Ralf G. Poppe

Solidarität - Stärken, was vereint

Bremervörde. Unser freier Mitarbeiter Ralf G. Poppe bemängelt in seinem Gastkommentar die fehlende Solidarität in Krisenzeiten.

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Hoffenlich nur symbolisch allein auf weiter Flur: Ralf G. Poppe.

Hoffenlich nur symbolisch allein auf weiter Flur: Ralf G. Poppe.

Wir haben gerade das zweite Covid-Weihnachten hinter uns. Die Pandemie geht 2022 ins dritte Jahr. Vieles ist 2021 geblieben, wie es bereits 2020 war. Einiges hat sich gebessert. Anderes hat sich negativ verändert. Auf jeden Fall ist es müßig, permanent Meldungen, Aussagen oder Kommentare zu wiederholen. Daher hier relativ kurz meine Meinung: Im neuen Jahr muss die Solidarität untereinander auf jeden Fall mehr gelebt werden.
 
„Alles verändert sich“
 
Kai Sichtermann - auch in Bremervörde ein gern gesehener Gast (2012 mit Angels Blue im „Haus am See“, 2018 mit Ton Steine Scherben unplugged im „Hannes“ zu Gast) - hat vor 50 Jahren mit seiner Band Ton Steine Scherben das Album „Warum geht es mir so dreckig?“ veröffentlicht. Die Lieder des Albums wurden seither oft gecovert. Selbst in sich stetig wechselnden Zeiten von aktuellen Künstlern - Bosse spielte z. B. den Titelsong lange auf seinen Konzerten - neu interpretiert. Auf dem im September 1971 erstmals veröffentlichten Musikalbum befinden sich u. a. Titel wie „Alles verändert sich“ und „Solidarität“. Man kann die Titel, die durch die damals angestaute Wut der Jugend entstanden waren, auf die heutige Zeit, auf aktuelle Themen übertragen. „Es gibt keine Liebe, wenn wir sie nicht wollen. Es gibt keine Sonne, wenn wir sie nicht sehen. Es gibt keine Wahrheit, wenn wir sie nicht suchen. Es gibt keinen Frieden, wenn wir ihn nicht wollen“ heißt es in „Alles verändert sich“.
 
„Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität.“
 
„Uns fehlt nicht der Mut, uns fehlt nicht die Kraft. Uns fehlt nicht die Zeit, uns fehlt nicht die Macht. Was wir wollen, können wir erreichen. Wenn wir wollen, steh´n alle Räder still. Wir haben keine Angst zu kämpfen. Denn die Freiheit ist unser Ziel…“ steht im Songtext von „Solidarität“. Die Lösung wird dann gleich mitgeliefert: „Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität.“
Ein Satz. Ein Vers. Sieben Worte. Besser kann man nicht auf den Punkt bringen, was den Menschen in den Zeiten der Pandemie fehlt. Denn auch der „geboosterte Mensch“ kann Corona-Viren übertragen. Andererseits können auch „Ungeimpfte“ gesund sein. „Alles, was uns fehlt, ist die Solidarität.“ Eben.
 
„Alle in einem Boot“
 
Wie wäre es, wenn Impfbefürworter:innen und Impfgegner:innen nicht permanent aufeinander losgingen, sondern stattdessen empathisch aufeinander achten würden? Schließen sitzen wir alle in einem Boot. Gesellschaft eben. Sollten wir mit dem Wissen, dass wir in unserer Demokratie alles tun dürfen, was wir wollen - solange wir dadurch nicht die Freiheit eines anderen Menschen einschränken bzw. beeinträchtigen - nicht lieber das stärken, was uns eint, anstatt permanent das zu vergrößern, was uns unterscheidet? Und wer niemanden „anstecken“ möchte, könnte sich - egal, ob geboostert, geimpft oder ungeimpft - vor dem Besuch von Orten, an dem sich gegegenbenfalls viele Menschen befinden, entsprechend testen lassen, um auf Nummer sicher zu gehen.
Was wir ganz sicher nicht dürfen, ist, unsere Fähigkeit zu Solidarität und unsere Demokratie zu beschädigen. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach. Sonst stehen wir irgendwann alle einzeln allein auf weiter Flur.
Ich wünsche uns allen einen guten Start ins neue Jahr. Mit Solidarität und Rücksichtnahme.


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