Alissa Fransen

Zeitzeuge berichtete - Johann Pape erzählte von seinen Erlebnissen

Sandbostel. Fast einhundert Interessierte fanden sich vor Kurzem im Bernard Le Godais-Saal ein, um den Berichten und Erzählungen von Johann Pape Gehör zu schenken. Der aus Granstedt stammende Zeitzeuge wurde damals im Jugendalter rekrutiert, um für einige Tage in Sandbostel tätig zu sein.

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Johann Pape wurde damals von den Briten rekrutiert ihnen bei der Versorgung der befreiten und kranken Stafgefangenen zu helfen. Foto: af

Johann Pape wurde damals von den Briten rekrutiert ihnen bei der Versorgung der befreiten und kranken Stafgefangenen zu helfen. Foto: af

Sandbostel. Fast einhundert Interessierte fanden sich vor Kurzem im Bernard Le Godais-Saal ein, um den Berichten und Erzählungen von Johann Pape Gehör zu schenken. Der aus Granstedt stammende Zeitzeuge wurde damals im Jugendalter rekrutiert, um für einige Tage in Sandbostel tätig zu sein.

Ursprünglich war geplant, dass Johann Dücker ebenfalls als Zeitzeuge in das ehemalige Arbeitslager Sandbostel kommt, aber leider wurde dieser kurzfristig krank. So nahm sich Johann Pape noch etwas mehr Zeit für seine Erzählungen, zeigte alte Fotografien und stand Rede und Antwort für Fragen der gespannten Zuhörer.
Johann Pape wurde als Jugendlicher von der britischen Armee zur Arbeit im befreiten Stalag XB Sandbostel zum Dienst verpflichtet und ebenfalls im provisorischen Lazarett eingesetzt. Dort pflegte er kranke, befreite KZ-Häftlinge.
Das Interview wurde in verschiedene Themenbereiche eingeteilt, in denen auf die Kriegszeit allgemein und in Granstedt und Umgebung, dem Verhältnis zu ausländischen Arbeitern und um das Leben von Johann Pape eingegangen wurde.
Der im Jahre 1930 geborene Granstedter freute sich über viele bekannte Gesichter und begann von seinem Lebensweg zu erzählen. Aufgewachsen ist er auf einem Hof mit zwei Brüdern und einer Schwester. Seine Familie besaß viele Pferde, die im Laufe des Zweiten Weltkrieges leider zum größten Teil abgegeben werden mussten.
Nach der Schulzeit, in der Johann Pape einige Zeit nach Lavenstedt zur Schule laufen musste, da sein Lehrer in Granstedt eingezogen worden war, begann er eine Lehre als Elektroinstallateur und bildete sich stets weiter. Nach 14-jähriger Tätigkeit bei AEG in Bremen machte er sich mit einem Ingenieurbüro in Bremen selbstständig, das auch heute noch Bestand hat und in dem er ab und an noch tätig ist.
Eine Frage kam auf, wie das Verhältnis zu den Arbeitern auf dem Hof gewesen sei. Johann Pape konnte nichts Negatives berichten. Eine Frau aus Russland half beispielsweise und 1943 war eine Familie aus der Sowjetunion da und half bei Feldarbeit und weiteren anstehenden Arbeiten. Außerdem waren für kurze Zeit ein Belgier und ein Franzose ebenfalls dort. Jahre später kam ein Brief bei der Gemeinde an, in dem sich die Familie auch Jahre danach noch für die angenehme Zeit bei der Familie Pape in Granstedt bedankte.
Die Russischkenntnisse, die Johann Pape durch dieses Kennenlernen erlernt hat, kamen ihm in dem provisorischen Lazarett in Sandbostel zugute, sodass er sich mit den dortigen Soldaten kurz unterhalten konnte, bevor diese verlegt wurden.
Davor war Johann Pape einige Tage zusammen mit einem Engländer für das Putzen verschiedener Räume eingeteilt. Zum Helfen im Lager Sandbostel wurden die Menschen damals einfach rekrutiert. Aus hygienischen Gründen wurden die Baracken später jedoch abgebrannt.
Johann Pape verstand sich gut mit dem englischen Unteroffizier, mit dem er zum Arbeiten eingeteilt war. Dieser war nicht viel älter als Johann Pape selber. Es waren zwar unvorstellbar anstrengende Arbeitstage, doch lernte er so auch viel über die dortigen Gegebenheiten. Der Engländer zeigte ihm beispielsweise auch das Lager. Die Bilder aus dieser aufwühlenden Zeit werde er nie vergessen.
Ebenfalls nie vergessen werde er die Liebe zur Musik. Johann Pape kam durch eine Trommel an die Musik und spielte später leidenschaftlich gern Schlagzeug. Nach der Auflösung des Lager Sandbostels spielte er beispielsweise gemeinsam mit Freunden in einer Band, die im Selsinger Hof öfter mal auftgetreten ist. Er selber sprang sogar später in Seedorf ein und spielte an vielen Abenden Schlagzeug. Über die Geschehnisse in Sandbostel wollte allerdings nie jemand reden, die Leute waren froh, dass der Krieg zu Ende gewesen ist.
Die Zuhörer stellten einige Fragen, sodass sich über die verschiedensten Geschehnisse ausgetauscht wurde. Das Interview, in dem die Gäste viel über Granstedt und Umgebung in der Zeit des Zweiten Weltkrieges erfahren haben, war für alle sehr interessant und später kamen einige Menschen nach vorn, um noch einmal persönlich mit Johann Pape zu sprechen.


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