Moment des Aufbruchs
Osterholz-Scharmbeck. Welche Spielräume hat Kirche? Wo braucht es Mut, etwas anders zu machen? Und wie wird Kirche sichtbar? Mit diesen Fragen hat Lara Schilde ihren Dienst als Superintendentin des Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck aufgenommen. Und gleichzeitig machte die 42-Jährige dabei deutlich: Kirche soll sichtbar sein, Verantwortung übernehmen und sich etwas zutrauen. Regionalbischöfin Sabine Preuschoff führte die 42-Jährige am Sonntag in einem Festgottesdienst in der St.-Willehadi-Kirche in ihr Amt ein.
Dank für die Zeit der Vakanz
Der mehr als zweistündige Gottesdienst wurde von viel Musik getragen. Bläserinnen und Bläser aus dem Kirchenkreis sowie Sängerinnen und Sänger des Bachchores Lilienthal und der Scharmbecker Kantorei wirkten mit. Die stellvertretenden Superintendenten Birgit Spörl und Hans-Jürgen Bollmann leiteten den Gottesdienst.
Preuschoff dankte Bollmann, Spörl und Pastor Björn Beißner für die Leitungsverantwortung während der mehr als einjährigen Vakanz. In ihrer Einführungsansprache griff sie ein Wort aus dem Epheserbrief auf, das Schilde für diesen Tag ausgewählt hatte: „Lebt als Kinder des Lichtes; die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“
Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit gab Preuschoff der neuen Superintendentin auch für ihren Dienst mit. Kirche müsse Menschen aufrichten, Verantwortung übernehmen und auch dort wahrhaftig bleiben, wo es unbequem werde.
Schilde wuchs katholisch im Alten Land auf, entschied sich später für die evangelische Kirche und das Theologiestudium. 14 Jahre arbeitete sie als Pastorin in Bexhövede. Hinzu kamen Aufgaben als stellvertretende Superintendentin, im Kirchenkreisvorstand und als Kirchenkreisjugendpastorin.
Zachäus als Bild für Kirche heute
In ihrer Predigt griff Schilde die Geschichte von Zachäus auf. Weil ihm eine Menschenmenge den Blick auf Jesus versperrt, läuft er voraus und steigt auf einen Baum. Für Schilde steckt darin ein Bild für Kirche heute: nicht abwarten, sondern Handlungsspielräume nutzen, die Perspektive verändern und sichtbar werden. „Wie können wir im Kirchenkreis mutig vorauslaufen und wie Zachäus unseren Spielraum nutzen? Wie wollen wir gemeinsam Kirche sein und gestalten?“, fragte sie. Und schließlich: „Auf welchen Baum werden wir gemeinsam steigen, um sichtbar zu sein als Kirche?“
Kirche dürfe sich etwas zutrauen und neue Perspektiven suchen. Aus einem „Moodboard“ könne ein „Mutboard“ werden, sagte Schilde. Ihre Predigt endete deshalb mit einer Einladung: „Also rauf auf den Baum.“
„Moment des Aufbruchs“
Auch die anschließenden Grußworte standen im Zeichen des Neuanfangs. Der stellvertretende Bürgermeister Klaus Sass sprach von einem „Moment des Aufbruchs“. Kirche gebe Halt, Orientierung und Heimat. Stadt und Kirche könnten gemeinsam viel bewegen.
Ute Zeilmann, Leiterin des katholischen Dekanats Bremen-Nord, brachte symbolisch eine Nuss mit. Sie stehe für Energie und manche Aufgabe, die es zu knacken gelte. Die Ökumene sei dabei allerdings „keine harte Nuss“.
„Gesucht und gefunden“
Heike Schumacher hieß Schilde im Namen der Kirchenkreissynode willkommen. Nach mehr als einem Jahr Vakanz sei die Freude groß. Gesucht worden sei eine mutige, kreative und innovative Leitung. Ihr Fazit: „Gesucht und gefunden.“
Nach dem Gottesdienst blieb bei Kaffee und Kuchen Zeit für Glückwünsche und Gespräche. Mit der Einführung beginnt für Schilde nun auch offiziell die Arbeit an den Fragen, die sie selbst gestellt hat: Welche Wege geht Kirche künftig – und auf welchen Baum steigt sie, um neue Perspektiven zu gewinnen?
Auf welchen Baum wollen wir gemeinsam steigen, um sichtbar zu sein als Kirche?
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