Leserbrief

Ein Schlag ins Gesicht

Leser Michael Theis kritisiert in seinem Leserbrief das unzureichende Pandemiemanagement.

Bilder
Ein Ausweg sieht anders aus. Bild: commons

Ein Ausweg sieht anders aus. Bild: commons

In der Ausgabe vom 7. Januar war der Artikel „Vereinfachte Anträge“ zu lesen, der ein Schlag ins Gesicht der vielen von Corona betroffenen Unternehmen und deren Mitarbeiter:innen ist. Denn neben der selbstbeweihräuchernden Selbstdarstellung des Herrn Lars Klingbeil geht völlig unter, dass außer, dass die Überbrückungshilfe III durch die Regierung beschlossen wurde, noch nichts passiert ist.
Dem Bürger wird aber suggeriert, dass der Staat in seiner unendlichen Güte den Unternehmen Geld zum Überleben in Hülle und Fülle zur Verfügung stellt. Bekannte und Freunde, mit denen ich über die Probleme der geschlossenen Betriebe rede, glauben, dass die Zuschüsse fließen und dass die Summen der Zuschüsse natürlich zum Überleben der Firmen reichen. Die Wahrheit aber ist:
- Unternehmen wurde faktisch seit November ein Berufsverbot erteilt.
- Das Ü III Programm wurde zwar beschlossen, aber die Inhalte des Programms liegen auch heute noch nicht zu 100 Prozent fest.
- Eine Beantragung der Zuschüsse ist Stand heute (8.02.2021) noch nicht möglich.
- Mittel sind noch nicht an die Unternehmen ausgezahlt.
Nach Auskunft einer Mitarbeiterin des Bundeswirtschaftsministeriums (auf Nachfrage am 4.02.2021) wird es wahrscheinlich vor März 2021 keine Möglichkeit der Beantragung geben. Daraus folgt, dass eine Auszahlung der Zuschüsse wahrscheinlich nicht vor April erfolgen wird.
D. h., dass Firmen, die seit November 2020 zwischen 30 und 100 Prozent (seit 18.12.2020) Umsatzverlust zu verzeichnen haben, dann 5 bis 6 Monate mit Null Hilfe des Staates dastehen und somit auch gesunden Firmen langsam die Puste ausgeht. (Nach Herrn Altmaier soll der Lockdown ja bis Ostern gehen)
Herr Klingbeil redet auch über die Möglichkeit der Firmen, Teilwertabschreibungen auf die Ware vorzunehmen und diese als Fixkosten abzurechnen. Wenn man genauer hinschaut, wird diese Unterstützung bei sehr vielen Unternehmen nicht ankommen.
All dies weiß Herr Klingbeil. Fakt ist: Die Pandemie ist unleugbar da. (Ich leugne diese nicht - schlimm genug, dass wir in unserem Land mittlerweile soweit sind, dass man dies besonders betonen muss, um nicht als Antidemokrat zu gelten.) Der Staat hat sich aber nur Gruppen und Branchen herausgesucht, die eine geringe Lobby haben, um sie zu Sündenböcken der Pandemie zu machen.
- Die Industrie und die Onlinehändler werden geschützt, damit der Staat weiterhin gut Steuern kassieren kann (und können Ihre Werke und Verteilzentren auch dann weiterhin betreiben, wenn Corona Ausbrüche zu verzeichnen sind).
-Lebensmitteleinzelhändler, Drogeriemärkte und Sonderpostenhändler dürfen zu Ihrer Freude alles verkaufen (Werkzeug/Bücher/Blumen/Sportartikel/Textilien/Schuhe usw. kann man in allen o.g. Geschäften finden, und zwar mehr als früher).
- Der Staat wird die groß herausgestellten Zuschüsse bezahlen, wenn er einen Großteil der Firmen getötet hat.
- Der Staat schützt die Alten- und Pflegeheime nicht ausreichend. Herr Klingbeil weiß dies alles (Herr Altmaier, Herr Scholz und wie sie alle heißen auch). Also, warum so viel Desinformationen und so wenig Hilfe? Übrigens: Galeria Kaufhof/Karstadt schreit einmal und erhält innerhalb von Tagen eine Unterstützung von 460 Mio. Euro, zwar „nur“ als ein Darlehen, aber sehr kurz, nachdem der Staat am Ende der Insolvenz als Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt und Verzicht geübt hat.
Ich wünsche mir von allen Kulturschaffenden, Friseur:innen, Gastronom:innen, Freizeitunternehmer:innen, Sportvereinen, Händler:innen und Bürger:innen unseres Landes, die diese Ungerechtigkeiten ertragen müssen: Steht auf! Lasst uns die Demokratie wieder nutzen, denn unsere gewählten Vertreter haben Sie an die Bundeskanzlerin und Ministerpräsident:innen abgegeben.
Es gibt nicht nur „Friday for Future“, sondern auch „Recht auf Gerechtigkeit für alle“
Michael Peter Theis, Verkaufsleiter eines mittelständischen Filialunternehmens im Schuheinzelhandel.
 
 
Leserbriefe sind keine redaktionellen Beiträge, sondern stellen Meinungen der namentlich genannten VerfasserInnen dar. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. Anonyme Zuschriften werden nicht veröffentlicht.


UNTERNEHMEN DER REGION