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Sicherheit: Leben auf dem Ponyhof

Die Landkreise Osterholz und Rotenburg zählen zu den sichersten Regionen des Landes. Die Zahlen zeigen im direkten Vergleich: insgesamt niedrige Kriminalität – bei wachsenden Herausforderungen in einzelnen Deliktfeldern.

Bild: Guenter Albers

Landkreis. Die Landkreise Osterholz und Rotenburg zählen zu den sichersten Regionen des Landes. Die Zahlen zeigen im direkten Vergleich: insgesamt niedrige Kriminalität – bei wachsenden Herausforderungen in einzelnen Deliktfeldern.

Niedersachsen ist sicherer geworden – und der Nordwesten gehört erneut zu den stabilsten Regionen im Land. Während die Gesamtzahl der Straftaten landesweit um 4,28 Prozent sank (auf 100.000 Einwohner kommen 6.329 Straftaten) und die Aufklärungsquote mit 62,72 Prozent hoch bleibt, liegen sowohl Osterholz als auch Rotenburg deutlich unter diesen Werten.

Im Landkreis Rotenburg wurden 2025 insgesamt 8.645 Straftaten registriert, ein Rückgang um 7,01 Prozent. Die Häufigkeitszahl auf 100.000 Einwohner liegt bei 5.211. Im Landkreis Osterholz zeigt sich ein vergleichbares Bild: Auch hier ist die Gesamtkriminalität rückläufig. Die Zahl der Straftaten insgesamt liegt bei 4.600, die Häufigkeitszahl liegt ebenfalls deutlich unter dem Landeswert bei 4.049. Beide Landkreise gehören damit zu den sichersten Regionen Niedersachsens. Hier könne man sicher leben, so die Leiterin der Polizeiinspektion Verden/Osterholz Antje Schlichtmann bei der Vorstellung der Zahlen. Der Leiter der Polizeiinspektion Rotenburg, Dieter Klingforth, erklärt dazu: „Wir behaupten damit unsere Position als eine der sichersten Regionen im Land – ein Verdienst der engen Verzahnung von präventiver Polizeiarbeit und konsequentem Ermittlungsdruck.“

Bei der Aufklärung zeigt sich ein ähnlicher Befund: Rotenburg erreicht 67,32 Prozent, Osterholz liegt ebenfalls über dem Landesdurchschnitt bei 63,54 Prozent. Weniger Taten treffen hier auf eine vergleichsweise hohe Ermittlungsleistung. Die Tatverdächtigen waren überwiegend Deutsche und stammen aus der Gruppe Erwachsene ab 21 Jahren. Auf Landesebene hat die Anzahl der deutschen Tatverdächtigen im Vergleich um 3,13 Prozent abgenommen.

Beide Landkreise verzeichnen aber einen Zuwachs von Tatverdächtigen unter 14 Jahren. Das erkläre sich vor allem über die frühe und unbegleitete Nutzung von Smartphones, so Schlichtmann.

 

Gewalt: niedrige Zahlen – ähnliche Entwicklung

Schwere Gewaltverbrechen bleiben in beiden Landkreisen selten. In Rotenburg wurden zwei relevante Taten gegen das Leben registriert, beide aufgeklärt. Ebenso in Osterholz, wobei nicht die Taten, sondern die Aufklärungen im Jahr 2025 vollzogen wurden.

Bei den Körperverletzungen zeigt sich in Rotenburg ein leichter Anstieg. Hier wurden 1.726 Rohheitsdelikte erfasst (+1,47 Prozent), in Osterholz sind die Rohheitsdelikte leicht gesunken, von 903 auf 850.

Messerangriffe sind in Rotenburg um 9 Fälle auf 52 gestiegen und in Osterholz um 6 Fälle auf 29 gesunken.

