

Landkreis (Das Licht, das ein Fotograf braucht, um ein Bild vom Objekt festzuhalten, wird von Ulrich Reiß durch einen Polfilter geschickt, der aus dem Lichtbündel nur noch die Lichtstrahlen in eine Richtung passieren lässt. Fällt das gefilterte Licht auf einen weiteren Polfilter, entsteht ein interessantes Tiefschwarz. Der zweite Filter blockiert das bereits vorgefilterte Licht auf gleiche Weise wie der erste Polfilter. „Wenn ich zwischen die Folien transparente Objekte lege, bricht das vom oberen Polfilter gefilterte gerade Licht an den Objekten und ich bekomme diese schönen kräftigen bunten Farben“, so Reiß. Und das vor einem interessanten Tiefschwarz als Hintergrund dank des zweiten Polfilters unter den Objekten. Wer das nicht verstanden hat, kann die fachmännische Erklärung noch einmal an der Wand der Cafeteria finden (nur besser). Der Fotograf gibt seit 1994 Fotovereinen landesweit Foto- und Photoshop-Kurse.
So wie Reiß Fotos sich einfach nicht auf schöne bunte Bilder reduzieren lassen, lässt sich auch der Fotograf nicht auf „Fotograf“ reduzieren. Das hat Reiß zwar gelernt, er arbeitete aber – mit seiner Colorgroßbildlaborantenausbildung – jahrelang im Bremer Forschungsinstitut für Werkstofftechnik, wo er Schäden in Metall fotografisch dokumentierte.
Danach wechselte er über die digitalisierten Bilddateien in die IT und arbeitete schlussendlich unter anderem als Ausbilder für Fachinformatiker Systemintegration.
Privat mag er am liebsten Detail- und Lost-places-Fotografie. In den 90-er Jahren durfte er beispielsweise zehn Tage in Tschernobyl fotografieren.
Als jahrzehntelanges Mitglied des Deutschen Verbands für Fotografie entscheidet Ulrich Reiß als Juror bei Wettbewerben. Dabei achte er vor allem auf die kleinen Details. Fotos mit wenig Schnickschnack und deutlicher, aufs Wesentliche reduzierter Bildsprache sprächen ihn am meisten an.
Neuerdings beschäftige er sich mit der Psychologie von Bildern und Farben und wie sie die Bildaussagen beeinflussen können. „Wenn zum Beispiel ein Schiff von rechts nach links fahrend dargestellt wird, verbinden die Menschen der westlichen Welt es wohl wegen der Leserichtung mit Kommen, in die Vergangenheit. Fährt es mit der Leserichtung im Bild von links nach rechts, verbinden wir es mit Wegbewegen, in die Zukunft gerichtet.“ Mit anderen Worten: Spannende weitere Ausstellungen darf man wohl man erwarten.


