Lena Stehr

Touristiker in der Region halten wacker die Stellung

Landkreis. 11.000 Reisebüros, 2.300 Veranstalter*innen und Tausende Dienstleister*innen sind laut Deutschem Reiseverband (DRV) von den Corona-Maßnahmen betroffen. Vielen droht die Insolvenz. Verbände verlangen eine Auswegstrategie. Wie sieht es vor Ort aus?

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Die finanzielle Lage der Branche sei „höchst angespannt, Insolvenzen sind die Folge“, wird DRV-Präsident Norbert Fiebig unter anderem vom Handelsblatt zitiert. Reisewarnungen und -beschränkungen hätten den Reisemarkt fast vollständig zum Erliegen gebracht. Von 193 Staaten weltweit sei derzeit kaum einer mehr ohne behördliche Einschränkungen zu bereisen.
Von der Bundesregierung fordert Fiebig mehr Unterstützung und insbesondere eine Strategie für risikobasierte Tests, um die 2,9 Millionen Arbeitsplätze in der Branche zu sichern.
 
Sehnsucht nach Normalität ist groß
 
Melanie Streckwaldt vom Reisebüro „MeineZeit“ in Bremervörde muss sich derzeit jeden Tag aufs Neue über die aktuelle Lage informieren und hofft, dass sich die Situation bald entspannt. Die Sehnsucht nach Normalität und nach Urlaub sei groß. Die Frage sei nun, wann das wieder möglich sein werde, sagt Streckwaldt, die Soforthilfe bekommen hat und derzeit von einer Angestellten in Kurzarbeit unterstützt wird.
Die Inhaberin des Reisebüros war seit Beginn der Pandemie stets an ihrem Arbeitsplatz und für die Kund*innen da, sagt sie. Gerade in den ersten Monaten habe das Telefon kaum stillgestanden. Bereits gebuchte Reisen mussten storniert, verschoben oder umgebucht werden. Und während sie „an vorderster Front“ die Stellung gehalten habe, seien viele Veranstalter gar nicht oder nur schwer zu erreichen gewesen, sagt Melanie Streckwaldt.
 
Viele Menschen verunsichert
 
Inzwischen hätten sich viele Veranstalter angepasst und bieten für die Kund*innen spezielle Pakete zur Absicherung im Krankheits- oder Quarantänefall an. Auch die Sicherheitsmaßnahmen in den Hotels seien zuletzt hoch gewesen. Viele Urlauber*innen hätten ihre Reise aufgrund leererer Hotels oder Strände als noch erholsamer empfunden. Gleichwohl würden die geforderten Corona-Tests vor der Einreise und die Angst vor Quarantäne viele Menschen verunsichern und abschrecken, Reisen zu buchen.
 
Chance in der Krise
 
Melanie Streckwaldt blickt dennoch optimistisch in die Zukunft und sieht sogar eine Chance in der Krise. Vielleicht tue es der Tourismusbranche ja gut, wenn sich die Leute künftig bewusster fürs Reisen und damit auch gegen Billiganbieter entscheiden würden. Ihr Appell: Sobald es wieder möglich ist, den Urlaub im lokalen Reisebüro buchen und so auch bei Problemen einen verlässlichen Partner an der Seite haben.
 
Arbeit ohne Gegenleistung
 
Diesem Aufruf schließt sich auch Volker Dinkuhn, Inhaber des „ReiseStudios am Markt“ in Osterholz-Scharmbeck, an. Auch er habe doppelt und dreifach gearbeitet, ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Derzeit sitzt er mit Mitinhaberin Tatjana Koch allein im Büro, die beiden Angestellten sind in Kurzarbeit Zuhause.
Die Soforthilfe, die er bekommen habe, sei nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“ gewesen, zum Glück könne er auf Rücklagen zurückgreifen, die das Reisebüro in den vergangenen Jahren erwirtschaftet habe, sagt Dinkuhn.
 
Stillstand im heißesten Buchungsmonat
 
Neue Buchungen kämen momentan so gut wie gar nicht rein. Stillstand im ansonsten heißesten Buchungsmonat. Zuletzt hätten ja auch die Novemberbuchungen in Deutschland storniert werden müssen.
Dinkuhn rechnet damit, dass er auch in den kommenden Monaten kein Geld verdienen wird und hofft, dass durch einen Impfstoff im kommenden Jahr eine Besserung eintritt. Und er hofft, dass die Menschen merken, was sie an ihrem Reisebüro vor Ort haben und ihren Urlaub sobald es geht wieder bei ihm buchen.


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