 

Häusliche Gewalt: Anstieg in beiden Landkreisen

Deutlich auffälliger ist die Entwicklung bei häuslicher Gewalt, worunter alle Formen körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt seitens (Ex-)Partnern und familiärem Umfeld, auch außerhalb des Haushalts, fallen. In Rotenburg stiegen die Zahlen auf 529 Fälle (+10,67 Prozent). Im Landkreis Osterholz sind sie dagegen leicht rückläufig, von 296 auf 273. Schlichtmann betont jedoch nachdrücklich: „Das sind Zahlen des Hellfeldes“. Im Dunkelfeld nähmen sich die Zahlen ganz anders aus.

Entsprechend sei die gesunkene Zahl keine Entwarnung. „Für uns ist klar: Wir dürfen nicht nachlassen, Betroffene zu schützen und das Dunkelfeld zu verringern. Und Andreas Schramm, Stellv. Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der

Polizeiinspektion Rotenburg appelliert: „Wenden Sie sich an uns – Sie werden mit Ihren Problemen nicht allein gelassen.“

Es dominieren Körperverletzungen, Bedrohungen und Nötigungen im sozialen Nahraum. Frauen sind in beiden Landkreisen deutlich häufiger betroffen als Männer. Landesweit bleibt die Zahl mit über 32.000 Fällen hoch – häusliche Gewalt ist damit kein Randphänomen, sondern Teil des Alltagsgeschehens, wie Innenministern Daniela Behrens mitteilt.

Im Bereich Sexualdelikte ereignete sich in beiden Landkreisen ein leichter Rückgang der Zahlen: In Rotenburg fiel die Zahl von 308 auf 271, in Osterholz von 154 auf 148.

 

Kinderpornografie und digitale Delikte

Ein besonders sensibler wie erschreckender Bereich ist die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte. Hier musste die Polizei Osterholz Verden einen Anstieg um 23,21 Prozent verzeichnen, was 69 Fällen entspricht. Auch hier soll ein Zusammenhang mit digitaler Kommunikation bestehen. Was auch erklärt, dass hier auch Kinder und Jugendliche zu Tatverdächtigen gehören, die ohne das Bewusstsein über die strafrechtlichen Folgen entsprechende Inhalte weiterleiten. Schlichtmann betont, dass man hier vor allem pädagogisch, weniger strafend reagiere und Aufklärungsarbeit leiste.

Beim Wohnungseinbruch zeigt sich in beiden Landkreisen ein vergleichsweise stabiles, insgesamt niedriges Niveau – mit leichten Verschiebungen im Detail. Im Landkreis Rotenburg wurden 2025 insgesamt 193 Einbrüche registriert, nahezu unverändert zum Vorjahr (195 Fälle). Dabei gingen klassische Wohnungseinbrüche leicht auf 118 Fälle zurück, während Tageswohnungseinbrüche auf 75 Fälle anstiegen. Auffällig ist vor allem der hohe Versuchsanteil von 47,67 Prozent – fast jede zweite Tat scheiterte bereits im Ansatz. Im Landkreis Osterholz scheiterten 54,03 Prozent der Einbrüche, was 67 von 126 Einbrüchen entspricht. Die Fallzahlen stiegen hier um 11,5 Prozent. In beiden Landkreisen ist die Aufklärungsquote bei Einbrüchen am niedrigsten: bei 24,35 (ROW) und 22,58 (OHZ) Prozent.

 

Fazit: Sichere Landkreise mit neuen Herausforderungen

Der direkte Vergleich zeigt: Osterholz und Rotenburg liegen in nahezu allen zentralen Bereichen dicht beieinander. Beide Kreise haben weniger Kriminalität als der Landesdurchschnitt, beide weisen hohe Aufklärungsquoten auf und beide profitieren von stabilen Sicherheitsstrukturen.

Gleichzeitig zeigen sich identische Herausforderungen: steigende Fallzahlen bei häuslicher Gewalt, wachsende Bedeutung digitaler Kriminalität, Veränderungen in der Jugendkriminalität. Beide Polizeiinspektionen betonen, dass die guten Ergebnisse als Verpflichtung für die Zukunft gesehen werden. Die Polizei werde auch künftig mit konsequenten Ermittlungen und schwerpunktorientierter hoher Präsenz gezielt gegen jede Form der Kriminalität vorgehen.

Foto: Adobestock


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