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Lena Stehr

Stabile Basis für die Sterbebegleitung 

Niedersachsen. Um die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Palliativversorgung zu verbessern, gibt es seit Anfang April neue Fördermöglichkeiten. Ob auch lokale Palliativnetzwerke davon profitieren, muss sich erst zeigen.
Rund 15 Palliativfachkräfte stehen im Großraum Bremervörde, Gnarrenburg, Selsingen, Geestequelle, Zeven und Sittensen zur Verfügung und gewährleisten eine würdevolle Betreuung sterbenskranker Menschen.

Rund 15 Palliativfachkräfte stehen im Großraum Bremervörde, Gnarrenburg, Selsingen, Geestequelle, Zeven und Sittensen zur Verfügung und gewährleisten eine würdevolle Betreuung sterbenskranker Menschen.

Bild: Depositphotos

Schwerkranke Menschen in ihrem vertrauten Umfeld bis zum Tod zu betreuen und deren Lebensqualität in der letzten Phase des Lebens bestmöglich zu gewährleisten, ist das Ziel derer, die sich in der Hospiz- und Palliativarbeit engagieren. Dazu gehören neben speziell ausgebildeten Pflegekräften und Ärztinnen unter anderem auch Apotheker:innen, Seelsorger:innen, Therapeutinnen sowie viele Ehrenamtliche, die sich zum Beispiel in Hospizdiensten engagieren.
 
34 Netzwerke in Niedersachsen
 
Koordiniert werden deren Einsätze von insgesamt 34 identifizierten Netzwerken in Niedersachsen. Dazu zählen auch das Osterholzer Palliativnetz (OPAL e.V.), die Palliativversorgung Osterholz (PVO e.V.), der Palliativstützpunkt Rotenburg/Wümme und Umgebung e.V. und die Palliativversorgung im Altkreis Bremervörde - PViAB gGmbH.
Nach welchen Grundsätzen regionale Hospiz- und Palliativnetzwerke gefördert werden, hat der Spitzenverband Bund der Krankenkassen am 5. April 2022 erstmals bekannt gegeben. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt in Niedersachsen können Netzwerke demnach eine neue finanzielle Unterstützung durch die Krankenkassen erhalten - und zwar bis zu 15.000 Euro pro Jahr, sofern sich die Kommunen in gleicher Höhe beteiligen.
Die Förderung ermögliche, so Sozialministerin Behrens, dass die Netzwerkarbeit langfristig auf eine stabile Basis gestellt werde. Netzwerke können unter anderem gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit betreiben, interdisziplinäre Fort- und Weiterbildungen initiieren, den Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern befördern und die Kooperation mit anderen regionalen Beratungs- und Betreuungsangeboten (z.B. Seniorenstützpunkten) optimieren. Behrens hoffe, dass möglichst viele Kommunen von der Option Gebrauch machen, sich durch freiwillige Leistungen an der Förderung zu beteiligen.
Marlies Wegner, die Vorsitzende des Landesstützpunktes Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen ergänzt, dass noch einige formelle Punkte geklärt werden müssten. Bevor die Förderanträge gestellt werden können, müsse von den Landesverbänden der Krankenkassen in Niedersachsen noch ein Antragsverfahren entwickelt und entsprechende Formulare bereitgestellt werden. Derzeit gehe man davon aus, dass die Antragsstellung im Sommer möglich sein werde.
„Wir müssen nun erst einmal prüfen, ob und inwiefern wir von der neuen Förderrichtlinie profitieren können und dann vermutlich viele Gespräche führen, bevor wir tatsächlich einen Antrag stellen“, sagt Martin Frank, Geschäftsführer der Diakoniestation des Ev.-luth. Kirchenkreises Bremervörde-Zeven und der gemeinnützigen Palliativversorgung im Altkreis Bremervörde gGmbH, die unter anderem mit der OsteMed Kliniken und Pflege GmbH, dem Zevener Pflegedienst und dem DRK zusammenarbeitet. Wer Geld haben wolle, brauche einen langen Atem, wisse er aus Erfahrung.
 
Ausgebildete Fachkräfte werden gebraucht
 
Rund 15 Palliativfachkräfte stehen im Großraum Bremervörde, Gnarrenburg, Selsingen, Geestequelle, Zeven und Sittensen zur Verfügung und gewährleisten eine würdevolle Betreuung sterbenskranker Menschen. Pflegekräfte müssen hierfür nach ihrer regulären Ausbildung einen 160-stündigen Fachkurs „Palliativ-Care“ absolvieren und bekommen alle zwei Monate eine Supervision, um ihre Erlebnisse im Job aufzuarbeiten, sagt Frank. Es sei nicht leicht, immer mit dem Tod konfrontiert zu sein. Umso wichtiger sei es, dass es genug Fachkräfte gibt. Im Bereich Bremervörde gebe es derzeit leider einen Personalengpass, der laut Frank aber nur temporär sei.
Elsabeth Horlboge, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes Bremervörde-Zeven, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Hauptproblem - insbesondere in ländlichen Regionen - der Fachkräftemangel sei. „Auf dem Papier sehen neue Fördermöglichkeiten immer toll aus, aber wenn die Köpfe für die Umsetzung fehlen, bringt uns das nichts“, sagt Horlboge.


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