

Bremervörde. Im September 2025 verloren Annelies Schnoor ihren Mann und Sarah, Nicky und Kevin ihren Vater nach 15 Monaten Kampf gegen den Krebs Dieses einschneidende Erlebnis sorgte dafür, dass Nicky und Annelies in der Trauerphase über sich hinausgewachsen sind und nun als Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins „Abend fürs Leben e. V.“ dafür kämpfen, dass erkrankte und betroffene Menschen, Familien und auch die Krebsforschung wenigstens mit einer finanziellen Spende etwas mehr Hoffnung und Unterstützung bekommen.
2.000 Euro für das Hospiz
Ende Juni bot der Verein einen Flohmarkt auf dem Parkplatz von Edeka Meibohm in Ahlerstedt an und die kompletten Standgebühren gingen zu 100 Prozent in den Spendentopf. Dazu nutzt Annelies Schnoor die Möglichkeit, mit Eis- und Bratwurstverkauf sowie einem eigenen Flohmarktstand zusätzlich die Spendensumme zu erhöhen, sodass die beachtliche Summe von 2.000 Euro zusammenkam. Dieser Betrag wurde nun an das Hospiz zwischen Elbe und Weser übergeben.
Die Öffentlichkeitsbeauftragte des Hospizes, Bianka Grieschow-Pülsch, zeigte sich sehr gerührt und dankbar bei der Spendenübergabe in den idyllisch gelegenen Räumlichkeiten im Engeoer Wäldchen. „Das Hospiz ist 2014 eingeweiht worden und wir können elf schwerkranke Gäste aufnehmen. Im Hospiz gewährleistet ein multiprofessionelles Team jederzeit die beste Pflege und medizinische Versorgung. Die palliativen Behandlungsmethoden helfen Schmerzen und andere Belastungssymptome soweit wie möglich zu kontrollieren und zu lindern. Gäste und Angehörige werden durch Fachpersonal beraten und auch durch Ehrenamtliche begleitet. Ein seelsorgerisches Angebot eröffnet die Möglichkeit für Einzelgespräche oder auch für Gespräche in der Gemeinschaft.“
Seit einigen Jahren wird das Angebot des stationären Hospizes durch das angegliederte Tageshospiz erweitert, bei dem sechs Gäste an einem oder mehreren Tagen in der Woche einen Wohlfühlort mit professioneller Betreuung haben. Für die Gäste entstehen keine Kosten. Die Finanzierung läuft zu 95 Prozent über die Krankenkassen und zu fünf Prozent aus Spendengeldern. Daher sei eine Unterstützung aus der Bevölkerung so hilfreich, erklärt Grieschow-Pülsch bei der Führung durch das Haus.
Die Diagnose verändert alles
Im „Raum der Stille“ erzählten Annelies und Tochter Nicky von Bastian – ihrem Ehemann und Vater. Sie berichteten von den ersten Rückenschmerzen im April 2024, die mit Massagen behandelt wurden, von der Erschöpfung des Power-Mannes und den ersten Untersuchungen im Krankenhaus, bei denen die Diagnose „unheilbarer Darmkrebs mit Knochenmetastasen“ auf einmal wie ein Damokles-Schwert über der Familie hing. Trotz Operationen, Chemo und Kraftverlust wollte Bastian Schnoor, solange es geht, ein normales Leben führen – mit Arbeit im Homeoffice, Urlauben, Treffen und Veranstaltungen mit Freunden und ganz viel intensiver Zeit mit der Familie.
Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus oder der Palliativstation kam für die Ausnahmefamilie nicht in Frage und dank eines Freundes mit medizinischem Hintergrund war die Pflege zuhause auch sofort geregelt.
Strukturiert und organisiert, wie der stellvertretende Betriebsleiter war, wurde alles für die letzte Zeit und die Zeit danach vorbereitet: Papiere mit der Tochter gesichtet und sortiert, Geschenke gekauft und Briefe für die Geburtstage der Liebsten nach dem Tod geschrieben und bis zum letzten Tag immer mit einem Lächeln im Gesicht Stärke, Zuversicht und Hoffnung an die Familie und Freunde vermittelt. Die letzten Tage nutzte Familie Schnoor, um sich bewusst zu verabschieden und gab auch den Angehörigen den Raum dafür.
Bisher 25.000 Euro gesammelt
Bastian Schnoor war – unwissentlich – Ideengeber für den heutigen Verein, denn er bat seine Tochter Nicky: „Mach etwas mit deiner Kreativität“. Angeregt von einem Projekt in den sozialen Medien erzählte die junge Frau ihrer Mutter von der Idee. Nur wenige Wochen nach Bastians Tod gründeten Mutter und Tochter den gemeinnützigen Verein bereits im November 2025 und die ersten Aktivitäten wurden ab 2026 geplant. Bis heute hat der dynamische Verein bereits über 25.000 Euro gesammelt und dabei Aktionen wie den „Wünschewagen Niedersachsen“, die Hospizarbeit der Kirchengemeinde Harsefeld, die Kinderkrebsstiftung, Darmkrebsvorsorge, die Krebsforschung und nun das Hospiz in Bremervörde unterstützt. „Wir können Bastian nicht zurückholen. Aber wir können dafür sorgen, dass andere Familien Unterstützung erfahren und niemand seinen Weg allein gehen muss“, sagt Annelies Schnoor.
Annelies und Nicky werden weiter kämpfen und Spenden sammeln – in Erinnerung an ihren Vater, in Erinnerung an das Leben und in der Hoffnung, anderen Familien helfen zu können. Wer die Arbeit des Vereins unterstützen oder Mitglied werden möchte, findet Informationen unter abendfuersleben.de/.




