Feiern amfinanziellen Limit
Fragt man verschiedene Veranstalter aus der Region, wie ihre Events finanziell aufgestellt sind, dann zieht sich ein deutlich erkennbarer roter Faden durch die Gespräche: Wären sie nicht in der Lage, mindestens einen von mehreren Kostenfaktoren massiv zu dämpfen, könnte ihr Event gar nicht stattfinden. Dabei geht es um helfende Hände, günstige (oder gar kostenlose) Bühnen, Sponsoren oder Künstler, die auf Gagen verzichten. Oft hört man Sätze wie „Anders wäre das gar nicht möglich“ - unabhängig von Format und Größe der Veranstaltung. Von alleine, bekommt man den Eindruck, trägt sich kaum ein Event.
„Am meisten Kosten die Sicherheitsleute“
Sebastian Dippe spart, indem er fast ausschließlich seine eigene Veranstaltungstechnik benutzt. Mit seiner Firma OBEX Eventmanagement veranstaltet er das Stadtfest in Osterholz-Scharmbeck. Stünden auf dem Marktplatz nicht zwei Bühnen, für die er zumindest keine Leihgebühren bezahlen muss, wäre das Fest kaum kostendeckend realisierbar. Obwohl hier ein vier- bis fünfstelliger Betrag eingespart werden kann, ist die Bilanz knapp.
Im Vorfeld der diesjährigen Ausgabe hat Dippe offen kommuniziert, dass die Zukunft ungewiss ist. „Der Trend zu weniger Besuchern ist ungebrochen“, sagt der Event-Profi am Montag nach dem Stadtfest. An den Gästen verdient er nicht direkt, denn das Stadtfest findet seit je her bei freiem Eintritt statt; das Gelände ist nicht eingezäunt. Für die Aussteller, deren Standgebühren die wichtigste Einnahmequelle sind, ist es aber natürlich bitter, wenn die Menschen zuhause bleiben.
Gewinn zu machen sei auch gar nicht unbedingt das Ziel. „Das Stadtfest ist für uns Prestige“, sagt Dippe. Doch selbst das kleine finanzielle Polster - ein geringer vierstelliger Betrag, der höchstens einen Teil der Werbung finanziert - schmilzt allmählich. Das liegt zum einen an steigenden Kosten. „Am meisten kosten die Sicherheitsleute“, sagt Dippe. Mittlerweile müsse er acht Security-Mitarbeiter engagieren, um dem Sicherheitskonzept der Stadt zu entsprechen. Früher seien es vier gewesen. Das Stadtfest verlaufe dabei nach wie vor ausgesprochen friedlich.
Zum anderen fließt seitens der Sponsoren deutlich weniger Geld, als vor der Pandemie. „Früher haben die Sponsoren etwa die Hälfte der Kosten gedeckt, jetzt noch ungefähr 25 Prozent.“ Wo ein einzelnes Unternehmen in den 2010er-Jahren noch 5.000 Euro beigesteuert habe, gäbe es jetzt noch 1.000. Andere seien komplett abgesprungen. Mit Radio Bremen ist seit kurzem ein neuer Sponsor an Bord - der allerdings nicht direkt zahlt. Im Programm von Bremen Eins laufen stattdessen Werbespots für das Stadtfest, was durchaus ein wertvoller Beitrag sei, wie Dippe sagt. „Diese Werbung könnten wir uns niemals leisten.“
Wie es mit dem Stadtfest weitergehen soll, ist noch nicht klar. Fest steht nur, dass es im gewohnten Format ohne finanzielle Unterstützung nicht mehr lange bestehen wird. Dippe wünscht sich seit langem einen Zuschuss von der Stadt. Die hält sich, abgesehen vom Herbstmarkt, aus den meisten Events auf dem Marktplatz raus. „Ich kenne Städte, wo anders gehandelt wird“, sagt Dippe und nennt beispielsweise Achim und Walsrode als Beispiele. „Da geht ordentlich Geld in die Stadtfeste.“
Er habe schon mit verschiedenen Bürgermeisterkandidaten gesprochen. Eine gewisse Bereitschaft, über das Thema zu reden, sei zu erkennen. Ob nach der Wahl dann auch Geld fließt, bleibt abzuwarten. Eine Alternative zur Finanzspritze hat Dippe bereits in den Raum gestellt: Vielleicht könnte das Stadtfest in Zukunft mit nur einer statt zwei Bühnen stattfinden. Die Gagen der Künstler seien nämlich auch gestiegen. Bisher sei das nur ein „Rechenbeispiel“.
Gewinn reicht für Liegestühle
In Bremervörde gab es das letzte Stadtfest im Jahr 2024. Danach habe man sich beim City- und Stadtmarketing entschieden, den Fokus auf andere Formate zu legen, sagt Bärbel Hensel und nennt konkret den Stadtrummel und den „Citybeach“. Bis vor zwei Jahren fand das Stadtfest jeweils im Wechsel mit dem Vörder Seefest statt.
Im Gewerbegebiet an der B71 wurde unterdessen eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen: Zur Premiere von „VördeWorx“ kamen vor zwei Jahren schon rund 6.000 Gäste, inzwischen ist die Zahl fünfstellig. Das Event verbindet Familienfest und Gewerbeschau und löst das Gewerberingfest ab, das 2023 zum letzten Mal stattfand.
Finanziert wird das riesige Event hauptsächlich über eine Umlage, die von den teilnehmenden Betrieben gezahlt wird. „Beim ersten Mal haben wir das auf freiwilliger Basis gemacht, seit dem zweiten Jahr gibt es eine Gebührenordnung“, erklärt Tina Stegitz, eine von drei Organisatorinnen. Eintritt wird für das Fest nicht verlangt.
