

Haaßel/Selsingen. Die Gegner der Deponie der Klasse 1 im Naturschutzgebiet bei Haaßel trafen sich kürzlich erneut am Dorfmittelpunkt des Ortes, um ihren Protest öffentlich zu erneuern.
Zunächst freute sich Walter Lemmermann, Vorsitzender der Bürgerinitiative-Lenkungsgruppe, darüber, dass wieder einmal sehr viele Teilnehmende zum Informationstreffen am Haaßeler Brunnen erschienen waren. Das beständig große Interesse der Einwohnerschaft von Haaßel und Anderlingen bestätige nicht nur die große Teilnehmerzahl aus den Vorjahren, sondern zeige zudem, wie sehr das geplante Bauvorhaben im Naturschutzgebiet die Anwohner auch nach all den Jahren immer noch bewege. Rund 60 Personen waren erschienen, um sich von der Bürgerinitiative (BI) im Laufe des Treffens über den aktuellen Sachstand des Planungsverfahrens durch Lemmermann informieren zu lassen.
Deponieplanungen laufen bereits seit 1976
Deponieplanungen unterschiedlichster Art laufen bereits seit 1976, so der BI-Vorsitzende. Das immer noch aktuelle Planfeststellungsverfahren wurde bereits 2011 gestartet. Nach einem Planfeststellungsbeschluss am 28. Januar 2015 gab es am 4. Juli 2017 vom OVG Lüneburg ein Urteil, das die Mängel in der Deponieplanung aufzeigte. Im Februar 2022 wurde vom Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg ein Planänderungsverfahren zur Heilung der aufgezeigten Mängel eingeleitet. Trotz vieler kritischer Stellungnahmen wurde ein Planänderungsbeschluss am 15. November 2024 gefasst.
Dieser Beschluss werde aktuell vom NABU Landesverband Niedersachsen beklagt. Die ausführliche Klagebegründung vom 31. März 2025 führe unterschiedliche Punkte wie Mängel bei der Alternativprüfung sowie neue Verstöße gegen das Natur- und Wasserrecht an. Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg und die Rechtsvertretung der Firma Kriete Kaltrecycling GmbH hätten dazu Klageerwiderung beim niedersächsischen Oberverwaltungsgericht (OVG) in Lüneburg eingereicht. Auf diese wurde im Dezember 2025 eine umfangreiche Replik durch die Anwaltskanzlei des klagenden Naturschutzverbandes verfasst. Ob und wann es jedoch zur Verhandlung komme, obliege der Prüfung beziehungsweise der Entscheidung des OVG Lüneburg.
Unabhängig von der Klage führte Lemmermann aus, dass der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2015 noch viele Hindernisse für die Firma Kriete Kaltrecycling bei einer Umsetzung der Planung enthalte. Die BI werde das weitere Vorgehen sehr genau beobachten und bei Bedarf einschreiten. Man stelle sich auf einen langen Rechtsstreit ein, wobei der Rückhalt aus den angrenzenden Dorfgemeinschaften erneut sehr deutlich wurde.
Gefährliche Aktion
Das mittlerweile achte Treffen dieser Art von Anwohnern zeigte urplötzlich ein weiteres, allgemeines Ärgernis auf: Im Verlauf der Veranstaltung befuhr eine Gruppe von mehreren Männern auf Motorrädern die Hauptstraße des Ortes mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit, obwohl die Menschenansammlung aus Fahrtrichtung gut sichtbar war – da waren sich alle Teilnehmenden einig. Dieser Sachverhalt brachte das ansonsten sehr ruhige und besonne Treffen kurzfristig in Unruhe.
Weitere Informationen zum aktuellen Stand der Deponieplanungen sind unter deponie-haassel.de.




