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Zahlreiche Absagen wegen Coronavirus: Gesundheitsamt prüft Veranstaltungen

Landkreis. Wegen des Coronavirus werden zahlreiche Veranstaltungen an diesem Wochenende und darüber hinaus abgesagt. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, muss das Gesundheitsamt entscheiden.

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Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, empfiehlt der Landkreis, auf Veranstaltungsbesuche zu verzichten und nicht zwingend notwendige Veranstaltungen abzusagen. Eine Arbeitsgruppe im Gesundheitsamt entscheidet, ob bevorstehende Events wie geplant stattfinden können.  Foto: jm

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, empfiehlt der Landkreis, auf Veranstaltungsbesuche zu verzichten und nicht zwingend notwendige Veranstaltungen abzusagen. Eine Arbeitsgruppe im Gesundheitsamt entscheidet, ob bevorstehende Events wie geplant stattfinden können. Foto: jm

Nachdem vergangene Woche insgesamt neun Corona-Fälle im Landkreis Osterholz bestätigt wurden (Stand: Freitag, 13. März), empfiehlt die Kreisverwaltung, Veranstaltungen, die nicht unbedingt notwendig sind, abzusagen. Größere Events wurden vom Gesundheitsamt bereits per Verfügung untersagt.
Am Dienstagvormittag wurde bekannt, dass zwei Kreisstädter, die sich aktuell in einer Klinik in Frankfurt am Main befinden, positiv auf das neuartige Virus getestet wurden. Bis Mittwochabend wurden darüber hinaus drei Fälle in Schwanewede und zwei Fälle in Lilienthal bestätigt. Bei diesen Personen handele es sich um Reiserückkehrer und eine Kontaktperson, die nun in häuslicher Quarantäne seien, teilt der Landkreis mit. Ausstehende Testergebnisse bestätigten am Donnerstag zwei weitere Corona-Fälle in Schwanewede; ebenfalls Reiserückkehrer, die bereits auf dem Rückweg Symptome gezeigt hatten und sofort in häusliche Quarantäne gingen.
 
Freizeitgestaltung anpassen
 
Dieses dynamische Geschehen nimmt der Landkreis zum Anlass, an seine Bürger*innen zu appellieren, ihr Verhalten verantwortungsbewusst anzupassen, um sich und besonders gefährdete Personen zu schützen. Dabei geht es nicht nur um die allgemeien Hygieneregeln, sondern insbesondere auch um die Freizeitgestaltung. Auf den Besuch von Veranstaltungen - egal welcher Größe - solle möglichst verzichtet werden, denn diese seien immer mit zahlreichen, nicht nachvollziehbaren Kontakten verbunden. Für Veranstalter*innen gilt die allgemeine Empfehlung, nicht zwingend notwendige Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben. Der Landkreis selbst sagt die geplante Sportlerehrung ab.
Zahlreiche Institutionen und Vereine sind der Empfehlung gefolgt: In Lilienthal hat die Theatergruppe „De Worphüser“ ihre Premiere im Lilienhof und alle weiteren Aufführungen bis Ende April abgesagt. Das Frühlingsfest mit verkaufsoffenem Sonntag wird ebenfalls nicht stattfinden, wie der Wirtschaftsinteressenring mitteilte. Im Murkens Hof muss der Kunsthandwerkermarkt ausfallen, ebenso die Tulpentage. Der TV Lilienthal stellt den Sportbetrieb bis zu den Osterferien ein, die Grundschule Falkenberg verzichtet auf ihren Frühlings-Basar. Bürgermeister Kristian Tangermann hat angekündigt, vorerst keine Ehejubiläen und runde Geburtstage zu besuchen, um gerade ältere Menschen zu schützen.
Ähnlich wird es Torsten Rohde in Osterholz-Scharmbeck halten, die Stadtverwaltung hat darüber hinaus das geplante Frühlingskonzert im Rathaus mit den Stringwalkers gekippt. Die Müllsammel-Aktion „OHZ räumt auf“ soll im Herbst nachgeholt werden. Die Seniorenbegegnungsstätte, das Mehrgenerationenhaus, die Museumsanlage und die Volkshochschule haben bekanntgegeben, ihren Betrieb bis Mitte beziehungsweise Ende April einzustellen. Das Theater in OHZ (TiO) stellt den Spielbetrieb vorübergehend ein. Beim TV Schwanewede fällt der Reha-Sport aus. Da es stündlich zu neuen Absagen kommt, sind diese Angaben nicht vollständig.
 
