

Lilienthal. Vor wenigen Wochen erst schlossen sich zehn Personen zusammen zur Wählergruppe „Für Lilienthal“, um zu den Kommunalwahlen am Sonntag, 13. September, anzutreten. „Der Gedanke ist, so mehr Möglichkeiten für die Lilienthaler Bürger zu bieten“, erklärte Gründungsunterstützerin Evelin Wöstenkühler. Nach der bürokratischen Vorarbeit ist diese Wählergruppe nun gegründet worden.
Unzufriedenheit mit Parteiarbeit
Eine Unzufriedenheit nach langen Jahren Parteiarbeit beschrieben die Wählergruppenmitglieder, die auf Erfahrungen in dieser Arbeit zurückblicken können. „Ist es das noch, was ich sollte?“, fragte sich Ralf Gohlisch, der über 50 Jahre die CDU unterstützte. Entweder aufhören oder sich mit Menschen zusammentun, die ohne Parteiarbeit zusammenpassen, das sei die Ausgangssituation gewesen. „Ich habe Sabine Faber beim Einkaufen getroffen und mit ihr darüber gesprochen. Sie fand, das sei eine tolle Idee und wollte gleich Evelin Wöstenkühler anrufen. So war das“, erinnerte sich Gohlisch. Die Unzufriedenheit mit den „großen“ Partien, diese Parteiverdrossenheit, würde aus Berlin bis in die Kommunen und Gemeinden reichen, habe auch Sabine Faber beobachtet. Und so ging es auch Robert Malek, der dann ur Gruppe „Für Lilienthal“ kam. Man unterhielt sich, wie die Sache anzugehen sei und beschloss: „Wir stellen uns zusammen aus.“
Kurzes Programm statt großes Versprechen
Keiner der Wählergruppe „Für Lilienthal“ sei mehr in einer Partei. „Wir sind überparteilich und werden Erfolg und Fortschritt nicht in den üblichen Zusammenhängen verfolgen.“ Ein kurzes bündiges Wahlprogramm, das in fünf Sätzen auf einer Postkarte noch Platz lässt für die Vorstellung ihrs Verständnisses für Lilienthal, soll die Lilienthalerinnen und Lilienthaler zu Mitstreiterinnen und Mitstreitern werden lassen. „Mit Wahlversprechen, die man nicht halten kann, verspielt man vie Vertrauen. Unsere groben Ziele geben uns mehr Handlungsspielraum“, so Wöstenkühler. Und Faber wollte ihre Ratsarbeit für die Gruppe „Gemeinsam stark für Lilienthal“ auch nicht aufgeben: „Wir haben noch den Azubi-Wohnbau seit vier Jahren auf der Agenda – da will ich weitermachen. Und die Photovoltaik-Genossenschaft, die wir vor fünf Jahren angeschoben haben, ist auch noch nicht umgesetzt.“
Konzepte weiter umsetzen
Evelin Wöstenkühler griff die bereits begonnenen Gemeindeentwicklung- und Klimaschutzkonzepte der letzten Wahlperiode auf: „Wir wollen sie weiter konsequent umsetzen.“ Sükrü Özdemir möchte die Stimme für die Kaufleute und für das Lilienthaler Gewerbe sein: „Flächen für Neuansiedlung und Erweiterung zu schaffen, haben wir in Lilienthal einfach verpennt.“ Dabei sei das die Haupteinnahmequelle einer Kommune in Form von Gewerbe- und Grundsteuer. „Und einfach die Steuern der Verbliebenen zu erhöhen, das kann‘s doch nicht sein.“ Nach 25 Jahren ist Özdemir einer der Genossen, die das SPD-Parteibuch zurückgegeben haben. „Kommunalpolitik braucht keine Parteipolitik. Politik ist für Lösungen da“, sagte er.
Breit aufgestellte Gruppe
Johannes Segelken, zurzeit 2. stellvertretender Bürgermeister Lilienthals, hatte die Parteilosigkeit ebenfalls gut getan, „auch der Politik. Ohne das zwingende Wissen, wer mal was gesagt hat, kann man viel freier für Lilienthal sein.“ Robert Malek pflichtete bei, dass genau diese ergebnisorientierte Arbeit ihn ansporne. „Und nicht, wenn gute Anträge aufgrund des falschen Parteibuchs abgelehnt werden.“ Die 28--jährige Insa Lindenstrauß, die zur letzten Wahl parteilos für die SPD angetreten war, ist auch auf der Liste der Wählergruppe bei der nächsten Kommunalwahl zu finden. „Ich war und bin Lilienthalerin und möchte so etwas zurückgeben“, erklärte sie. Mit ihr und der 22-jährigen Miriam Jung seien also neben den alten Hasen der Kommunalpolitik auch die junge Generation vertreten, „beruflich und auch ob zugezogen oder gebürtig aus Lilienthal – wir sind breit aufgestellt und bedienen viele Perspektiven“, unterstrich Wöstenkühler.
Alles offen im neuen Rat
Der Blick zurück auf die letzten Jahre war bittersüß, doch der sollte die Kraft der neuen Wählergruppe nicht binden. „Wir sehen uns nicht als Mehrheitsbeschaffer“, sagte Johannes Segelken. „Wir sind am Ende wirklich die Mehrheit. Es ist alles möglich.“ Und erstaunlich sei, „mit wem man gemeinsame Ziele hat“ so Robert Malek. Und so sei einfach im neuen Rat „Für Lilienthal“ alles offen.


