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Lena Stehr

Drohende Blutleere im Konservenschrank 

Blutspenden und Typisierungen sind in der Region zurückgegangen
 

Bild: Photographer:Hatchapong Palurtchaivong

Anlässlich des Tags der Organspende am 4. Juni wurde berichtet, dass die Zahl der Organspender:innen im ersten Quartal 2022 um 26 Prozent zurückgegangen ist. Auch die DKMS und das DRK sind dringend auf Spenden angewiesen, damit Leben gerettet werden können.
„Die Pandemie hat uns ausgebremst und zurückgeworfen“, sagt Gerd Holzhauer aus Ritterhude. Er engagiert sich seit rund 30 Jahren für die Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und organisiert zusammen mit einem Team aus acht Ehrenamtlichen Spenden- und Typisierungsaktionen in der Region. Bis heute kamen so knapp 286.000 Euro zusammen, 14.220 Menschen ließen sich registrieren, 91 von ihnen spendeten Stammzellen und retteten Blutkrebserkrankten das Leben.
 
Mit Stammzellen leben retten
 
Vor Corona kamen durch die Ritterhuder Initiative durchschnittlich um die 300 neue potenzielle Spender:innen pro Jahr zur weltweiten Kartei mit rund elf Millionen Registrierten dazu, sagt Holzhauer. Doch während der vergangenen zwei Jahre fanden keine Typisierungsaktionen statt. Erst seit der Publica läuft es wieder, zwölf Menschen ließen sich im Rahmen der Messe typisieren, so Holzhauer.
Die Kosten in Höhe von 35 Euro pro Typisierung, bei der mit Wattestäbchen DNA aus dem Mundraum entnommen wird, werden durch Spenden finanziert. Gibt es ein „Match“ mit einem Erkrankten, werden die potenziellen Stammzellenspender:innen benachrichtigt und es wird geklärt, ob sie vom Alter und Gesundheitszustand noch infrage kommen und ob ihnen entweder per verlängerter Blutspende oder durch einen kleinen Eingriff am Beckenkamm schmerzfrei Stammzellen entnommen werden sollen.
„Es erkranken immer noch mehr als 100 Menschen am Tag an Leukämie, den meisten kann durch eine Stammzellenspende geholfen werden. Deshalb sollten sich so viele Menschen wir möglich typisieren lassen“, sagt Holzhauer. Die nächsten Aktionen finden am 3. Juli in Dannenberg und eine Woche später beim Jubiläumsturnier des FC Osterholz-Scharmbeck statt. Nähere Informationen gibt es bei Gerd Holzhauer unter der Telefonnummer 04292/1630.
 
Versorgungsengpass bei Blutkonserven
 
Immer auf Spender:innen angewiesen sind auch die DRK-Blutspendedienste. Nach Angaben des DRK spenden in Deutschland rund drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig Blut. Um die Versorgung mit Blutpräparaten zu sichern, müssten es aber doppelt so viele sein. Etwa 15.000 Blutkonserven werden pro Tag in Deutschland benötigt (rund 2.300 in Niedersachsen) und zwar vor allem für die Krebstherapie, aber auch zur Behandlung schwerer Organerkrankungen sowie bei der Versorgung nach Unfällen. Angesichts von derzeit nur rund 1.600 gespendeten Blutkonserven täglich bei gleichzeitig erhöhtem Bedarf aufgrund nachzuholender Operationen spricht Markus Baulke vom Niedersächsischen Blutspendedienst NSTOB von einem Versorgungsengpass.
Seit Beginn der Pandemie habe es so viele Engpässe wie noch nie zuvor gegeben. Und der Trend zeichnet sich auch in den Landkreisen Rotenburg (Wümme) und Osterholz ab. So seien laut Baulke in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 noch 140 Menschen pro Blutspendetermin erschienen, im gleichen Zeitraum 2022 dagegen nur noch 125. Auch die Zahl der Erstspender:innen sei gesunken, von 13 Prozent im Jahr 2020 auf jetzt 9,5 Prozent.
Als Grund nennt Baulke unter anderem die Quarantäne-Regeln. Wer eine Corona-Infektion hinter sich habe, dürfe erst nach vier Wochen wieder Blut spenden. Zudem habe die Lockerung vieler Corona-Regeln dazu geführt, dass viele Menschen nun lieber andere Dinge in ihrer Freizeit täten als Blut zu spenden.
Um doch wieder mehr Menschen zur Blutspende zu bewegen, bietet der Blutspendedienst vom 13. Juni bis zum 10. Juli wieder einen kostenlosen Antikörpertest an. Mit diesem Zusatzangebot habe man vor Kurzem schon einmal die Blutspendebereitschaft deutlich erhöhen können, so Baulke.
 
Blutspendetermine
 
Blutspendetermine finden sich unter www.blutspende-leben/termine. Unter www.drk-blutspende.de/blutspendetermine ist es möglich, sich vorab online eine Spendezeit zu reservieren.
 


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