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Begleiter bei Trauer und Tod

Landkreis (lst). Trauerarbeit und Sterbebegleitung wird häufig von Ehrenamtlichen geleistet.

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Wie unersetzlich ehrenamtliches Engagement ist und welch wichtige Arbeit die Freiwilligen in ihrer Freizeit leisten, zeigt sich unter anderem beim Ambulanten Hospizdienst Bremervörde-Zeven und beim Anderland in Osterholz-Scharmbeck, dem Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche sowie deren Angehörige.
Sie schauen hin und sind da, wo viele andere gerne wegschauen und sich nicht hintrauen: die rund 60 Ehrenamtlichen, die sich im Ambulanten Hospizdienst Bremervörde-Zeven engagieren. „Wir sind für Schwerkranke und deren Angehörigen da, hören zu, ohne zu bewerten und schenken Zuwendung und Nähe am Ende des Lebens“, sagt Koordinatorin Elsabeth Horlboge.
Gemeinsam mit Christa Schmidt führt sie ein erstes Gespräch mit den Hilfesuchenden und entscheidet dann, wer aus dem Team am Besten für die Begleitung geeignet ist. Beide Koordinatorinnen sind Krankenschwestern mit Palliativ-Care Fachweiterbildung.
 
Gesellschaft beim Tatort
 
Jeder „Auftrag“ sei anders, betont Horlboge. Manche Menschen freuen sich über Gesellschaft beim gemütlichen Bierchen am Sonntagabend zum Tatort, andere vertrauen den „Zeitschenkern“ bei einer Zigarette Sorgen und Ängste an, die sie mit Freund*innen und Familie nicht teilen können oder wollen.
Oft seien es aber auch die Angehörigen, die Zuwendung brauchen, weil sie mit der Krankheit oder dem nahenden Tod des Partners oder der Eltern nicht gut zurechtkommen, berichtet Claudia Kiel-Wieber.
 
Reden gegen Ängste
 
Die gelernte Arzthelferin aus Lamstedt engagiert sich seit 2014 im Hospizdienst und stellt immer wieder fest: „Reden hilft den Menschen und nimmt ihnen viel Angst.“
Wie all ihre Mitstreiter*innen hat auch sie eine eigenfinanzierte achtmonatige Ausbildung inklusive eines Praktikums absolviert, um auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorbereitet zu sein. Regelmäßig finden zudem Supervisionen und Gruppenabende statt, bei denen sich die Ehrenamtlichen austauschen können.
 
Hospizdienst hilft kostenlos
 
Der Hospizdienst, der sich in Trägerschaft des Kirchenkreises Bremervörde-Zeven und der Krebsfürsorge befindet, finanziert sich über Spenden und ist - inklusive der Geschäftsführung - ehrenamtlich aufgestellt. Nur die beiden Koordinatorinnen sind beim Kirchenkreis angestellt und werden von den Krankenkassen bezuschusst. Wer die Dienste der Ehrenamtlichen in Anspruch nimmt, zahlt nichts, egal wie lange die Begleitung dauert.
 
Für trauernde Kinder
 
Mit dem Tod hat auch Meike Helmke in ihrem Ehrenamt zu tun. Die Lehrerin aus Ritterhude engagiert sich seit 2013 im Anderland, dem Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche sowie deren Angehörige in Osterholz-Scharmbeck. Zusammen mit einigen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen des Diakonischen Werks und 19 weiteren Ehrenamtlichen begleitet sie Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren, die in den meisten Fällen einen Elternteil verloren haben.
An die besondere „Arbeitsweise“ habe sie sich schnell gewöhnt, sagt sie. Im Anderland werden nämlich keine Impulse und keine Antworten gegeben. Die Kinder, die am Gruppennachmittag immer einen Erwachsenen „für sich“ haben, werden einfach „gespiegelt“. Wenn zum Beispiel ein Kind still in der Ecke sitzt, setzt Meike Helmke sich still daneben. Wenn es spielen will, spielt sie mit, wenn es weint, lässt sie es weinen und ist einfach da - ohne zu versuchen, es mit Floskeln zu trösten.
 
„Die beste Entscheidung“
 
„Unsere Botschaft ist: Wir sehen dich, bewerten dich aber nicht“, sagt Meike Helmke. Das Ehrenamt im Anderland anzunehmen, bezeichnet sie als die beste Entscheidung ihres Lebens. Sie habe nicht nur viele freundschaftliche Kontakte knüpfen können, die Beschäftigung mit dem Thema Tod und Trauer habe ihr auch beim Tod ihrer Mutter weitergeholfen und vieles einfacher gemacht.
 
Es fehlen Männer
 
Sowohl beim Hospizdienst als auch im Anderland sind übrigens hauptsächlich Frauen ehrenamtlich engagiert, viele von ihnen sind bereits im Rentenalter. Vor allem im Anderland wünscht man sich mehr männliche und jüngere Freiwillige, die für die Kinder da sein wollen. Die Warteliste von Trauernden ist lang.
www.hospizdienst.org
www.anderland-ohz.wir-e.de
Meike Helmke engagiert sich im Anderland Foto: eb


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