Ute Mahler-Leddin

Sicherheitspolitische Lage im Wandel

Ein Brigadegeneral a.D. skizziert, warum Deutschland im Bündnisfall zur sicherheitspolitischen Drehscheibe Europas wird und weshalb Verteidigung heute weit über Militär hinausgeht.
Brigadegeneral a.D. Rainer Meyer zum Felde sprach vor vielen Interessierten beim Klönschnackabend in der Wingst.

Brigadegeneral a.D. Rainer Meyer zum Felde sprach vor vielen Interessierten beim Klönschnackabend in der Wingst.

Bild: Uml

Wingst. Die Reservistenkameradschaft Wingst hatte kürzlich zu dem regelmäßigen Klönschnackabend ins Vereinsheim eingeladen und mit Brigadegeneral a.D. Rainer Meyer zum Felde einen hochkarätigen Sprecher vor Ort, der nicht nur referierte, sondern auch zum aktiven Informationsaustausch einlud. Thema des Abends: „Deutschlands Schlüssel-Rolle im Nordatlantischen Bündnis und Konsequenzen für die zivile und militärische Gesamtverteidigung“.

Meyer zum Felde beschrieb eine grundlegend veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa. Zwei Entwicklungen stehen dabei im Fokus: Russlands revisionistische Politik und der Angriffskrieg gegen die Ukraine, sowie die wachsende Unsicherheit über die langfristige Rolle der USA als Schutzmacht Europas. Daraus ergibt sich die Frage, wie Europa und Deutschland künftig mehr Verantwortung übernehmen können. Deutschland würde wohl eine entscheidende Rolle in der Zukunft übernehmen, so der Experte, als Drehscheibe für alle zu erwartenden militärischen Bewegungen.

Der Landesvorsitzender der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) in Niedersachsen und Bremen berichtete von der Rolle Deutschlands in Europa, die sich aus der wirtschaftlichen, geografischen und politischen Lage ergibt. Hier ist eine stärkere Beteiligung an der konventionellen Verteidigung Europas im Rahmen der NATO zu erwarten. Das Ziel wird klar herausgestellt: es geht um Abschreckung und Friedenssicherung – nicht um Konfrontation.

 

Zivil-militärische Gesamtverteidigung im Fokus

Ein zentraler Punkt des Abends war der Begriff der „zivil-militärischen-Gesamtverteidigung“, denn Sicherheit wird nicht nur militärisch gedacht. Hier geht es auch um den Schutz kritischer Infrastruktur, die Funktionsfähigkeit von Verwaltung, Wirtschaft und Versorgung sowie die Vorbereitung der Gesellschaft auf zu erwartende Krisenlagen. Nicht außer Acht gelassen werden darf der Schutz kritischer Infrastruktur.

Thematisiert wurden mögliche hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe, Sabotage oder Desinformation. Der Fokus lag auf Vorsorge, Resilienz und Koordination, nicht auf konkreten Bedrohungsszenarien.

 

Reservisten als Bindeglied zur Gesellschaft

Vor dem interessierten Publikum wurde die Bedeutung von Reservistinnen und Reservisten hervorgehoben, die zur Unterstützung der Bundeswehr und zum Schutz und Sicherung im Inland ausgebildet werden. Meyer zum Felde stellte klar: Reservisten werden als Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft verstanden.

 

Dialog statt Forderungen

Der Referent betonte, dass Sicherheitspolitik ohne gesellschaftliche Akzeptanz und Dialog nicht funktioniert. Fragen von Wehrdienst, Engagement und Verantwortung wurden als Diskussionsangebote, nicht als Forderungen formuliert und interaktiv auf Augenhöhe diskutiert. Der Klönschnackabend diente ausdrücklich dem Austausch unterschiedlicher Perspektiven, wie Vorsitzender Rolf Lewerenz betonte.

Der Fokus liegt weiter auf Frieden bewahren durch Glaubwürdigkeit, Vorbereitung und Zusammenarbeit, es geht nicht um Kriegsrhetorik, sondern es zählt der Gedanke: Wer vorbereitet ist, reduziert das Risiko von Konflikten. „Sicherheitspolitik wird als langfristige Aufgabe verstanden“ sagte der Brigadegeneral a.D. deutlich.

Der nächste Klönschnackabend findet am Freitag, 13. März, um 19.30 Uhr mit MdB Vanessa Zobel statt.


UNTERNEHMEN DER REGION

E-PaperMarktplatzStellenmarktZusteller werdenLeserreiseMagazineNotdienst BremervördeNotdienst OHZReklamationgewinnspielformular