

Osterholz-Scharmbeck. Dramatische Situation auf der Hamme: Bei einer fröhlichen Torfkahnfahrt geht plötzlich ein junger Mann über Bord. Schnelles und vor allem richtiges Handeln ist notwendig. Zum Glück ist dieses Szenario nur eine Übung. Beteiligt sind an diesem Spätnachmittag bei Tietjens Hütte zwei Torfkähne und ein Rettungsboot der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Unter Anleitung von Christian Weiß, dem technischen Leiter der DLRG-Ortsgruppe Osterholz-Scharmbeck e. V., nehmen 15 Torfkahnskipper an der Pilotschulung teil.
Tourismusmanagement
Die Fahrt in einem Torfkahn auf der Hamme gehört mit zu den größten Attraktionen im Teufelsmoor. Von Mai bis Oktober eines jeden Jahres befördern die braunen, original nachgebauten Holzboote mehrere 1.000 Gäste sicher und zuverlässig durch die einzigartige Moorlandschaft.
Unfälle passieren erfreulicherweise sehr selten. Eine Ausnahme war ein tragischer Unfall in Worpswede im August 2008. Bei einem Anlegemanöver kenterte das Torfschiff „Neu Helgoland“ und eine 70-jährige Touristin ertrank an der Unfallstelle. Der Vorfall löste damals viel Betroffenheit aus. Die Sicherungsvorschriften wurden daraufhin verschärft. Bei den Torfkahnschiffern Osterholz-Scharmbeck kann man in eier Kahnordnung folgenden Wortlaut finden: „Im Interesse der Sicherheit aller Bootsgäste und zum Schutz der Natur ist sämtlichen Anweisungen des Bootsführers Folge zu leisten. Je nach Torfkahn sind maximal 16 Personen zulässig. Nichtschwimmer sollen grundsätzlich vor dem Betreten des Schiffes die zur Verfügung stehenden Schwimmwesten anlegen. Gleiches gilt für Kinder bis 10 Jahren und Personen, die auf Hilfestellung angewiesen sind. Während der Fahrt sind das Aufstehen, Überbordlehnen, Beine und Hände außenbords hängen verboten. Ein übermäßiger Alkoholkonsum ist nicht erlaubt.“
Pilotprojekt Wasserrettungsschulung
Torfkähne, die auf der Hamme für Ausflugsfahrten genutzt werden, müssen grundsätzlich allen aktuellen Sicherheitsanforderungen genügen. Alle Skipper besitzen einen Bootsführerschein und sind mit den spezifischen Eigenschaften der Kähne vertraut. Bei den Mitgliedern der Worpsweder Torfschifffahrer gab es erste Überlegungen, wie man sich noch besser auf eventuelle Vorkommnisse auf dem Wasser vorbereiten könnte. Sie baten die Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede e. V. (TWU) um Unterstützung. Die Agentur organisiert unter anderem Großveranstaltungen wie die Hammenacht oder die alle drei Jahre stattfindende Torfkahnarmada und war von der Idee überzeugt.
Nach Absprache mit der DLRG Kreisgruppe Osterholz-Scharmbeck entwickelte man eine Pilotschulung für Torfkahnskipper. Anfang Mai reisten 15 Bootsführer der Adolphsdorfer Torfschiffer und der Torfkahnschiffer Osterholz-Scharmbeck mit zwei Torfkähnen zur Anlegestelle des Rudervereins Osterholz-Scharmbeck von 1901 e. V. an. Die DLRG war mit fünf Kameraden und einem Motorrettungsboot vor Ort. Unter der Leitung von Christian Weiß wurden in einem theoretischen und einem praktischen Teil verschiedene Erstmaßnahmen an einem Unfallort durchgesprochen und angewendet. So gab der technische Leiter der DLRG zu Beginn der Schulung wertvolle Hinweise, wie ein Notruf abgesetzt werden soll. Für die Rettungsleitstellen in Bremen oder Bremerhaven seien dabei Angaben von markanten Orten wichtig, um Rettungskräfte gezielt und schnell an den Ort des Geschehens zu dirigieren.
Bei den praktischen Übungen wurden an Land Verbände angelegt und die Durchführung einer Herz-Druck-Massage von den Teilnehmern geprobt. Auf dem wasser war dann der schwierigste Teil der Schulung zu meistern. Eine über Bord gegangene Person musste aus dem Wasser gerettet werden. Ein mitglied der DLRG-Gruppe hatte sich, in einem Neoprenanzug gekleidet, mutig in die braunen Fluten gestürzt und wurde von den Torfkahnskippern unter große Anstrengungen und mit viel Geschick sicher weder an Bord gebracht.
Am Ende waren alle Beteiligten schwer begeistert von der Pilotschulung und würden sich eine Ausweitung des Angebots an alle Torfkahnkapitäne wünschen.



