

Osterholz-Scharmbeck. Die Migrationsberatung des Diakonischen Werks Osterholz-Scharmbeck ist wieder vollständig besetzt. Seit April verstärkt Marcus Franke das Team an der Marktweide, Gemeinsam mit An-Cathrin Rathjen berät er Menschen bei Fragen zu Migration, Flucht und Integration.
Für Franke ist die Aufgabe kein Neuland. Seit rund 15 Jahren beschäftigt sich der Diplom-Sozialwissenschaftler mit diesem Thema. Bereits während seines Studiums engagierte er sich ehrenamtlich für das Kirchenasyl. Später arbeitete er in der Flüchtlingsberatung der Diakonie in Wuppertal, zuletzt in einem Forschungsprojekt der Universität Bremen. Der Wechsel zurück in die Beratung sei eine bewusste Entscheidung gewesen. „Ich habe die praktische soziale Arbeit vermisst“, sagt der 45-Jährige. „Ich versuche, Menschen zu ihren Rechten zu verhelfen.“
Die Beratungsstelle unterstützt Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, Deutsche mit internationalen Familiengeschichten und binationale Paare. Auch Institutionen und Organisationen können sich an Franke und Rathjen wenden. Die Beratung ist freiwillig, kostenlos, vertraulich und unabhängig.
Hilfe bei Anträgen und Verfahren
Viele Ratsuchende stehen vor einem Berg aus Formularen, Gesetzen und unterschiedlichen Zuständigkeiten. Die Beratungsstelle hilft unter anderem beim Ausfüllen von Anträgen auf Bürgergeld, Kinder- oder Wohngeld. Sie begleitete aufenthaltsrechtliche Verfahren, Familienzusammenführungen und Einbürgerungen. Ein weiteres Thema ist die Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen. „Es ist erstaunlich viel, was nicht anerkannt wird“, berichtet Franke. Häufig sei nur schwer herauszufinden ,welche Stelle zuständig sei und welche Nachweise benötigt würden.
Auch bei der Arbeits- und Wohnungssuche stoßen viele Geflüchtete auf Hindernisse. Berufliche Qualifikationen werden teilweise nicht anerkannt, zugleich erschwert der angespannte Wohnungsmarkt sie Suche nach einer Unterkunft. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme und unsichere Aufenthaltsperspektiven. „Es gibt viele Stolpersteine, bei denen wir helfen wollen, sie aus dem Weg zu räumen“, sagt Franke. Die Berater erklären Bescheide, begleiten Verfahren und vermitteln bei Bedarf an weitere Hilfsangebote. Sprachbarrieren lassen sich mithilfe von Dolmetscherinnen und Dolmetschern überwinden, die bei Bedarf telefonisch zugeschaltet werden.
Zwischen Sprachkurs und Arbeitsmarkt
Nach Angaben von Ann-Cathrin Rathjen geht es in der Beratung häufig um die Frage, ob die Integration zunächst über einen Sprachkurs oder unmittelbar über den Arbeitsmarkt erfolgen soll. Das Team unterstütze bei der Suche nach Integrationskursen, den notwendigen Anträgen und der Vermittlung möglicher Arbeitsstellen.
Viele Ratsuchende wollen möglichst schnell arbeiten und einen eigenen Beitrag leisten, würden jedoch durch bürokratische Hürden ausgebremst. Gleichzeitig belasteten sie unsichere Aufenthaltsperspektiven, die Sehnsucht nach dem Herkunftsland und das Gefühl, in Deutschland nicht willkommen zu sein. Umso wichtiger seien niedrigschwellige Begegnungsangebote wie das „Café International“ in der St.-Willehadi-Gemeinde. Dort könnten Geflüchtete Kontakte knüpfen und Unterstützung finden.
Die Migrationsberatung des Diakonischen Werks befindet sich an der Marktweise 11 in Osterholz-Scharmbeck. Ann-Cathrin Rathje und Marcus Franke sind unter 04791/80680 oder migrationsarbeit.dw.osterholz-scharmbeck@evlka.de erreichbar.



