Seitenlogo
Jule Burfeind

„Mambo“ aus Kenia

Jule Burfeind aus Bremervörde hat schon einiges in Afrika erlebt

Die 20-Jährige berichtet im Anzeiger von ihren Erfahrungen, die sie während ihres Freiwilligendienstes im Rahmen des „Play Handball“-Programms in der Nähe von Nairobi macht und ruft gleichzeitig zum Spenden für Überschwemmungsopfer auf.

Mambo! Das ist eine der vielen Begrüßungsfloskeln, die man hier in meiner Umgebung verwendet. Übersetzt in unser Norddeutsch bedeutet sie so viel wie „Moin, wie geht’s?“. Die lässige Antwort „Poa“ vermittelt deinem Gegenüber dann, dass es dir soweit gut geht. Also „Mambo“ liebe Anzeigerleserinnen und -leser. Hier schreibt Jule aus Kenia.

Vor ungefähr acht Monaten hatte ich bereits einen Artikel im Anzeiger, in dem ich über meinen anstehenden Freiwilligendienst in Kenia berichtete. Jetzt nähert sich meine Zeit hier schon fast dem Ende und ich durfte bereits unglaublich viel erleben.

Ich lebe zusammen mit meiner Gastmutter Carol, ihrem Mann George, meinen Gastgeschwistern Gifted und Barbara und der Hausangestellten Prisca in einem kleinen Haus in der Stadt Utawala im Machakos County. Mit dem Bus benötigt man nur eine Stunde, um die Innenstadt von Nairobi zu erreichen. Die Familie hat mich von Anfang an herzlich aufgenommen, sodass ich mich schnell Zuhause fühlte. Besonders gut verstehe ich mich mit Prisca. Sie ist wie ich 20 Jahre alt, kommt aus Tansania und arbeitet seit ungefähr zwei Jahren für die Familie. Sowohl beim gemeinsamen Kochen als auch beim Wäsche waschen haben wir immer jede Menge Spaß und sind auch füreinander da, wenn einer von uns mal einen „Heimwehschub“ hat.

 

Plötzlich Klassenlehrerin

 

Im Alltag bin ich gut ausgelastet, sodass mir selten langweilig wird. Montags bis freitags gehe ich jeden Morgen um 8 Uhr in die St.Claret Grundschule, an der ich ursprünglich nur in den Fächern Mathe, Englisch und Sport unterstützen sollte, jetzt allerdings schon Klassenlehrerin der 4. Klasse bin. Nach dem gemeinsamen Mittagessen verlasse ich dann die Schule und bereite das Handballtraining für den Nachmittag vor. Ich trainiere mit Kindern unterschiedlicher Altersklassen, sowohl Kids der vierten, fünften als auch siebten Klasse. Das Training findet auf einem riesigen Sandplatz ohne Linien und Torpfosten statt. Trotz dieser Gegebenheiten macht das Training unglaublich viel Spaß, weil die Kinder immer motiviert und gut gelaunt sind. Es ist beeindruckend zu sehen, was für Fortschritte die Kinder bereits gemacht haben und wie sie als Team zusammengewachsen sind. Am Abend komme ich dann meistens ziemlich erschöpft nach Hause und falle hundemüde ins Bett.

Vor einigen Wochen habe ich mit den Kindern meiner Schule eine Übernachtungsparty gemacht, welche ausschließlich von gesammelten Spendengeldern finanziert wurde, die ich von Bekannten, Freunden und Verwandten erhalten habe. Das Highlight war der Besuch in einer großen Spielscheune am nächsten Morgen. Die Trampoline, Bällebäder, Karussells und die anschließenden Pommes mit Würstchen haben die Kinderaugen strahlen lassen und die Kinder kamen aus dem Staunen gar nicht wieder raus. Dieses Erlebnis war einer meiner bisherigen Höhepunkte hier in Kenia.

