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„Lebende Bücher“ geben Antworten

Lilienthal (eb). Statt Bücher Menschen in Uniform oder öffentlichen Ämtern „ausleihen“ und von ihnen lernen: Die Kampagne „MitRespekt!“, die kürzlich in Lilienthal Premiere feierte, macht das möglich.
Das Thema „Frau in der Truppe“ stieß bei der Auftaktveranstaltung zur Kampagne „MitRespekt!“ auf großes Interesse. Foto: Kathleen Riediger

Das Thema „Frau in der Truppe“ stieß bei der Auftaktveranstaltung zur Kampagne „MitRespekt!“ auf großes Interesse. Foto: Kathleen Riediger

In der Bibliothek im Kulturzentrum Murkens Hof fand die erste Veranstaltung im Rahmen der Kampagne statt. Zu Gast waren neben Hauptmann Michael Soltner und Hauptfeldwebel Mandy Recht-Pilz von der Logistikschule der Bundeswehr auch der Bürgermeister, die Sprecherin von TransNet Osterholz-Scharmbeck, ein Gemeindebrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr und eine Hebamme und Krankenpflegerin von Komapatienten aus Nigeria zur Ausleihe. „Mit unserem Projekt wollen wir Vorurteile ausräumen. Es ist wichtig, dass wir uns in unserer Gesellschaft mit Toleranz und Respekt begegnen“, erklärt Martina Sackmann, Teamleiterin der Bibliothek.
 
„Wir sind normal, nicht besonders!“
 
Wie bei einem Speeddating hatten die Besucher:innen in 20-minütigen Gesprächsrunden Zeit, ihre Fragen loszuwerden. Eine Besucherin war beispielsweise ganz begeistert, dass sie nun endlich einmal einer Soldatin gegenübersitzen konnte. Sie fand es auch mutig, als Frau zur Bundeswehr zu gehen. Das Thema „Frau in der Truppe“ beschäftigte an diesem Abend die meisten Besucher:innen am Gesprächstisch der Logistikschule. Was sie bewogen hätte, zur Bundeswehr zu gehen, welche Herausforderungen es im Dienst für sie gäbe und ob sie schon einmal respektlos behandelt oder gar angefeindet wurde.
Hauptfeldwebel Recht-Pilz plaudert aus dem Nähkästchen. Sie ist seit 2001 bei der Bundeswehr und war in zwei Auslandseinsätzen, Afghanistan und Zypern. Frauen in der Truppe seien für sie völlig normal. Anfeindungen sah sie sich bislang nur einmal ausgesetzt: „Als ich in Munster stationiert war, beschimpfte uns eine Dame an einer Waschstraße als Mörder“, erzählt Recht-Pilz. „Das war allerdings eine einmalige Begebenheit“, ergänzt sie. Sie sei noch nie diskriminiert worden, weil sie eine Frau ist.
 
Miteinander reden
 
Michael Soltner, Leiter der IT-Abteilung der Logistikschule der Bundeswehr, erzählte von den anfänglichen Unsicherheiten im Umgang mit Frauen, die nun plötzlich zur Truppe gehörten. So habe er Kameraden erlebt, die sich beispielsweise gefragt hätten, ob sie die Tür schließen dürften, wenn eine Frau mit ihnen im Dienstzimmer ist. Soltner ist seit 31 Jahren bei der Bundeswehr und habe es hin und wieder erlebt, dass man ihm mit einem dummen Spruch begegnet. „Da schau ich drüber weg. Wenn man dann mit den Leuten ins Gespräch kommt, klärt sich vieles. Auch die Vorurteile“, weiß Soltner.
Beide Angehörigen der Logistikschule der Bundeswehr, der zentralen Ausbildungseinrichtung für Logistik in der Streitkräftebasis, standen den Fragen offen gegenüber. Sie hätten sich jederzeit wohl gefühlt. Dennoch seien sie beide überrascht, wie wenig die Menschen doch über die Bundeswehr wüssten. „Wenn noch mehr Leute kämen, wäre das super. Füllt die Hallen. Die Öffentlichkeit weiß zu wenig über uns“, sagt Hauptfeldwebel Recht-Pilz.


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