Sabine Kahrs

Kandidaten stellen sich vor

Sechs Landratskandidaten, fünf Kandidaten für den Gemeinderat und zwei Bewerber ums Bürgermeisteramt stellten sich beim Ritterhuder Wahlforum den Fragen zu den wichtigsten Zukunftsthemen.
Sechs Landratskandidaten stellten sich beim Wahlforum der IRB vor. Geleitet wurde es von der IRB-Vorsitzenden Simone Schröter (vorne links).

Sechs Landratskandidaten stellten sich beim Wahlforum der IRB vor. Geleitet wurde es von der IRB-Vorsitzenden Simone Schröter (vorne links).

Bild: Ks

Ritterhude. „Wählen ist ein großes Privileg“, erinnerte Simone Schröter, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Ritterhuder Betriebe e. V. (IRB), als sie knapp vier Wochen vor der großen Kommunalwahl zahlreiche interessierte IRB-Mitglieder sowie Bürgerinnen und Bürger im großen Saal des Hamme Forums begrüßte.

Das traditionelle Wahlforum der IRB diente dem Kennenlernen der am 13. September zur Wahl stehenden Politiker, ihren politischen Schwerpunkten, konkreten Ideen, Standpunkten und einem offenen Austausch. Wer nun allerdings hitzige Debatten und Kontroversen zwischen den Wahlbewerbern oder aufgebrachte Zuschauergruppen vermutete, wartete vergebens. Die Veranstalter ließen den Politikern einen Raum, der über ein eindeutiges kurzes Ja oder Nein hinausging.

 

Drei straffe Zeitblöcke

Im ersten von drei kurzen Zeitblöcken stellten sich die sechs Landratskandidaten vor. Wer von ihnen gewählt wird, wird hauptamtlich für acht Jahre in das Kreishaus in Osterholz-Scharmbeck einziehen, die Kreisverwaltung führen und die Beschlüsse der Politik, des Kreistages, umsetzen. Der Landrat vertritt den Landkreis nach außen und ist zuständig für die Belange des Landkreises Osterholz und dessen Mitgliedsgemeinden.

Im zweiten Block stellten die Spitzenkandidaten für den Ritterhuder Gemeinderat sich und ihre Wahlprogramme vor. Der Ritterhuder Gemeinderat wird für fünf Jahre gewählt.

Im dritten Zeitblock gaben sich die zwei Bürgermeisterkandidaten Ritterhudes die Ehre. Der Kandidat, der am Ende die Wahl gewinnt, zieht für acht Jahre hauptamtlich ins Ritterhuder Rathaus ein, leitet die Gemeindeverwaltung und ist für die Belange der Gemeinde und ihrer Ortschaften zuständig. Der Bürgermeister setzt die Beschlüsse des Gemeinderats um.

 

Bewerber für das Landratsamt

In einer einminütigen Vorstellungsrunde zeigten sich alle sechs Bewerberinnen und Bewerber für das Landratsamt sehr diszipliniert und erklärten, warum sie sich für das große Amt bei den Wählern bewerben. Die Anwesenden erhielten einen Eindruck von den Personen und ihrer Art, sich darzustellen. Anschließend ging es um die Themen Finanzen, Wohnraum und Gewerbeflächen, Landwirtschaft und Natur sowie der öffentliche Personennahverkehr.

Fabian T. Albrecht (CDU), Bankkaufmann und Universitätsdozent, verfügt über ein BWL-Studium und ist in Ritterhude unter anderem Vorsitzender im Ausschuss für Haushalt, Finanzen und Beteiligung. Im Kreistag machte er sich zum Beispiel einen Namen als Vorsitzender im Bildungsausschuss und Mitglied im Finanzausschuss. Der 32-Jährige möchte Verantwortung für den Landkreis übernehmen. Der Landkreis müsse attraktiver werden, daher möchte er die Infrastruktur verbessern, mehr Gewerbeflächen ausweisen und Baugenehmigungen erteilen.

Kim Fürwentsches (Bündnis 90/Die Grünen) kennt sich als Bürgermeister Lilienthals mit der Leitung einer Verwaltung mit 270 Mitarbeitern aus. 2024 sammelte er Erfahrungen im Krisenmanagement beim großen Hochwasser in seiner Gemeinde. „Wir müssen die Kommunen widerstandsfähiger gegen Katastrophen machen.“ Der 43-jährige Vater war bei der Wasserschutzpolizei und ist Nautiker mit Kapitänspatent. Die VHS, die Vereinsförderung und die Schwimmbäder möchte Kim Fürwentsches weiterhin gefördert wissen. Die Schwimmbäder dürften niemals zur Disposition gestellt werden, diese aufzugeben.

Die parteilose Kandidatin Daniela Buer, 50 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, im Kreishaus beschäftigt und der Strukturen kundig, gab ihren Schwerpunkt mit der Wirtschaft des Landkreises und der Bildung an Schulen an. Verlässliche Kinderbetreuung liege ihr am Herzen. Die Kreisumlage möchte sie stabil halten. Das Thema Windpark will sie bis spätestens 2027 erledigt haben, um die Wirtschaft voranzubringen.