 

Waschen ohne Waschmaschine

 

Im Vergleich zu meiner Woche sieht das Wochenende meistens ein bisschen entspannter aus. Da wir weder eine Spülmaschine noch eine Waschmaschine haben, geht der halbe Samstag meistens mit Wäschewaschen drauf. Drei große Wassereimer, Waschpulver, ein Stück Seife und laute Musik, schon kann der Spaß beginnen. Am Sonntag gehe ich oft mit der ganzen Familie in die Kirche. Da der Gottesdienst allerdings zu achtzig Prozent auf Swahili gehalten wird und meistens länger als drei Stunden dauert, vergeht die Zeit manchmal nur langsam. Im Gottesdienst wird viel gesungen und getanzt, was sehr emotional, erfrischend und beeindruckend ist.

 

Schon viel vom Land gesehen

 

Die jetzigen Schulferien nähern sich dem Ende und diese habe ich bestmöglich genutzt, um viel vom Land zu sehen. Mit meinem Besuch aus Deutschland verbrachte ich zunächst ein paar sonnige Tage an der Küste in Mombasa. Anschließend machten wir eine Safari im Maasai Mara, dort sahen wir Löwen, Giraffen, Elefanten, Geparden und vieles mehr. Natürlich lernte mein Freund dann auch noch meine Gastfamilie kennen, sah die unterschiedlichen Schulen, an denen ich arbeite und verbrachte einen Tag mit mir an der St.Claret. Nachdem alle wieder abgereist waren, stellte ich mich der Challenge, den Mount Kenya zu erklimmen. Der vor drei Millionen Jahren erloschene Vulkan ist der zweithöchste Berg in Afrika. Die viertägige Tour war aufgrund der zunehmenden Kälte wirklich erschwerend, allerdings hatte sich jede Anstrengung gelohnt, als wir auf einer Höhe von 4985m den Sonnenaufgang betrachten durften. Mein Leben hier in Kenia ist völlig anders als in Deutschland. Ich genieße es sehr, so viel Zeit mit den Kindern zu verbringen. Ich finde es spannend, einen tiefen Einblick in die unterschiedlichen Traditionen und Lebensweisen zu gewinnen. Aufgrund der 47 verschiedenen Stämme und unzähligen Sprachen sind in Kenia viele vielfältige und spannende Kulturen zu finden. Es macht mir große Freude, mit meiner Gastfamilie zu kochen, zu spielen und rumzualbern. Mein Swahili ist zwar immer noch „kidogo“ (mangelhaft), aber ich bin fleißig am Lernen.

 

Überschwemmungen in Kenia

 

Zum Schluss möchte ich gerne noch einmal die Gelegenheit nutzen, um auf die starken Überschwemmungen hinzuweisen, die momentan in Kenia herrschen. Da es seit Wochen täglich stark regnet und das Wasser nicht richtig ablaufen kann, kam es in vielen Teilen des Landes zu starken Überflutungen und Erdrutschen. Es sind bereits mindestens 200 Menschen in den Fluten gestorben und weitere werden vermisst.

Gerade in der Nähe von Nairobi sind die Überschwemmungen besonders stark, sodass die Regierung beschloss, die Schulen landesweit bis auf weiteres geschlossen zu lassen. In meiner direkten Umgebung ist es glücklicherweise noch nicht so schlimm, allerdings hat meine Familie Verwandte, die im Slum leben und dort ist die Lage sehr ernst, da die meisten Häuser äußerst instabil sind.

Unter der Website missio-hilft.de könnt ihr schon mit einer kleinen Geldspende den Menschen in Kenia helfen.

Natürlich freue ich mich schon, bald in das heimelige Bremervörde zurückzukehren, aber jetzt gerade genieße ich meine restliche Zeit hier in Kenia. Ich wollte mich abschließend auch nochmal bei dem TSV Handball Bremervörde für die zahlreichen Trikots bedanken. Die Kinder tragen die Shirts mit Begeisterung und Freude. Man sieht sich in 3 Monaten.

Kwaheri (auf Wiedersehen).


UNTERNEHMEN DER REGION