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Kein wertloser Reststoff

Aus Bioabfall sollen künftig Biomethan, Kompost und Wärme gewonnen werden: In Pennigbüttel nimmt die neue Biovergärungsanlage der KENN sichtbar Gestalt an. Jetzt wurde Richtfest für die Annahmehalle gefeiert.

Landrat Bernd Lütjen (2.) mit Kollegen aus Verden und Cuxhaven sowie Christof von Schroetter von der ASO und KENN-Vorstand Richard Schütt.

Landrat Bernd Lütjen (2.) mit Kollegen aus Verden und Cuxhaven sowie Christof von Schroetter von der ASO und KENN-Vorstand Richard Schütt.

Bild: Ks

Landkreis. Im Beisein vieler Gäste flatterten die bunten Bänder an der Richtkrone hoch oben im Wind. „Ein besonderer Moment“, freute sich Landrat Bernd Lütjen darüber, dass gut anderthalb Jahre nach dem ersten Spatenstich Richtfest für die Annahmehalle der Biovergärungsanlage der Kommunalen Entsorgungsanstalt Nord-Niedersachsen, kurz KENN, gefeiert werden konnte.

Das Richtfest der Annahmehalle auf dem Gelände der ASO (Abfall-Service Osterholz GmbH) in Pennigbüttel gilt als bedeutender Meilenstein beim Bau der Biovergärungsanlage, die ebenfalls hier entstehen soll. 2020 gingen die Landkreise Cuxhaven, Osterholz und Verden sowie die Stadt Cuxhaven für die KENN eine Träger-Kooperation ein. Bernd Lütjen begrüßte unter den Richtfestgästen entsprechend die Repräsentanten der Träger, darunter den stellvertretenden Landrat Cuxhavens, Richard Schütt, Verdens Landrat Peter Bohlmann sowie Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer.

Von 2017 bis heute

Landrat Bernd Lütjen blickte auf den Weg vom Ausgangspunkt im Jahr 2017 bis zum Richtfest und darüber hinaus zurück. Das Bauwerk nehme inzwischen sichtlich Gestalt an. Man könne nun sehr konkret sehen, was aus einer Idee geworden sei.

„Wir schaffen nicht nur eine regionale Anlage zur Behandlung von Bioabfällen, wir schaffen eine regionale Infrastruktur für Kreislaufwirtschaft, Energiegewinnung und Klimaschutz“, beschrieb der Landrat, wie sich ein Entsorgungsthema im Laufe der Zeit weiterentwickelt habe und sich zusätzliche Potenziale aufgetan hätten.

30.000 Tonnen Bioabfall jährlich seien erforderlich, um eine solche Anlage wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben. Der Biomüll aus dem Landkreis Osterholz allein reiche dafür nicht aus. „Deshalb sind wir losgegangen und haben uns Partner gesucht“, sagte Lütjen. Gefunden wurden sie mit den Landkreisen Cuxhaven und Verden sowie der Stadt Cuxhaven. Gemeinsam mit dem Landkreis Osterholz entstand daraus die KENN. Zahlreiche Planungen, Ausschusssitzungen und Beschlüsse waren erforderlich, bis das Projekt umgesetzt werden konnte. Die interkommunale Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg stehe für ein Gebiet mit rund 457.000 Einwohnern.

40.000 Tonnen Bioabfall

„Bioabfall ist kein wertloser Reststoff. Er enthält organische Substanzen, Nährstoffe und Energie“, betonte Lütjen. Ziel sei es, möglichst viel davon wieder nutzbar zu machen. Aus jährlich rund 40.000 Tonnen Bioabfall sollen erneuerbare Energie, Kompost und weitere nutzbare Stoffe gewonnen werden.

„Das erzeugte Biogas wird zu Biomethan aufbereitet“ und anschließend in das Gasnetz eingespeist, erläuterte der Landrat. Hinzu kämen Strom aus Photovoltaikanlagen und Prozesswärme, die ebenfalls genutzt werden könne. Damit entwickele sich der klassische Entsorgungsstandort zunehmend zu einem Standort für Kreislaufwirtschaft.

Geplant ist, das von Lütjen als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Vorhaben im kommenden Frühjahr in Betrieb zu nehmen. Der Landrat dankte den kommunalen Partnern, den politischen Gremien und beteiligten Verwaltungen sowie Planern, Fachbüros, Unternehmen und insbesondere den Beschäftigten auf der Baustelle.

Millionen Kubikmeter Biogas

Bevor das Richtfest mit Speis und Trank begangen wurde, verdeutlichte Christof von Schroetter, Geschäftsführer der ASO und KENN-Vorstand, die Dimension des Projektes. 40.000 Tonnen Bioabfall jährlich entsprächen mehr als 100 Tonnen pro Tag – „eine gewaltige Größenordnung“.

In der Anlage wird der Bioabfall zunächst kontrolliert, aufbereitet und anschließend vergoren. Dabei entsteht Biogas, das zu Biomethan aufbereitet und ins öffentliche Gasnetz eingespeist wird. Aus den rund 40.000 Tonnen Bioabfall sollen jährlich etwa 2,6 Millionen Kubikmeter Rohbiogas gewonnen werden. Daraus sollen 1,3 bis 1,4 Millionen Kubikmeter Biomethan beziehungsweise rund 14 bis 15 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr entstehen.

Auch die nach der Vergärung verbleibenden organischen Bestandteile werden weiter genutzt. Nach der Behandlung rechnet die KENN mit rund 18.000 Tonnen Bio-Fertigkompost pro Jahr. „Wir betrachten die Anlage nicht isoliert als Vergärungsanlage“, betonte von Schroetter. Neben Biomethan und Kompost gehe es auch um die Nutzung von biogenem CO2 und die Rückgewinnung von Wärme.

Wärme soll nicht verloren gehen

Bei der Aufbereitung des Biogases werden voraussichtlich rund 2.400 Tonnen biogenes CO2 pro Jahr abgetrennt. Die KENN prüft deshalb Möglichkeiten zur weiteren Nutzung. Denkbar sei eine Verflüssigung, um das CO2 beispielsweise industriell oder zur

Herstellung von Trockeneis einzusetzen. Weiterentwickelt wird auch die Energieversorgung des Standortes. Für KENN und ASO wird mit einem jährlichen Strombedarf von rund 4,5 Millionen Kilowattstunden gerechnet. Auf Dächern und im Bereich der Deponie in Sandhausen besteht nach bisherigen Planungen ein Photovoltaikpotenzial von bis zu neun Millionen Kilowattstunden jährlich. Ergänzend wird der Einsatz von Batteriespeichern untersucht.

Auch die bei der Kompostierung entstehende Wärme soll nicht ungenutzt bleiben. Von Schroetter sprach von Temperaturen zwischen 50 und 57 Grad. Über Wärmetauscher soll die Wärme zurückgewonnen und einer industriellen Wärmepumpe zugeführt werden. Dadurch soll sich der Energiebedarf des Prozesses reduzieren. Darüber hinaus wird geprüft, ob überschüssige Wärme künftig auch benachbarten Gewerbebetrieben zur Verfügung gestellt werden kann.


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