Imke-Aïta Birmele, Landratskandidatin für Die Linke, sprach sich als Mutter zweier Kinder klar gegen Kürzungen im sozialen Bereich aus. Sie steht für einen starken Landkreis, der die Kommunen unterstützt, statt sie abzuwälzen. „Nur mit einer starken Wirtschaft kommt wieder Geld in die Kassen“, so Birmele. Als einen ihrer Schwerpunkte benannte sie „Wohnen“ beziehungsweise „Wohnraum schaffen“.

 

Demokratie schützen

Michael Harjes (SPD) ist mit seinen 52 Jahren ein Ur-Ritterhuder und Ritterhudes stellvertretender Bürgermeister. Er ist Verwaltungsbetriebswirt und arbeitet im Bremer Rathaus. Er sprach sich ebenfalls für eine konstante Kreisumlage aus, um den Gemeinden in den nächsten Jahren Planungssicherheit zu geben. Bei allem Sparzwang bekräftigte er: „Nicht bei der Bildung sparen.“ Für ihn war es noch einmal wichtig zu betonen: „Wir müssen unsere Demokratie schützen. Gehen Sie wählen, wirken Sie mit.“

Claus Tietjen, parteilos, führt in Lilienthal einen landwirtschaftlichen Betrieb. „Ich habe Lust etwas zu verändern und für frischen Wind zu sorgen“, sagte er zu seinen Beweggründen zu kandidieren. Er stehe für solide Finanzen. Alles gehöre auf den Prüfstand für einen leistungsfähigen Landkreis und um den Wirtschaftsfaktor zu stärken.

Alle Kandidaten betonten klar die große Bedeutung von Ehrenämtern in Zeiten knapper Kassen. Michael Harjes regte die Überlegung an, Rentenpunkte für Ehrenamtliche zu vergeben.

Strittig war nicht, dass alle Kandidaten Infrastruktur und den ÖPNV verbessern und ausbauen möchten.

Bei der B74-Ortsumfahrung blieben die Positionen uneinheitlich. Mehrere Kandidaten lehnten insbesondere die Westtrasse ab, zeigten sich für eine mögliche Ostvariante aber gesprächsbereit. Andere sprachen sich grundsätzlich gegen die Umfahrung aus oder wollten sich noch nicht festlegen.

 

Gemeinderatskandidaten unter Druck

Nach einer kurzen Pause ging es etwas haariger für die Gemeinderatskandidaten Ritterhudes weiter. IRB-Vorständler Axel Schäfer moderierte diesen Part recht hartnäckig. Er durchleuchtete die Wahlprogramme von Team Ritterhude, CDU, SPD, Linken und Grünen und befragte dazu die Spitzenkandidaten Tim Koschnik (Team Ritterhude), Markus Lehmann (CDU), Lena Rebenstorff (SPD), Detlef Sowinski (Die Linke), Jette Winkelmann (Grüne), die ebenfalls nur jeweils knappen Zeitrahmen erhielten.

Die Wahlprogramme ähnelten sich, doch Moderator Schäfer drängte auf konkrete Antworten: Wie sollen Wirtschaft und Wohnungsbau gefördert werden? Die zunächst irritierten Kandidaten verwiesen auf Dialog und politische Beschlüsse im Gemeinderat.

Ansiedelung von Gewerbe wurde durchweg als Schlüssel zum Wohlstand der Gemeinde betrachtet.

Beim Ja-Nein-Spiel zur B74-Ortsumfahrung mussten die Spitzenkandidaten ihre Einschränkungen herunterschlucken. Drei sagten Nein, zwei grundsätzlich Ja. Dass sich ihre tatsächlichen Positionen damit nur unzureichend abbilden ließen, machten mehrere von ihnen spätestens in der Pause deutlich.

 

Vergleich von Kuck und Lehmann

Die Bürgermeisterkandidaten Jürgen Kuck (SPD) und Markus Lehmann (CDU) kamen mit Paul Justus Reese von der IRB als Moderator zusammen. Jürgen Kuck, der das Amt des Ritterhuder Bürgermeisters bereits seit 2021 bekleidet, zeigte sich zu jedem Thema gelassen und sehr sattelfest. Markus Lehmann möchte gegen Kuck antreten, weil er feststellte, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger nicht gut informiert fühlten. In acht oder sogar 16 Amtsjahren könne man richtig was bewegen, schwärmte er.

Lehmann ist in der Ritterhuder Politik bereits zu Hause und sitzt in diversen Ausschüssen. Eine High-End-Lösung wünscht er sich für die Edeka-Markt-Ansiedlung bei Hüderbeek. 1.200 Quadratmeter werde Edeka nicht ausreichen. Jürgen Kuck klärte auf, dass man auch den Vorgaben des Kommunalverbundes Bremen/Niedersachsen unterliege. Eine Marktansiedlung mit 1.800 Quadratmetern sei ausgeschlossen.


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