

Worpwede. Der Gründer einer heute europaweit agierenden Drogeriemarktkette und Bestsellerautor Dirk Roßmann war auf Einladung einer Kooperation zischen dem Wilhelm Fraenger-Insitut und der Gemeinde Worpswede zu einer Abendveranstaltung in der Ratsdiele des Künstlerorts zu Gast. Vor rund 100 Zuhörern stellte er sich den Fragen des Geschäftsführenden Gesellschafters der gemeinnützigen Berliner Fraenger GmbH zur Förderung von Bildung und Kultur, Prof. Jürgen Haase. Der 1946 in Hannover geborene Unternehmer und Schriftsteller gab dem Publikum viele Einblicke in sein Schaffen und wartete mit manch kleiner Anekdote auf.
Frühe Verantwortung
Bereits im zarten Alter von zwölf Jahren musste der junge Dirk Roßmann viel Verantwortung übernehmen. Der Vater erstarb und die gesamte Familie lebte von den Einkünften einer kleinen, nur 20 Quadratmeter großen Drogerie in Hannover. Roßmann machte nach einer eher durchwachsenen Schullaufbahn eine Ausbildung zum Drogisten. Als er mit 18 Jahren zur Bundeswehr eingezogen werden sollte, klagte er den Einberufungsbescheid mit der Begründung, er sei der Alleinverdiener der Familie: „Mein Vater war tt, meine Mutter krank, mein Bruder studierte und ich musste alleine die Familie und die Großeltern ernähren.“ Er wurde trotzdem eingezogen und übte sich immer wieder in Befehlsverweigerungen. Der Höhepunkt seines Widerstandes war die Erkletterung des höchsten Baums auf dem Kasernengelände in der feinsten Ausgehuniform. Seine Hartnäckigkeit verhalf ihm schließlich dazu, dass er entlassen wurde und seinen Aufsteig zum Drogeriemarktkönig beginnen konnte.
Richtige Idee zur richtigen Zeit
Dirk Roßmann eröffnete 1972 seinen ersten Drogeriemarkt mit Selbstbedienung. Das war völlig ungewöhnlich zu der Zeit und entsprang einer Gesetzesänderung durch die damalige Bundesregierung. Bis Anfang der 1970er Jahre gab es eine gesetzliche Preisbindung für viele herkömmliche Drogeriemarktprodukte wie zum Beispiel Nivea-Creme oder Persil. Die Produkte kosteten überall gleich viel. Als diese Preisbindung fiel, war Roßmann davon überzeugt, dass nur durch die Abnahme großer Einkaufsmengen beim Hersteller bessere Einkaufspreise zu erzielen seien und damit auch dem Endverbraucher günstigere Verkaufspreise angeboten werden konnten. „Wir verteilten auf Handzetteln unsere Sonderangebote in der Stadt, Zeitungswerbung konnten wir uns nicht leisten“, berichtete der Firmengründer.
Der Erfolg sei gigantisch gewesen. An einem Tag habe er mit Freunden in seinem Geschäft 22.000 DM eingenommen und gemeinsam hätten sie nach Feierabend im Keller das Geld in die Luft geworfen.
Heute zählt die Unternehmensgruppe Rossmann mit über 70.000 Mitarbeitern in Europa und mehr als 5.000 Filialen, davon rund 2.500 in Deutschland, zu den größten Drogeriemarktketten in Europa. Im Jahr 2025 erzielte die Gruppe mit Sitz in Burgwedel im Heimatland, Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien, Kosovo, Spanien, Dänemark, der Schweiz, der Türkei und online einen Umsatz von 16,6 Milliarden Euro.
Der Schriftsteller
Als wäre eine Tätigkeit als erfolgreicher Unternehmer nicht schon Aufgabe genug, betrat Dirk Roßmann im Jahre 2018 die Bühne des Literaturbetriebs. Mit der Autobiografie „...dann bin ich auf den Baum geklettert!“ schaffte es der Jungautor auf Anhieb, Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste zu erklimmen. Es folgten drei Ökothriller, das Kinderbuch „Tintoretto“ und 2025 das mit dem Biologen Josef Settele geschriebene Buch „Keine Zeit für Pessimismus“. Das Werk soll angesichts der Klimakrise und anderen Umweltproblemen Optimismus verbreiten.
Am Ende des kurzweiligen Abend konnten die Zuhörer Fragen stellen. Auf die Frage eines jungen Mannes nach der Zukunft antwortete Dirk Roßmann: „Es geht erst einmal darum, sein eigenes Leben in den Griff zu kriegen, es zu ordnen. Man muss Verantwortung übernehmen im Leben. Man muss lernen, seine eigenen Interessen konsequent zu vertreten und genauso konsequent die Interessen der Anderen zu vertreten. Man muss eine Balance schaffen, dass ist die große Schwierigkeit. Einen einzigen Rat gebe ich Ihnen ganz kurz: Nie aufgeben und nie zu früh aufgeben.“



