Mareike Kerouche

Noch mehr gräulicher Asphalt? - Stiller Protest gegen noch mehr Asphaltierung

Bremervörde. (eb) Manchmal geht alles sehr schnell. Lutz Westphal war von einer Nachbarin angesprochen worden, die sich an der Blumenwiese neben dem Haus, das von ihm und seiner Ehefrau Adeline bewohnt wird, auf dem Grundstück Alte Straße 95-97, ganz nah an der Bürgermeister-Hey-Straße, befindet. Westphal schluckte. Er musste der Frau berichten, dass die Wiese sich zeitnah in eine graue Asphaltfläche verwandeln wird.

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Blumenwiese statt Parkplatz. Das fordern diese Anwohner von der Stadt. Foto: Ralf G. Poppe

Blumenwiese statt Parkplatz. Das fordern diese Anwohner von der Stadt. Foto: Ralf G. Poppe

Die Nachricht sprach sich schnell in Bremervörde herum. Tags drauf trafen sich diverse Anwohner, Politiker sowie Interessierte aus der Ostestadt, um sich zu einem stillen Protest zu versammeln. Auch Dr. Maren Meyer-Grünefeldt, Leiterin der hiesigen NABU-Umweltpyramide, war dabei. „Bremervörde vergisst stets, dass es die NABU-Umweltpyramide gibt. Wir haben hier in Bremervörde eins von bundesweit sechzig NABU-Zentren. Dies ist eine Besonderheit, auch nicht mit dem Ehrenamtlichen NABU-Engagement zu vergleichen. Von Bremervörde aus Reise ich stetig von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Hannover, bei Landwirten bis nach Dithmarschen hoch, weil diese gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Bremervörde einzigartig ist - doch die Stadt Bremervörde ignoriert uns. Eine Alternatividee für das Grundstück ist, Bremervörde verkauft seinen Teil des Grundstückes nicht, sondern übernimmt es zu 100 Prozent. Die Stadt tritt dann an uns heran, und wir werden gemeinsam mit Ehrenamtlichen (die ja nebenan wohnen, und weiterhin bereit sind) einen exemplarischen, naturnahen Garten realisieren. Gerade jetzt, in einer Zeit, wo die Steingärtendebatte aktuell ist, die Versiegelungsdebatte, Artensterben, usw. Das Grundstück kann mit Beschilderung für alle Bürger-innen zugänglich gemacht werden, mit allen Elementen, die ein perfekter Naturgarten hat. Das wäre eine Möglichkeit. Normalerweise scheitert ein derartiges Vorhaben daran, dass man keine Leute hat, die langfristig ehrenamtlich einen derartigen Garten pflegen…“ Doch genau das machen die Westphals bereits seit sehr langer Zeit. „Wir haben seit über 20 Jahren ehrenamtlich für die EWE den Rasen gemäht, Unrat weggesammelt“, erzählen die Westphals. „Die Blumenwiese haben wir dieses Jahr sogar extra auf eigene Kosten angesät, damit die Bienen und Schmetterlinge hier einen Platz haben. Gerade, weil deren Lebensraum hier immer mehr zurückgedrängt wird, haben wir privat 380 Euro investiert, um hier etwas für die Umwelt zu tun.“
Es war folglich keine Überraschung, dass die Westphals im Januar/Februar 2019 von einem Mitarbeiter der EWE - dem damaligen Besitzer der Fläche - angesprochen worden waren, ob sie das Grundstück kaufen möchten. Westphals bekundeten Interesse. Schließlich wollten sie zumindest ein Stückchen Natur erhalten. Denn vor 20 Jahren befand sich vor dem Haus gar noch ein kleines Wäldchen, in dem Eulen auf den Bäumen saßen.
Der Mitarbeiter der EWE wollte sich wieder melden, bemerkte jedoch nebenher zudem, dass sein Chef auch gute Kontakte zum Stadtrat hätte. Adeline und Lutz Westphal erhielten jedoch keinesfalls die zugesagte Chance, besagtes Grundstück zu erwerben, um ihr Engagement fortzusetzen.
Die Stadt und EWE legten ihre aneinandergrenzenden Grundstücke zusammen, damit ein gemeinsamer, neuer Besitzer für dessen Neubau am Rathausmarkt 2 („Kammann-Gelände“) auf den Flurstücken 54/7, 67/6, 200/85, 199/85 eine Stellplatzanlage mit insgesamt 78 Pkw-Einstellplätzen (davon 5 Garagen- und 4 rollstuhlgerechte Stellplätze) errichten kann. Besagte Stellplätze sollen dem Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses am Rathausmarkt dienen. Diese Stellplätze sowie die Zuwegung, werden aus grauem Asphalt hergestellt - die voraussichtlichen Herstellungskosten für die Änderung der Stellplatzanlage soll circa 20.000 Euro betragen. Abermals wurde von Seiten der Stadt dem Bürgerwunsch nicht entsprochen.
Doch dieses Verhalten kann nicht allen im Stadtrat vertretenen Parteien angelastet werden. Sowohl die Fraktion der Grünen als auch jene der SPD bestätigten, dass sie dem Verkauf des besagten Geländes für Parkflächen im Stadtrat nicht zugestimmt hätten. Die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Brandt erklärte gar, dass zwei verschiedene Gutachten existieren, die besagen, dass es in Bremervörde genügend Parkraum gibt. Die Anwohner sind sich einig, dass eine lebendige Stadt ausschließlich dort zu finden ist, wo Natur und Mensch im Einklang leben dürfen. Die Familie Westphal wird auf jeden Fall dem ihnen kürzlich zugesandten Schreiben nicht zustimmen, und die Chance wahrnehmen, die ihnen zustehenden Nachbareinwendungen einzubringen.


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