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Zu Ehren eines beliebten Mitbürgers

Das Außengelände der Gaststätte „Stagge“ wurde offiziell benannt, um den verstorbenen Wirt zu würdigen.

Dichtgedrängt würdigten die Osterholzer-Scharmbecker ihren Fritz Stagge.

Dichtgedrängt würdigten die Osterholzer-Scharmbecker ihren Fritz Stagge.

Osterholz-Scharmbeck. „Wir sind nicht im Ritz – sondern bei Fritz“. Diesen Leitspruch kennen noch viele Menschen aus Osterholz-Scharmbeck und umzu. Im Februar 1964 begann die „Ära Stagge“ mit einem ersten „Plattenabend“ auf dem Dachboden des elterlichen Wirtshauses mit Hotel direkt am Marktplatz der Kreisstadt. Vater Heinrich Stagge hatte das Gebäude erworben und Sohn Fritz machte daraus einen Treffpunkt für junge Leute. Er traf den Nerv der damaligen Zeit und „Stagges Hotel“ wurde schnell überregional bekannt als Diskothek und Ort für rockige Livekonzerte.

 

Fritz-Stagge-Eck

 

Nach dem Tod von Fritz Stagge im Juni 2021 gab es mehrere Anträge, den umtriebigen Individualisten für sein zeitlebens engagiertes Handeln für die Stadt und vor allem für junge Menschen zu würdigen. Jetzt wurde der Außenbereich der Gaststätte „Stagge“ in Richtung zum Marktplatz offiziell in „Fritz-Stagge-Eck“ benannt und eingeweiht. Ehefrau Heidi Stagge und Sohn Mark konnten leider nicht vor Ort anwesend sein, bedankten sich aber in einem Grußwort für die Ehrung ihres Mannes und Vater. Bürgermeister Torsten Rode stellte in seiner kurzen Rede noch einmal die Verdienste des beliebten Wirtes für Osterholz-Scharmbeck in den Vordergrund und brachte in Erinnerung, dass der „Kulttempel“ sogar in einem Hit der Band Revolverheld vorkommt. Der aus Worpswede stammende Sänger Johannes Strate singt darin: “In der Kneipe an der Ecke, uns`rer ersten Bar, sieht es heute noch so aus, wie in den Neunzigern“. Zeitzeugin Hella Martin konnte in ihrer launigen Ansprache viele Lacher unter den zahlreich erschienenen Zuhörern verbuchen. „Wir haben uns bei Fritz immer wohlgefühlt, tagsüber war er der väterliche Freund, abends immer ansprechbar“. Gewalttätige Auseinandersetzungen wurden von Fritz Stagge nicht geduldet. Als Höchststrafe gab es dann auch schon einmal drei Wochen Lokalverbot. Bei der Auswahl der Musik war der Wirt konsequent. Passte ihm eine Richtung nicht, wurde die Schallplatte mit der Bemerkung „Schweinemusik“ einfach zerbrochen. Gäste, die am Monatsende kein Geld mehr hatten, konnten anschreiben lassen. Mancher musste seine „Schulden“ am Ende abarbeiten. Die Abende bei Stagge endeten oft erst am frühen Morgen. Manchmal fuhr Fritz Stagge dann im VW Bulli mit den letzten Gästen zum Chinesen nach Bremerhaven. Dort konnte rund um die Uhr gespeist werden. Hella Martin würdigte den Geehrten am Ende ihrer Rede mit den Worten: „Fritz war ein freundlicher, toleranter und begeisterungsfähiger Mensch, aber kein Heiliger.“


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