Gesundheitsamt prüft Risiko für alle Veranstaltungen
 
Mehrere große Events untersagte das Gesundheitsamt mit einer Verfügung. Die Stadthalle Osterholz-Scharmbeck und das Hamme Forum mussten ihre geplanten Shows an diesem Wochenende streichen, die Music Hall in Worpswede schließt ihre Türen ab sofort für den kompletten März. Die „Revival Party“ im Peins in Lilienthal ist ebenfalls betroffen.
„Das Gesundheitsamt muss sich jede Veranstaltung einzeln anschauen und individuell entscheiden“, erklärt Jana Lindemann, Pressesprecherin des Landkreises. Dabei werden verschiedene Risikofaktoren zur Bewertung herangezogen, nicht allein die Teilnehmerzahl sei ausschlaggebend. „Man kann nicht pauschal sagen, dass eine Veranstaltung mit 100 Menschen ein geringeres Risiko darstellt, als eine Veranstaltung mit 1000 Besuchern.“ Für die Bewertung ist eine Arbeitsgruppe im Gesundheitsamt zuständig - nicht etwa ein Krisenstab, wie andernorts berichtet wurde. „Einen Krisenstab gibt es nicht“, sagt Jana Lindemann. Sollte es so weit kommen, seien entsprechende Strukturen aber natürlich vorhanden.
 
Vor Anreise informieren
 
Wie es mit geplanten Veranstaltungen am kommenden Wochenende und darüber hinaus weitergeht, entscheidet sich wohl erst Anfang der Woche. „Ich kann jedem Besucher nur empfehlen, sich vor der Abreise auf der Homepage des jeweiligen Hauses zu informieren. Dann sind die Informationen auch aktuell“, rät Stadthallen-Manager Matthias Renken. Wie schnell sich die Situation ändern kann, haben die Veranstalter im Landkreis im Laufe der Woche erfahren: „Am Dienstagvormittag bin ich noch davon ausgegangen, das alles stattfinden kann. Nach der Mittagspause sah die Welt dann ganz anders aus.“
„Wir sind mit vielen Agenturen in Kontakt und suchen die bestmögliche Lösung für unsere Gäste“, berichtet Renken weiter. „Bei jeder Absage, die uns erreicht, versuchen wir erstmal, einen Ersatztermin zu finden.“ Gibt es einen Nachholtermin, behalten bereits gekaufte Tickets ihre Gültigkeit. Wer an dem neuen Termin verhindert ist, kann sein Ticket dort zurückgeben, wo er/sie es gekauft hat, und bekommt den Eintrittspreis erstattet. Das gilt ebenfalls für Veranstaltungen, die ersatzlos gestrichen werden. Wer sich wegen der Ansteckungsgefahr entscheidet, eine stattfindende Veranstaltung nicht zu besuchen, hat hingegen kein Rückgaberecht. Matthias Renken ruft unterdessen alle Gäste zur Geduld auf und spricht damit wohl für alle Kollegen in der Branche: „Bitte gebt uns etwas Zeit, um die Ersatztermine zu klären.“
Ortsansässige Ticketverkäufer rufen ebenso zur Geduld auf. Die Ticketverkaufsstellen können das Geld für die Tickets für abgesagte Konzerte nicht umgehend auszahlen. Sie müssen beim Veranstalter zunächst ein Storno beantragen. Es dauert also etwas. Es sei also Rücksicht geboten.
 
Rückkehr aus Risikogebieten
 
Das Land Niedersachsen hat die Landkreise am Donnerstag angewiesen, eine Allgemeinverfügung für Reiserückkehrer aus Risikogebieten und besonders von der Ausbreitung des Coronavirus betroffenen Gebieten zur Beschränkung des Besuchs von Schulen, Kindertageseinrichtungen, Kindertagespflegestellen und stationären Einrichtungen der Pflege- und Eingliederungshilfe zu erlassen. Diese ist ab sofort auf der Internetseite des Landkreises zu finden.
Wer sich innerhalb der letzten zwei Wochen in einem Risiko- oder besonders betroffenem Gebiet aufgehalten hat, darf für einen Zeitraum von 14 Tagen keine dieser besonders schutzbedürftigen Einrichtungen betreten, es drohen bis zu 25.000 Euro Strafe. Entsprechende Gebiete werden vom Robert Koch-Institut ausgewiesen und sind unter www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html zu finden.


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