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Käte Heins

Jäger gedenken ihrem Schutzpatron - Achtung vor dem Wild ist Teil jagdlichen Brauchtums

Kirchwistedt. „Wer diesen Gottesdienst verpasst hat, der hat etwas verpasst“. Rund 100 Besucher erlebten am Sonntag in der Johannes der Täufer Kirche einen Gottesdienst, der ganz besonderen Art. In der herbstlich geschmückten Kirche duftet es nach Tanne und Buchenlaub. Im vorderen Chorraum hatte Erich Heins das Hirschgeweih eines Zwölfenders platziert. Die Bläser der Jagdhornbläser Wesermünde Süd stehen auf einem dichten Laubteppich und stimmen die „Ehrenfanfare“ an.

Mit einem kräftigen Waidmannsheil begrüßte Eike Lindau, Sprecher der Jagdhornbläser Wesermünde Süd, die Besucher des Gottesdienstes. Welche Bedeutung der Schutzpatron der Jäger heute noch hat, erklärt Lindau anhand der Hubertuslegende. Obwohl Hubertus von Lüttich ein leidenschaftlicher, unermüdlicher und rücksichtsloser Jäger war, wurde er dennoch zum Schutzpatron der Jäger. Als er am Karfreitag in den Wäldern einem Rothirsch nachjagte, erblickte er plötzlich zwischen den Geweihstangen das Bild des gekreuzigten Christus. Entsetzt ließ er von dem Tier ab und erkannte, welchem frevelhaften Pfad er gefolgt war. Warum wird gerade ein leidenschaftlicher Waidmann, der die Jagd von einem auf den anderen Tag aufgibt, der Schutzpatron der Jäger? Im christlichen Verständnis ist alles, was auf der Erde existiert, ein Werk aus Gottes Schöpfung. „Es geht darum, dass wir nicht nur der Natur, sondern auch uns mehr Schonung gönnen sollten“, appellierte Pastor Christian Klotzek. Die Achtung vor dem Wild ist bei den Jägern tief verankert und drückt sich in vielen alten Traditionen und Ritualen aus. „Ich denke, dass es keinen Jäger gibt, der nicht nach erfolgreicher Jagd einen Moment innehält“, betont Lindau. Das war nicht immer so. Betrachtet man rückblickend die jagdliche Epoche der barocken höfischen Jagden, bei denen das Wild zur Befriedigung der Jagdlust und Langeweile getötet wurde. Heute gewinnen wieder Gruppierungen an Einfluss, die besonders im Schalenwild einen Störfaktor auf dem Weg zum wirtschaftlichen Profit sehen. „Diese Gruppen möchten am liebsten keine Jäger mehr, die Brauchtum pflegen und dem Wild ihre Achtung erweisen. Hier wird der Begriff des Wildmanagers bevorzugt, der ohne Rücksicht, dafür mit umso mehr Effizienz in die Bestände eingreift“, so Lindau. Wer tötet, der trifft eine Entscheidung, für die es einen gewichtigen Grund geben muss. Für die Jäger ist das der Erhalt gesunder Wildbestände, die zahlenmäßig an einen für sie geeigneten Lebensraum angepasst sind. Am Ende ist die Weise, wie wir Menschen miteinander umgehen ein Spiegel dessen, wie wir miteinander umgehen. In dieser Erkenntnis war Hubertus der heutigen Generation bereits vor langer Zeit voraus.


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