Katja Hofmann

Ein Ziel vor Augen

Der Spieler der Flying Bulldogs Bramstedt wurde für das Team Germany nominiert. Unserer Autorin Katja Hofmann erzählt er, wie er zum Sport kam, was er für ihn ausmacht und welche Ziele er verfolgt.

Spielt deutschlandweit und nimmt an der Europameisterschaft in Schottland teil: Mike Gebhardt.

Spielt deutschlandweit und nimmt an der Europameisterschaft in Schottland teil: Mike Gebhardt.

Bild: Kaho

Wenn Mike Gebhardt über Darts spricht, dann klingt das nach mehr als einem Hobby. Es klingt nach einem Weg, der ihn aus dem Freundeskreis an die Scheibe führte – und nun bis nach Schottland zur Europameisterschaft. Vom 23. bis 26. April wird der 35-Jährige bei der Paradarts-Europameisterschaft antreten. Nominiert wurde er vom Paradarts Team Germany, für das er bundesweit Ranglistenturniere spielt. Zugleich vertritt er seinen Verein, die Flying Bulldogs Bramstedt. Bereits die Teilnahme gilt in der Szene als sportlicher Meilenstein.

„Die Nominierung zur Europameisterschaft ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt Gebhardt. Als die Nachricht kam, hat er es zunächst kaum glauben können. Der erste Anruf ging an seine Freundin und den gemeinsamen Sohn. Stolz ist er gewesen – und beflügelt von dem Wissen, dass ein Traum wahr wird: einmal international spielen.

Von Bramstedt nach Schottland

Zum Dartsport kam Mike Gebhardt 2019 durch Freunde. Damals war er 28 Jahre alt. Seit 2022 spielt er aktiv im Verein. Der sportliche Ehrgeiz wuchs mit den Jahren und ein entscheidender Impuls kam im Mai 2025. „Mein Freund Kai Wachtendorf hat gesagt: Mike, wenn du den nächsten Schritt im Darts machen möchtest, solltest du den Weg Richtung Bramstedt gehen und zu den Flying Bulldogs wechseln. Dort kannst du auf Leistungsdruck deine Qualität steigern.“ Gebhardt folgte dem Rat. „Und dieser Schritt hat sich bewährt“, sagt er heute. Der Wechsel in den Paradarts-Bereich folgte im September 2025, angestoßen durch ein Mitglied des Team Germany. „Dadurch habe ich erfahren, dass ich mit meiner chronischen Vorerkrankung und körperlichen Einschränkung startberechtigt bin. Seitdem spiele ich deutschlandweit mit.“

Anerkennung und Gemeinschaft

Paradarts, erklärt Gebhardt, ist im Kern derselbe Sport wie das klassische Darts – und doch anders organisiert. Es gibt verschiedene Kategorien: „Classic“ für Spielerinnen und Spieler mit Einschränkungen beim Gehen, Stehen oder Werfen, Rollstuhl-Wettbewerbe und „Inklusio“ etwa für Gehörlose ohne weitere körperliche Einschränkungen. „Darts ist für Menschen mit Behinderung mehr als nur ein Spiel“, sagt Gebhardt. „Es bedeutet Teilhabe, Selbstständigkeit, Anerkennung, Freude und Gemeinschaft.“

In Bramstedt fühlt sich der 35-Jährige gut aufgehoben. Auch wenn er kein Bramstedter ist, sondern in Osterholz-Scharmbeck-Mitte lebt, beschreibt er den Zusammenhalt im Team als außergewöhnlich. Spartenleiter Christoph Bargmann und der ganze Verein unterstützen Gebhardt von Beginn an.

Tägliches Training

Die Vorbereitung auf die Europameisterschaft ist strukturiert, aber dem Alltag angepasst. Einmal pro Woche fährt Gebhardt zum Verein und misst sich dort mit stärkeren Spielern. Zu Hause trainiert er täglich am Board, häufig auch online gegen andere Dartspieler, um den Turnierdruck zu simulieren. Den Takt des Trainings gibt aber meist seine Gesundheit vor.

Ein Ziel vor Augen

„Geh den Weg, den du am besten für dich findest.“ Das hat Gebhardts verstorbene Mutter ihm gesagt – und daran denkt er jeden Tag. Sein sportliches Vorbild ist Gerwyn Price, einer der prägenden Profis der internationalen Szene. Genau wie sein Idol möchte Gebhardt es weit bringen.

Und das ist anspruchsvoll. Das Niveau im Paradarts hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, beobachtet Gebhardt. „Früher reichte es, wenn ein Paradarter 40 Punkte wirft – das sieht heute anders aus.“ Die Leistungsdichte ist gestiegen und die Qualität hoch. Der Sport ist für alle, unabhängig von Alter oder körperlichen Voraussetzungen. Aber am Ende entscheidet oft die Tagesform.

Für Schottland setzt sich Gebhardt ein klares Ziel: Top Ten bei seiner ersten Europameisterschaft. „Alles andere wäre Bonus.“ Im Amateurbereich möchte er vor allem konstanter werden und weniger Schwankungen im Spiel haben. Und langfristig? Wünscht sich Gebhardt vor allem mehr Sichtbarkeit und Unterstützung für den Paradartsport – national wie international.

Darts ist für Menschen mit Behinderung mehr als nur ein Spiel. Es bedeutet Teilhabe, Selbstständigkeit, Anerkennung, Freunde und Gemeinschaft.


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