Nina Baucke: 3.000 km auf dem Jakobsweg - eine Wanderung auch zu sich selbst
Überwältigend waren der fesselnde Vortrag von Nina Baucke über ihre Wanderung auf dem Jakobsweg und die unerwartet hohe Zuschauerzahl auf der Veranstaltung des Bremervörder Kultur- und Heimatkreises.
Während einer fünfmonatigen beruflichen Auszeit begab sich Nina Baucke auf eine persönliche Reise entlang des Jakobswegs, der in ihrer Heimatstadt Bremervörde beginnt - eben dort, wo man losgeht. Ausgerüstet mit einem Rucksack von elf Kilogramm und anfänglich in unpassenden Wanderschuhen, legte sie im Durchschnitt 21 Kilometer pro Tag zurück.
Auf ihrem Weg durch Deutschland und Belgien sammelte Baucke bemerkenswerte Erfahrungen und Einsichten. Sie bemerkte, dass nur wenige Dinge für das tägliche Leben notwendig sind und dass es eine tägliche Herausforderung ist, sich auf die nächste Etappe zu begeben. Ein Leitspruch aus Michael Endes Roman „Momo“ begleitete sie bei ihrer Wanderung: „Du darfst nie an die ganze Straße auf einmal denken. Du musst nur an den nächsten Schritt denken, den nächsten Atemzug. Und immer wieder nur an den nächsten.“
Den längsten Abschnitt bildete die 1.200 Kilometer lange Strecke durch Frankreich. Abgesehen von leichten Sprachproblemen in Belgien und Frankreich, die sie radebrechend überwinden konnte, erwachte in ihr die Liebe zu Frankreich. „Als ich Frankreich erreicht hatte, hatte ich das Gefühl, dass ich in diesem ganzen Wahnsinnsabenteuer angekommen und ganz bei mir bin - und das Laufen ist selbstverständlich geworden“, so Baucke. Ungehinderter als vorher wandte sich ihr Blick fortan den Schönheiten von Natur, Bauten und Menschen zu.
Immer wieder riefen menschliche Begegnungen ihre Dankbarkeit hervor: Sei es, dass ihr bei einem gefährlichen Gewitter in freier Flur bei dem einzigen Haus weit und breit Schutz, Essen und Trinken gewährt wurde - eine Geste der Nächstenliebe. Oder dass sie in einer französischen Kleinstadt in einer Pilgerherberge als einzige Bewohnerin von einem Ehepaar mit Vier-Gänge-Menü verwöhnt und umsorgt wurde – und das ehrenamtlich.
Baucke stellte sich verschiedenen Herausforderungen, darunter schmerzende Füße, Dauerregen und Erkältungen, jedoch ohne negative Begegnungen. Die Mühen wurden durch atemberaubende Ausblicke belohnt, besonders bei der Querung der Pyrenäen. Nach viel meditativer Ruhe begann jenseits der spanischen Grenze der Trubel auf dem Camino Frances. Ebenso erschöpft wie glücklich erreichte sie die prächtige Kathedrale von Santiago de Compostela, wo für die meisten Pilger die Reise endet. Ihr Weg führte sie aber bis zum Kap Finisterre in Spanien, dem symbolischen „Ende der Welt“, wo sie den Null-Kilometer-Stein des Jakobswegs erreichte.
Abschließend vermittelte Baucke, dass der Jakobsweg nicht nur eine physische Wanderung, sondern auch eine Reise zu sich selbst ist. Sie erlangte wertvolle Erkenntnisse zur Selbstbestimmung und zum Leben jenseits des Konsums.
Ihr Vortrag im Ludwig-Harms-Haus, der vom Publikum mit Applaus honoriert wurde, bot bewegende Einblicke in ihre Reise. Der Abend wurde von einer einladenden Atmosphäre und einem ehrenamtlichen Getränke-Service begleitet. Der Vorsitzende Bordiehn kündigte abschließend das Erscheinen des Comedians Christian Schulte-Loh im Februar 2026 an.