simon, Friedrich Pils jun., Heinrich Rademacher und Hanjo Postels. Aktuell ist Hendrik Grafelmann der Erste Vorsitzende.

 

Aktionen für Handel und Gemeinsinn

Auch die Aktionen des WIR wurden mit der Zeit vielfältiger. 1987 veranstaltete der Wirtschaftsinteressenring erstmals seit Ende der 1940er Jahre im Rahmen des Herbstmarktes wieder einen Ernteumzug. 1989 organisierte der WIR eine Sammelaktion bei den Mitgliedern und anderen Geschäften im Gemeindebereich sowie eine Straßensammlung für die „Aktion Sorgenkind“. Dabei kamen mehr als 10.500 DM zusammen. Auch daran zeigt sich, dass der Zusammenschluss nicht allein wirtschaftliche Interessen vertrat, sondern immer wieder auch das gesellschaftliche Leben im Ort unterstützte.

Im August 2000 organisierte der WIR ein Sommerfest als Straßenfest auf der Hermann-Lamprecht-Straße mit Rettungstag des DRK. Ein Jahr später wurde das 50-jährige Bestehen des Wirtschaftsinteressenrings mit einem dreitägigen Fest als Benefizgala für einen spastisch gelähmten Jungen mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Zum Programm gehörten eine Disco und Party-Night im Festzelt auf dem Sportplatz an der Dahldorfer Straße, die Veranstaltung „Lieder so schön wie der Norden“, ein Frühschoppen mit den „Lindachtaler Oberkrainern“ und der „Neidlinger Trachtenkapelle“ sowie eine Musikschau der Region mit sechs Spielmannszügen. Darunter waren auch die „Ackermänner“, das Musikcorps des Grenzschutzpräsidiums, eine niederländische Militärkapelle und die britische „Royal Dragons“. Zudem fand ein Sommerfest der Kaufmannschaft gemeinsam mit dem 5. Gnarrenburger Rettungstag von DRK und Freiwilliger Feuerwehr statt.

Zu den besonderen Aktionen des WIR gehörte ab 2004 auch der „Freitag der 13.“. Seitdem beteiligen sich die meisten Mitgliedsbetriebe mit besonderen Angeboten an dieser Aktion. Eine der beliebtesten Veranstaltungen ist seit vielen Jahrzehnten auch die Weihnachtsverlosung, bei der wertvolle Preise gewonnen werden können.

Auch die Annahme von Weihnachtsbäumen wurde über Jahre hinweg fortgeführt. Unter der Überschrift „Neujahr juche – Bäume ade“ kündigte der „Gnarrenburger Bote“ am 27. Dezember 2009 die Aktion an. Am zweiten Samstag im neuen Jahr nahmen die Mitglieder des WIR alte Weihnachtsbäume entgegen und gaben dafür einen Warengutschein aus. Dieser konnte in vielen WIR-Geschäften eingelöst werden. Unterstützt wurde die Aktion von der Feuerwehr.

 

Ein Stück Gnarrenburger Ortsgeschichte

So zeigt die Geschichte des WIR, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, örtliches Engagement und Gemeinsinn in Gnarrenburg miteinander verbunden sind. Aus einem Verein zur Förderung von Handel, Handwerk und Gewerbe wurde ein Zusammenschluss, der Aktionen organisiert, den „Gnarrenburger Boten“ prägt, Feste veranstaltet und die Betriebe der Region sichtbar macht.


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