Ralf G. Poppe

Der Beruf als Berufung

Aus einer frühen Eingebung wurde eine lebenslange Berufung: Wie Bianca Holsten seit mehr als 30 Jahren mit fachlicher Kompetenz, unternehmerischem Mut und einem starken Team die Physiotherapie in Bremervörde prägt.
Bianca Holsten (2. v. l.) liebt ihre Arbeit mit ihrem Team im Gesundheitszentrum.

Bianca Holsten (2. v. l.) liebt ihre Arbeit mit ihrem Team im Gesundheitszentrum.

Bild: Rgp

Bremervörde-Elm. Bianca Holsten ist in Bremervörde geboren, vor den Stadtgrenzen aufgewachsen und seit vielen Jahren in Elm zuhause. Ihre Berufung ist es, Menschen bei körperlichen Beschwerden zu helfen und das tut sie an ihrem Arbeitsplatz mitten im Herzen der Ostestadt.

Holsten ist zweifache Mutter und hat in ihrem Leben bereits einiges erreicht. Dennoch wird sie nicht müde zu betonen, dass all ihre Erfolge – Menschen bei Beschwerden zu helfen – ohne ihr Team nicht möglich gewesen wären. Sie beschäftigt über 20 Fachkräfte.

 

Der Berufswunsch

Ihren Berufswunsch hat sie entdeckt, als sie einmal eine Freundin zur Rückengymnastik begleitet hat. „Ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich damals war. Aber seit dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich Physiotherapeutin werden möchte“, so Holsten. Wenig später hat sie ein Schulpraktikum bei einem Physiotherapeuten absolviert – bis sie mit der Ausbildung beginnen durfte, musste sie allerdings warten, bis sie volljährig war. Die Zeit nach den Realschulabschluss wurde deshalb mit dem Besuch einer Sozialpflegeschule überbrückt. „Dann habe ich noch ein Dreivierteljahr in einer Physiopraxis gejobbt, Termine ausgemacht und Fangopackungen gelegt. Bis ich dann endlich 18 Jahre alt war und in die große weite Welt hinausdurfte“, erinnert sich Holsten.

Mittlerweile kümmert sie sich seit mehr als 30 Jahren als Physiotherapeutin um die Gesundheit der Menschen in und um Bremervörde – seit 22 Jahren ist sie selbstständig. Stets stellt Holsten das Wohlbefinden ihrer Patienten in den Vordergrund. Verschiedene Zusatzqualifikationen wie beispielsweise die Atlastherapie und ihre Qualifikation als sektorale Heilpraktikerin sorgen dafür, dass ihre Hilfeleistungen immer auf dem aktuellsten Stand sind.

 

Die Ausbildung

„Mit 18 habe ich in Oldenburg meine Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Damals war es so, dass man zwei Jahre lang eine schulische Ausbildung durchlaufen musste, um anschließend das Examen zu machen. Das dritte Jahr in der Ausbildung war ein Anerkennungsjahr. Hier gab es keine Theorie mehr, es wurde ausschließlich praktisch gearbeitet. Ich habe diesen Teil der Ausbildung in der Rehaklinik in Gyhum bei Rotenburg absolviert“, erklärt Holsten.

Danach hat sie einige Jahre in Ebersdorf gearbeitet, bevor sie ihre erste Praxis in der Neuen Straße 18 eröffnete. Nun praktiziert sie seit rund 20 Jahren in der Neuen Straße 14. Seit einiger Zeit bildet sie zudem fachlichen Nachwuchs aus. „Früher durften wir nie in der Praxis arbeiten, sondern mussten in die Krankenhäuser gehen. Doch auch dort durften wir lediglich mitlaufen. Heutzutage dürfen Auszubildende, wenn sie einen gewissen Fachbereich abgedeckt haben, bereits allein arbeiten.“

Sie berichtet von den Kooperationen, die ihr Gesundheitszentrum mit der Fachschule in Buxtehude und der Rehaklinik in Gyhum eingegangen ist. Zurzeit hat ihr Betrieb wieder eine Praktikantin. „Das ist schön, um selbst Nachwuchskräfte zu generieren.“ Eine weitere junge Frau hat vor ihrer Ausbildung zwei Praktika bei Holsten absolviert und arbeitet seit diesem Jahr als examinierte Physiotherapeutin in Bremervörde. Es hat ihr in dem Betrieb so gut gefallen, dass sie nach ihrer Ausbildung direkt dort geblieben ist. „Wir haben ein großartiges Team. Ich lege Wert darauf, dass wir alle gemeinsam, mit Anhang, eine Sommertour machen. Zudem geht es in diesem Jahr für ein paar Tage mit dem Team nach Mallorca. Und es gibt natürlich eine vernünftige Weihnachtsfeier.“

 

Das seelische Wohl

Holsten beschreibt ihr Engagement als Berufung. „Es ist tatsächlich eher eine Berufung, wenn man diesen Beruf ergreift.“ Die Physiotherapie gehört aufgrund der Abhängigkeit zum Beispiel von den Krankenkassen zu den weniger gut entlohnten Jobs. Die geleistete Arbeit wird nur wenig gewürdigt – ein Grund für den Fachkräftemangel in der Physiotherapie. Sie selbst hat für ihre Ausbildung monatlich 600 D-Mark an Schulgeld bezahlt, sich dazu noch eine Wohnung mieten müssen. „Da waren schon mal jeden Monat 1.000 Mark weg – nur für das Nötigste.“ Holsten ist zwar froh, dass es das Schulgeld nicht mehr gibt, aber Physiotherapeutinnen in der Ausbildung verdienen noch immer viel zu wenig. Die Verantwortung ist hoch, die Entlohnung nicht.

Nicht nur Holsten findet, dass die Bundesregierung sich mehr für die Pflegeberufe einsetzen muss. Schließlich muss hier im Zeittakt gearbeitet werden. Im Normalfall dürften mit der Krankenkasse pro Physiotherapie 15 bis 20 Minuten abgerechnet werden. Diese Zeit einzuhalten, ist nicht unbedingt leicht. Daher wird im Gesundheitszentrum im 25-Minuten-Rhythmus gearbeitet, auch wenn so Zeiten anfallen, die von der Krankenkasse finanziell nicht übernommen werden. „Das seelische Wohl der Menschen gehört doch dazu. Es bringt den Erfolg. Wenn man im Laufe der Behandlung das, was einen bedrückt, sagen darf, fühlt man sich verstanden, und dadurch wohler.“


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