Ralf G. Poppe

Der Umweltexperte

Zwischen Bundestag, Hamburger Hafen und Kreisliga-Plätzen verbindet Jochen Hake Umweltpolitik, Ehrenamt und regionale Verwurzelung.
Jochen Hake im vergangenen Jahr in einer TV-Sendung des NDR.

Jochen Hake im vergangenen Jahr in einer TV-Sendung des NDR.

Bild: Rgp/eb

Bremervörde. Um beruflich voranzukommen, hat Jochen Hake die Ostestadt vor rund 35 Jahren verlassen. Vor sieben Jahren kehrte er mit seiner Familie zurück in die Stadt, in der seine Verwandten stark verwurzelt sind. Urgroßonkel August Hake war nicht nur Schatzmeister beim MGV-Harmonie Bremervörde, sondern auch Maler mit einem guten Namen, der unter anderem von der Volksbank mit einer Ausstellung geehrt wurde. Großvater Dr. Heinz Engler war seinerzeit sogar Chefarzt im Bremervörder Krankenhaus.

 

Luftreinheit und atomrechtliche Aufgaben

„Auf der Flucht verschlug es meine Oma mit ihren damals zwei Töchtern nach Bremervörde-Elm. Mein Opa Dr. Heinz Engler war Arzt beim Roten Kreuz. Er kam später nach. Meine Großeltern waren Vertriebene. Meine Mutter ist 1947 in Bremervörde geboren.“ Jochen Hake, Jahrgang 1970, wuchs im direkten Bremervörder Umfeld auf. Zuerst in Iselersheim, wo er 1976 eingeschult wurde, dann in Hönau-Lindorf. Sein Abitur machte er 1989 am Landwirtschaftsgymnasium. Anschließend diente Hake bis 1991 als Bundeswehrsoldat der FlaRak36 in Bremervörde. Dann führte ihn das Leben nach Oldenburg, wo er sein Studium in Biologie als Diplombiologe abschloss. Parallel studierte Hake Politik und Geschichte, sowie Frauen- und Geschlechterstudien. Nebenher arbeitete er im Einzelhandel, als Grafikdesigner, wurde AStA-Sprecher, sowie Mitbegründer und Mitorganisator der ersten Treffen vom Symposium for Biology Students in Europe.

Hakes Hobby war damals das Tango-Tanzen – jedes Wochenende gab es Tanzabende. Hier lernte er seine heutige Ehefrau kennen. „Teilweise sind wir zusätzlich noch nach Bremen zu den Tangoabenden gefahren.“ Anschließend arbeitete Hake für die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag in Berlin. „Das war Zufall. Ich hatte mich nach meinem Abschluss als Diplom-Biologe und einem Jahr im Bereich Suchtprävention nochmals zu einem Studium entschlossen, um Lehrer zu werden. Dann rief mein Vorgänger – er war für die Jusos AStA-Vorsitzender – mich an, und ermunterte mich, bei der Grünen Bundestagsfraktion eine Bewerbung einzureichen. Nach Praktikum und Zeitverträgen wurde ich nach der Wahl 2005 Referent für Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Bundestagsfraktion.“

Nach über zehn Jahren in der Hauptstadt, sowie der Arbeit mit mehreren Abgeordneten, wollte Hake dann etwas Neues wagen. Da kam ein Anruf aus der Landesvertretung Hamburg gerade recht. „Mir wurde die Elternzeitvertretung im Bereich Energie und Umwelt angeboten. Nach Klärung der Formalitäten durfte ich ab Januar 2018 nicht nur den Umweltausschuss des Bundesrates bzw. die Energiethemen im Wirtschaftsausschuss organisieren, sondern zusätzlich den Finanzausschuss im Auge behalten, um die entsprechenden Vorlagen für die Senatsdrucksachen zum Bundesrat aufzubereiten“, erinnert sich der Bremervörder. Anschließend erfolgte die Bewerbung bezüglich einer Festanstellung für die Geschäftsstelle der Umweltministerkonferenz, die 2019 in Hamburg angesiedelt wurde.

Heute leitet Jochen Hake in Hamburg das Referat für Luftreinhaltung und atomrechtliche Aufgaben in der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft. Als Leiter eines Ministeriums in der zweitgrößten Stadt Deutschlands liegt es mit in seiner Verantwortung, den Hafen zu überwachen, Schiffskraftstoffe zu beproben, und zu überprüfen, ob die Schwefelgrenzwerte eingehalten werden. „Unsere Hauptaufgabe ist die Überwachung der Luftqualität und die Messnetzplanung für das Hamburger Luftmessnetz, dass vom Institut für Hygiene der Stadt Hamburg betrieben wird.“ Ehrenamtlich engagiert sich der Umweltexperte als Vorsitzender der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen / FDP im Stadtrat. Diesbezüglich hat er in Kooperation mit der Fraktion der CDU bereits mehrere innovative Projekte für Bremervörde in die Wege geleitet.

 

Ehrenamtlich Schiedsrichter

Wer viel Verantwortung trägt, benötigt einen Ausgleich zur Entspannung. Als Hake nach Bremervörde zurückkehrte, trat er dem TSV Iselersheim bei. Als Fußballer tritt er jedoch mittlerweile kürzer, spielt nur noch, wenn Not am Mann ist. Dafür ließ der Sportsmann seine „Schiedsrichterei“ wieder aufleben, die er bereits in jungen Jahren betrieben hatte. „Ich bin an den Wochenenden zwei Mal, manchmal gar drei bis vier Mal in der Woche auf den Plätzen unterwegs.“ Hake wollte ursprünglich lediglich ein wenig in der dritten, vierten Kreisklasse pfeifen. Doch sein Hobby brachte ihm derart viel Freude, dass er zudem als Assistent im Elbe-Weser-Dreieck aushilft. „Ich fahre mit nach Lüneburg, Cuxhaven, Verden, Walsrode und Soltau – dafür geht jeweils ein ganzer Tag am Wochenende drauf. Aber es bringt einfach unheimlich viel Spaß, mit den Schiedsrichter-Kolleginnen und Kollegen unterwegs zu sein, mit Menschen vor Ort zu sprechen, und andere Plätze kennenzulernen.“


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