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Ralf G. Poppe

Wissensspeicher der Region

Für das Stadtmagazin hat der Anzeiger bei den Museums-Mitarbeitenden nachgehakt, was während der Schließzeit hinter den Kulissen passiert.

Bremervörde. Das Bachmann-Museum Bremervörde versteht sich heute als Wissensspeicher für das zentrale Elbe-Weser-Dreieck - von den ersten Spuren der Erdgeschichte bis in die heutige Lebenswirklichkeit der Menschen dieser Region. Das zentrale Museumsgebäude befindet sich im letzten erhaltenen Teil des Bremervörder Schlosses und gehört dem Landkreis Rotenburg. Sofern der Kreistag zustimmt, wird es in den kommenden Jahren umfassend saniert. Dazu bereitet das Team aktuell die in diesem Gebäude untergebrachten rund 66.000 Objekte der Sammlung auf den Auszug vor.

 

Die Historikerin und Museumsleiterin

 

„Die Umlagerung unserer Sammlungsbestände aus dem Museumsgebäude ist das größte Projekt in der Geschichte des Museums, an dem unser gesamtes Museumsteam und viele Dienstleister beteiligt sind“, berichtet Ellen Horstrup, M.A., Historikerin, Museumsleiterin und Geschäftsführerin Stiftung Bachmann-Museum Bremervörde. „Die Zuwendungen des Landkreises machen dieses Projekt möglich, dafür bin ich sehr dankbar. Ziel ist es, alle Objekte fachgerecht zu verpacken, aus dem Gebäude zu transportieren und zwischenzulagern. Es ist eine Zeit, in der wir sehr intensiv mit den Objekten arbeiten, was zu vielen spannenden Entdeckungen führt. Außerdem ermöglichen wir dank der Spende der Heinz-Wieker-Stiftung die Erforschung der Geschichte des Bremervörder Schlosses durch den Kulturwissenschaftler Christian Kammann. Die Zukunft des Erbes von Frau Dr. Bachmann, das für die Stiftung von herausragender Bedeutung ist, wird uns in diesem Jahr intensiv beschäftigen und liegt mir selbst besonders am Herzen.“

 

Die Archäologin

 

Meike Mittmann, Diplom-Prähistorikerin und stellv. Museumsleiterin ist seit vielen Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bachmann-Museum tätig. „Als Archäologin beschäftige ich mich natürlich besonders gerne mit unserer archäologischen Sammlung, aber meine Tätigkeit geht weit darüber hinaus. Ich kümmere mich zum Beispiel um die Anfragen von Wissenschaftlern, um die Restaurierung und Konservierungsmaßnahmen für unsere Museumsobjekte und um viele andere Bereiche rund um die gesamte Sammlung. Daher kenne ich unsere Bestände sehr gut, was für die aktuelle Umlagerung sehr wichtig ist.“

 

Der Sammlungsverwalter

 

Lothar Safier, Sammlungsverwalter, kümmert sich um die Standortverwaltung, also die fortwährende Dokumentation der Lagerungsorte der einzelnen Objekte. Gerade während des Aus- und Umzuges müsse gewährleistet sein, dass jedes Museumsstück zu jeder Zeit (wieder-)gefunden werden kann. „Dazu arbeite ich viel mit unserer Datenbank, bin aber auch in alle Schritte der Objektverpackung und Umlagerung involviert. Ein gutes Beispiel sind die vielen archäologischen Funde, die im Umfeld des ehemaligen Schlosses Bremervörde gemacht und zum Teil bereits für die Umlagerung aus dem Museumsgebäude verpackt wurden. Diese lege ich Herrn Kammann für seine Forschungen zum Bremervörder Schloss vor: Architekturelemente und Kanonenkugeln, Trink- und Medizingefäße, Tabakpfeifenfragmente und Speiseabfälle wie Muschelschalen geben Einblicke in den Alltag der Schlossbewohner“, sagt Safier.

 

Der Restaurator

 

„Ein Umzug ist für ein Museum eine anspruchsvolle Aufgabe. Im Hinblick auf die komplexe Gemengelage, vor der wir standen und stehen, empfinde ich die bisher reibungslos abgelaufenen Umzugsarbeiten als tolles Arbeitsergebnis. Damit zeigen wir, wie ein vergleichsweise kleines Museumsteam mit tatkräftigem Engagement, einer präzisen Planung, guter Zusammenarbeit mit dem Landkreis und einer gut koordinierten Umsetzung auch die komplexesten Aufgaben bewältigen kann“, sagt Tobias Rostig, Restaurator (M.A.) und Projektkoordinator (Sanierung, Depot, Umzug).

 

Die studentische Hilfskraft und die Verwaltungsfachkraft

 

Bei der Frage nach ihrem Lieblingsstück müssen Linda Peters aus der Verwaltung und Ronahi Erdogan, studentische Hilfskraft, nicht lange überlegen. Für Linde Peters ist es die Selsinger Brautkrone. Eine Sammlerin aus Grafel hatte sie dem Museum 1960 zusammen mit einer reich verzierten Tracht übergeben. „Ein sehr schöner, filigraner Kopfschmuck aus dem 19. Jahrhundert, der für die Hochzeit beim Pfarrer ausgeliehen wurde. Besonders gut gefällt mir auch das in Bremervörde gefundene Holsteiner Gestein, ein etwa 20 Zentimeter breiter, mit Muscheln und Schnecken durchsetzter Sandstein, der vor rund 20 Millionen Jahren am Grunde eines warmen Flachmeeres gebildet wurde.“

Erdogan findet das Objekt mit der Objektnummer BMB5800 toll, einen Vorstandshammer aus Elfenbein. „Er erinnert mich an einen Richterhammer und damit an mein Studium. Auch historisch ist er interessant: Der ‚Amt Bremervörder Verein New York‘ hat den Hammer am 15. Oktober 1904 dem ‚Bremervörder Verein Brooklyn‘ zu dessen 25-jährigen Bestehen geschenkt. Er ist also ein Beleg für die Emigration Bremervörder Bürger in die USA.“

 

Die Frau für Öffentlichkeitsarbeit

 

Frauke Siems, die neue Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit hofft, dass das Bachmann-Museum künftig noch mehr als bisher als das Museum des zentralen Elbe-Weser-Dreiecks gesehen wird. Dafür sei unter anderem in diesem Jahr der Ausbau der digitalen Kommunikation geplant. „Ich gehöre erst seit drei Monaten zum Team und staune über die Vielfalt der Objekte und der Informationen, die darin stecken. Die Sammlung, das Archiv der Familie Bachmann und die Bibliothek sind ein riesiger Wissensspeicher, die größere Bekanntheit verdienen“, sagt Siems.

 

Kontakt

 

Die Verwaltung ist trotz der geschlossenen Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr sowie montags bis donnerstags von 14 bis 16 Uhr erreichbar. Telefon 04761/983 46 03, E-Mail: museum@lk-row.de.

www.bachmann-museum.de


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