Dass die Veranstaltung auf einer stabilen finanziellen Basis steht, führt Stegitz auch auf eine sorgfältige Budgetplanung zurück: „Wir sammeln erst das Geld ein, dann bauen wir das Programm.“ Die Teilnahmegebühren müssen Kosten für Veranstaltungstechnik, Versicherungen, Gagen und GEMA-Gebühren, den Rettungsdienst des DRK und natürlich Werbung decken. Beiträge von Sponsoren machen dabei etwa zehn Prozent aus. Die Standgebühren für Aussteller versuche man bewusst klein zu halten.
Unterm Strich stand im letzten Jahr ein Plus von 300 Euro, berichtet Stegitz. „Davon haben wir Liegestühle gekauft und das war‘s“, sagt sie. Mit dem Ergebnis sind die Organisatoren zufrieden, das Ziel sei von Anfang an gewesen, kostendeckend zu arbeiten. Die Bilanz von VördeWorx klingt nach einer simplen Rechnung: Geld einsammeln und nicht mehr ausgeben, als man hat.
Ganz so einfach ist es nicht, denn die nackten Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Man kann darin zum Beispiel nicht erkennen, dass im ehrenamtlichen Orga-Team der Veranstaltung viel Marketing-Expertise vorhanden ist, die nicht eingekauft werden muss. Oder, dass die mobile Bühne, die mehrere Gemeinden gemeinsam angeschafft haben, lediglich mit Transportkosten zu Buche schlägt und keine Leihgebühr kostet. Außerdem spart das Team viel Geld, weil der Zusammenschluss der Betriebe, die gemeinsam zu dem Event einladen, rechtlich nicht als Großveranstalter gilt. „In dieser Veranstaltung steckt so viel privates Engagement“, sagt Tina Stegitz. Sie appelliert an die Menschen in Bremervörde, nicht nur VördeWorx, sondern möglichst viele Veranstaltungen in der Region zu besuchen. „Dafür reißen sich die Leute im Hintergrund echt die Beine aus.“
Unbezahlbare Helfer
Eine andere Zielgruppe bedient das Burning Q Festival: Das Open Air in Freißenbüttel zieht seit 15 Jahren Metal-Fans aus der Region und darüber hinaus an und rechnet in diesem Jahr mit 1200 Besuchern. Denen wird ein hochkarätiges Programm mit echten Szene-Größen geboten. Das Drei-Tage-Ticket inklusive Camping kostete in diesem Jahr 89,99 Euro und ist ausverkauft.
Organisiert wird das Burning Q seit Beginn an vom gleichnamigen Verein - ohne Gewinnabsicht. In den ersten Jahren lief es wechselhaft, vereinzelt wurden auch rote Zahlen geschrieben. 2019 musste erstmals die Abendkasse geschlossen werden, im Folgejahr waren die damals 999 Tickets zum ersten Mal bereits im Vorfeld ausverkauft. Gleichzeitig ist der Ticketpreis auch gestiegen. „Hier steckt sich niemand was in die Tasche“, versichert Burning Q-Vorstandsmitglied Tim Tietjen jedes Mal, wenn er gefragt wird, bei wem das ganze Geld eigentlich landet.
Kassenwart Florian Meyer hat die Zahlen: Vom sechsstelligen Umsatz, der aus Ticket- und Getränkeverkauf resultiert, bleiben vielleicht zwei- bis dreitausend Euro Überschuss, die zuletzt in Technik investiert wurden. „Am meisten kosten die Bühne und die Bands“ verrät Meyer. Bis zu 4000 Liter Diesel gehen bei der Stromerzeugung drauf. In der Nähe des Geländes gibt es bisher keinen geeigneten Stromanschluss, deshalb bleibt nur der Generator. Außerdem arbeiten zwölf Sicherheitsleute auf dem Gelände - einer pro hundert Besucher.
Mehr Tickets zu verkaufen, war auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Das Festival sollte nicht unbedingt wachsen, brauchte aber mehr Spielraum, um die gestiegenen Kosten für Technik und gefragte Künstler stemmen zu können, ohne die Preise anzuziehen. In Zukunft könnten die Tickets aber dennoch teurer werden.
Ticketpreise hin oder her: Die Rechnung beim Burning Q Festival geht nur auf, weil es inzwischen rund 200 ehrenamtliche Helfer gibt, die sämtliche Aufgaben vom Auf- und Abbau bis zum Getränkeverkauf übernehmen. „Diese Arbeit könnten wir nie im Leben bezahlen“, sagt Tim Tietjen.
25.000 Euro Spendensumme
Ebenfalls vom Ehrenamt getragen wird das „Moor4U“-Festival in Gnarrenburg. Hier wird die mobile Bühne der Gemeinde genutzt, die auch bei VördeWorx zum Einsatz kommt. Der Lions Club kümmert sich mit Unterstützung von lokalen Sportvereinen um den Getränkeverkauf, alle Künstler verzichten auf ihre Gage. Etwa 50 Sponsoren steuern verschieden große Beträge bei. So wird es möglich, dass die Benefizveranstaltung am Ende 25.000 Euro an Spenden generieren kann. „Alles, was wir einnehmen, wird wieder ausgeschüttet“, sagt Ralf Rimkus vom Lions Club Hermann-amprecht in Gnarrenburg.
Feiern amfinanziellen Limit

„Sommer – Sonne – Meer“
Mit dem Fahrrad in den Feierabend



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