Monstrum sichtbar machen
Bremervörde. Unter dem Motto „Wir machen das Monstrum sichtbar“ fanden sich kürzlich rund einhundert Gegner der Autobahn A20 zu einer Protestveranstaltung zwischen Glinde und Ebersdorf ein, nachdem vor nicht allzu langer Zeit für den Abschnitt 6 (Bremervörde) ein Planfeststellungsbeschluss erteilt worden ist. Das bedeutet, dass – wenn zeitnah keine Klagen eingereicht werden – Baureife für den Abschnitt 6 besteht.
An der Stelle, wo gegebenenfalls die zukünftige A20 an der B495 zwischen Glinde und Ebersdorf entlanglaufen soll, wurde eine riesige Plane mit der Aufschrift „Keine neuen Autobahnen“ in Breite der geplanten Trasse auf einem angrenzenden Acker ausgelegt. Die Plane veranschaulichte, welche Dimension die A20 (wenn sie gebaut wird) bekommt, und wie die Autobahn die Landschaft zerschneiden würde. Mit einer Menschenkette, die die Teilnehmer der Veranstaltung bildeten, wurde der weitere Verlauf der A20 in Richtung Waldgebiet Höhne dargestellt. Dabei wurde in musikalischen Beiträgen zu bekannten Melodien mit eigens gedichteten Texten die zerstörerische Kraft von Autobahnen thematisiert.
Eingeladen zu dieser Aktion hatte die „Bürgerinitiative A20 Nie!“ gemeinsam mit den BUND-Kreisgruppen Rotenburg und Stade, dem NABU-Kreisverband Bremervörde-Zeven, dem Aktionsbündnis und der Friedensgruppe Bremervörde, sowie der Betroffenengemeinschaft im Abschnitt 7, Richtung Kehdingen, Drochtersen.
Landwirte, NABU und BUND ziehen an einem Strang
Landwirt Johann Martens, dessen Betrieb nur wenige Meter von der geplanten Trasse entfernt liegt und der seine Felder für die Aktion zur Verfügung gestellt hat, schilderte eindrücklich, welche Auswirkungen die Autobahn auf seinen Betrieb hätte. Er und seine Familie würden durch die Autobahn, die Anschlussstellen und die Bundesstraße regelrecht abgeriegelt werden. Nicht besser ergeht es einigen Landwirten aus Mehedorf und Hipstedt, deren Betriebe ebenfalls direkt an der geplanten A20-Trasse liegen, und die auch an der Protestveranstaltung teilgenommen haben. Sie alle würden Flächen verlieren und könnten die ihnen verbleibenden Flächen nur noch unter erschwerten Bedingungen erreichen. Einige Landwirte aus der Umgebung waren mit ihren Traktoren zum Veranstaltungsort gekommen, um mit Transparenten auf den Irrsinn der neuen Autobahn hinzuweisen.
Als Bremervörderin beklagte Helga Kubisch, dass das Naherholungsgebiet Höhne massiv beeinträchtigt würde. Zu den weiteren Rednern und Rednerinnen der Veranstaltung zählten Ute Jungclaus von der Betroffeneninitiative aus dem Abschnitt 7 der geplanten Trasse, der NABU-Kreisvorsitzende Walter Lemmermann, sowie die stellvertretende BUND-Kreisvorsitzende Ursula Trescher. Sie alle äußerten sich besorgt und alarmiert über „das umwelt- und klimaschädlichste Neubauprojekt des Bundesverkehrswegeplans“. Mit gigantischen Steuermitteln würden massive Eingriffe in bisher noch einigermaßen unzerschnittene und intakte Moor- und Waldgebiete vorgenommen werden.
Neben der unmittelbaren Steigerung der Lärmbelastung, würden durch den Bau und Betrieb der Autobahn tausende Tonnen CO2 aus den Moorböden freigesetzt, und damit für eine verfehlte Verkehrspolitik das Artensterben und die Klimakrise vorangetrieben werden. Der BUND fordert stattdessen eine klima- und naturverträgliche Mobilitätswende.
Gemeinsam(e) Interessen stärken
Gerade für den ländlichen Raum brauche man einen starken ÖPNV, mehr Investitionen in die Schiene und in die Sanierung vorhandener, oft maroder Infrastruktur, sowie sichere Radwege. Lemmermann appellierte an die Anwesenden, sich bei Kommunalwahlen für die unterschiedlichen Gremien aufstellen zu lassen, um ein anderes Gedankengut in die Räte zu tragen. Trescher wies zudem darauf hin, dass die A20 Teil eines neuen Wettrüstens sei – heute allerdings, anders als zu Zeiten des Kalten Krieges, auf Basis einer schwächelnden Wirtschaft. Die anwesenden Vertreter der Friedensgruppe Rotenburg bezeichneten die A20 auf ihrem Transparent als „Militär Transitstrecke“.
Ute Jungclaus warb vor den Anwesenden für Mitgliedschaften im Schutz- und Klagefond durch einen einmaligen Beitrag in Höhe von 200 Euro. Auch durch Spenden könne man sich im Schutz- und Klagefond engagieren. Ziel des Fonds sei die Unterstützung und Finanzierung von Klagen gegen Planfeststellungsbeschlüsse für die A20. Es sollen der Vereinzelung von Betroffenen entgegengewirkt und die gemeinsamen Interessen gestärkt werden. Am Schluss riefen die Veranstalter dazu auf, am Samstag, 14. März, in Oldenburg an der Zentraldemonstration gegen die A20 teilzunehmen.

Tradition und Moderne

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