Francesca Renken

„Depression Unplugged“ - Mit Musik gegen das Stigma psychischer Krankheiten

Bremervörde. Die Auftaktveranstaltung der Konzertreihe „Zwischen den Stühlen“ am vergangenen Wochenende war ein voller Erfolg. Sängerin Marie-Luise Gunst brachte mit der Vorstellung ihres Albums „Depression Unplugged“ eine tiefe Spannung und Intimität auf die Bremervörder Kulturbühne.

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„Ich stehe heute nicht nur als Musikerin auf der Bühne, sondern auch als Betroffene“, gab Gunst zu Beginn des Konzertes offen zu.  Foto: fr

„Ich stehe heute nicht nur als Musikerin auf der Bühne, sondern auch als Betroffene“, gab Gunst zu Beginn des Konzertes offen zu. Foto: fr

Bremervörde. Die Auftaktveranstaltung der Konzertreihe „Zwischen den Stühlen“ am vergangenen Wochenende war ein voller Erfolg. Sängerin Marie-Luise Gunst brachte mit der Vorstellung ihres Albums „Depression Unplugged“ eine tiefe Spannung und Intimität auf die Bremervörder Kulturbühne.
„Ich stehe heute nicht nur als Musikerin auf der Bühne, sondern auch als Betroffene“, gab Gunst zu Beginn des Konzertes offen zu. Das eingespielte Team mit Pianist Jörg Mischke und Gitarrist Johannes Feige brachte Gunst Erfahrungen mit der psychischen Erkrankung Depression ganz nah an das Publikum. Für viele Betroffene im Publikum war es eine Erleichterung, ihre eigenen Gefühle so bildhaft beschrieben zu hören. Für die Nicht-Betroffenen war es eine Möglichkeit, sich ein Bild von der Krankheit zu machen und was mir ihr einhergeht. Nämlich nicht bloß eine tiefe Traurigkeit und Antriebslosigkeit, sondern, wie Gunst mit ihren Songs „5, 6, 7, 8samkeit“ und „Neue Saiten“ verständlich machte, eine ständige Frage nach dem Sinn, dem eigenen Selbstwert und der Sehnsucht, endlich wieder etwas zu spüren.
Im Kontrast zu ihrer gefühlvollen Musik gab Gunst zwischen den Liedern auf humorvolle Weise ihre eigenen Erfahrungen kund. Ihr Leben mit der Depression „als Mitbewohnerin“, die ihr nachts auf die Schulter tippte und sie mit existenziellen Fragen wachhielt, der alles zu positiv war und die bevorzugte, die Vorhänge zugezogen zu lassen. Auch über ihre Erfahrungen mit Medikation gegen Depression und ihrer Therapie sprach Gunst ganz offen, um dem Stigma psychischer Erkrankungen entgegenzuwirken.
Zum Ende des Abends wurden die Texte ihrer Songs hoffnungsvoller. Mit „Der AkzepTanz“, „Ade, Depression“ und „Verstrickt ins Leben“ sang sie darüber, wie sie sich von ihrer Krankheit verabschiedete und durch neue Leidenschaften wie die Musik oder das Stricken zurück ins Leben fand und neuen Mut fasste, glücklich durch ihr Leben zu gehen. Gunst und ihre Band wurden durch einen tosenden Applaus verabschiedet und gaben noch eine Zugabe, bei der die Stimmung so ausgelassen war, dass Feige bei seinem Gitarrensolo sogar eine seiner Saiten riss.
Auch nach dem Konzert stand Gunst für die Gäste noch zur Verfügung, um ganz auf Augenhöhe Gespräche zu führen und nahm sich die Zeit Fragen zu ihrer Krankheit und persönlichen Erfahrungen zu beantworten.


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