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Kirchenkreissynode zieht Krisenbilanz

Osterholz-Scharmbeck (eb). Die Kirchenkreissynode (KKS) des Ev.-luth. Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck (früher Kirchenkreistag) zog in der Stadthalle eine erste Corona-Bilanz. Diese zeigte: Die Kirche sieht die Krise auch als große Chance zur Veränderung und Zukunftsgestaltung.

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Eckart Richter erhält von Superintendentin Jutta Rühlemann für sein langjähriges Engagement in der Landessynode das Facettenkreuz der Landeskirche.  Foto: eb

Eckart Richter erhält von Superintendentin Jutta Rühlemann für sein langjähriges Engagement in der Landessynode das Facettenkreuz der Landeskirche. Foto: eb

„Kirche lebt von der persönlichen Begegnung, dem Austausch von Angesicht zu Angesicht“, brachte Superintendentin Jutta Rühlemann die schmerzlichen Einschränkungen auf den Punkt. Der Lockdown sei „eine echte Katastrophe“ gewesen. Doch neben Enttäuschung habe die Krise „neue Energien, kreative Konzepte und Ideen“ freigesetzt. „Wir haben neue Wege für gemeinschaftliches Leben gefunden“. Sie bedankte sich bei allen, „die mit viel Engagement und Ideen Kirche erlebbar machten“. Dazu zählt auch Eckart Richter, der nach 18-jähriger Tätigkeit in der Landessynode mit der Auszeichnung des silbernen Facettenkreuzes durch Rühlemann feierlich verabschiedet wurde. „Sie haben uns tatkräftig in Hannover vertreten und immer das Wohl aller im Blick gehabt“, würdigte KKS-Vorsitzende Heike Schumacher Richters Engagement.
Doch wie gestalten die Regionen ihre Angebote in Corona-Zeiten? Schmerzlich waren die verschobenen Konfirmationen, geschlossene Gemeindehäuser, das fehlende Singen im Gottesdienst und der Rückzug von Risikogruppen aus der Gremienarbeit. Doch Corona hat auch neue Kreativität freigesetzt: Udo Wieseke aus Hambergen berichtete von der Anschaffung „individueller Abendmahlskelche“, Pastor Thomas Riesebeck (Grasberg) von „großen Lob für acht kleine Konfirmationen“, Anke Kister (Kita Schwanewede) von „fünf sehr intensiven Miniandachten“ für Kinder im Gemeindehaus.
 
Kirche digital
 
Viele Gemeinden entwickelten digitale Formate: Pastor Björn Beißner (Hambergen) und sein Team „kontaktieren nun mehr per Mail, kircheninternem Netzwerk und Videokonferenzen“, der KV-Vorsitzende Martin Heinlein (Lilienthal) nannte „Predigttexte im Web, Audioangebote und WhatsApp-Andachten mit über 100 Leuten aus allen Generationen“. Und Worpswede hat die Zeit genutzt, um einen Pastor und eine Organistin zu finden.
Auch die Jugendlichen zeigen, wie Corona Digitalangebote fördert. Jens Klemm und Jorge Topp vom Kirchenkreisjugenddienst nannten Teamertreffs per Videochat, 90-sekündige Instagram-Andachten, digital gemanagte Ferienaktionen für Kinder und Jugendliche statt der ausgefallenen Freizeiten. „Die Ferienaktionen sind günstig und einfach und erreichen sogar neue Zielgruppen“, sagte Klemm. Hinzu kommen seit Mai neue Impulse durch die neue Kirchenkreisjugendwartin Janna Eckert, die ihre Schwerpunkte im Plenum vorstellte.
Diese neuen Ansätze werden durch die Landessynode und die neue Finanz- und Stellenplanung unterstützt. So debattiert die neue Synode bei der Wahl der Kirchenvorstände die allgemeine Briefwahl und Online-Wahl. „Beteiligen Sie sich als Kirchenvorstände an der Diskussion“, rief die neue Synodale Pastorin Birgit Spörl auf. Ihre Kollegin Merle Garbade, Mitglied im Jugendausschuss der Landessynode, versprach trotz angespannter Finanzlage die Unterstützung der Synode bei „Ideen zur nachhaltigen Jugendarbeit.“
 
Finanz- und Stellenplan stellt Weichen für die Zukunft
 
Der neue Finanz- und Stellenplan (2023-29), der Ende 2021 von der KKS verabschiedet wird, unterstützt die neuen Projekte. Die Superintendentin sieht darin kreative Chancen für eine kontaktstarke Kirche: „Wir brauchen Begegnung und Austausch für Vertrauen und gemeinsames Engagement“, sagte sie. Mit Birgit Haensgen und Dominik Schmengler (beide Schwanewede) wurden von der KKS die Taktgeber einer neuen Steuerungsgruppe gewählt, die Zukunftsprojekte identifiziert und aufbereitet. Weiterer Baustein in diesem Klima der Begegnung ist das neue Kirchenzentrum in Osterholz-Scharmbeck. Wie Rühlemann skizzierte, lautet der erste Projektteil bis Anfang 2021 „Rund um die St. Willehadi-Kirche“, dann folgt der Architekten-Wettbewerb des Trägerverbandes. „Damit sind wir eine starke Kirche im Dialog, denn die Räume werden auch viele andere Partner nutzen und beleben“, sagte Rühlemann.
Ihr engagiertes Plädoyer für die Kirche der Zukunft: „Wir werden künftig anders sein und konzentrieren unsere Kräfte. Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, dass Menschen ihr Vertrauen ins Leben und das Zutrauen zu sich selbst und anderen nicht verlieren.“


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