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„Zeit, kürzer zu treten“

Lamstedts Samtgemeindebürgermeister Holger Meyer legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

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Holger Meyer legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Holger Meyer legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.

Lamstedt (red). Vor wenigen Tagen erreichte die Bürger:innen der Samtgemeinde Börde Lamstedt eine überraschende Meldung. Samtgemeindebürgermeister Holger Meyer (57) wird nach einer längeren Erkrankung nicht wieder in den Dienst gehen.

Nachdem Meyer bereits mehrere Monate ausgefallen war, bat er nun aus eigenem Antrieb um eine Prüfung seiner beamtenrechtlichen Dienstfähigkeit. Diese Entscheidung hat sich der amtierende Samtgemeindebürgermeister nicht leicht gemacht und sich im Vorwege mit Freunden und Vertrauten über seine Situation ausgetauscht. „Es ist immer noch ein komisches Gefühl, dass ich meine vier Jahrzehnte andauernde Aufgabe nun nicht mehr ausüben kann, aber meine angeschlagene Gesundheit hat mir gezeigt, dass es Zeit ist, kürzer zu treten und mein Amt niederzulegen“, sagte Meyer im Gespräch mit der Redaktion des Bremervörder Anzeiger.

Der gebürtige Nieder Ochtenhausener begann 1983 seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Bremervörde und wechselte nach dem erfolgreichem Abschluss der Ausbildung und des Zivildienstes am 1. Mai 1988 in die Samtgemeinde Börde Lamstedt. Im Jahr 2000 erfolgte der Angestelltenlehrgang für den gehobenen Dienst und im April 2006 die Übernahme in das Beamtenverhältnis.

Am 7. April 2013 hat sich der zweifache Familienvater als Nachfolger von Werner Otten mit 65,21 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber Andreas Wehber durchgesetzt, wurde im September 2021 mit über 78 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt und blickt nun auf zehneinhalb Jahre Arbeit als Samtgemeindebürgermeister zurück.

 

Mehr als zehn Jahre Samtgemeindebürgermeister

 

Dieses Jahrzehnt sei geprägt gewesen von vielen positiven Ergebnissen, tollen Erinnerungen, Erlebnissen und Menschen, so Meyer. Unter seiner Leitung habe die Börde eine Entschuldung von einem Defizit von 12 Millionen Euro auf knapp 500.000 Euro erreicht, davon wurden 6 Millionen vom Land Niedersachsen getragen, der Rest selbst erwirtschaftet. Aber auch zahlreiche Baugebiete in den Mitgliedsgemeinden, Dorferneuerungs- und Flurbereinigungsverfahren, der Neubau mehrerer Feuerwehrhäuser und die Digitalisierung der Verwaltung wurden unter der Leitung von Holger Meyer umgesetzt.

Die Corona- Zeit stellte auch die Lamstedter:innen vor großen Herausforderungen, denn die ersten Impftermine für die Senioren waren alle in Cuxhaven. Daher setzte sich Meyer für die Terminvergabe mit mobilen Impfteams in der Bördehalle ein und konnte vielen einen langen Weg in die Kreisstadt ersparen.

Sehr gerne erinnert sich der inzwischen in Hollen wohnende Meyer an die Reisen und den Austausch mit der Partnergemeinde Wladyslawowo in Polen. Diverse Male ist Meyer entweder im Rahmen der Partnerschaft oder auch privat in die Stadt an der Ostseeküste im ehemaligen Westpreußen gereist und hat auch heute noch freundschaftliche Verbindung dorthin.

Als Bindeglied zwischen den Bürgern, der Verwaltung und Behörden ist der Spagat unheimlich schwer weiß Meyer nach inzwischen 40 Jahren im öffentlichen Dienst, hat seinen Beruf aber immer mit viel Freude und Herzblut ausgeübt. „Auch wenn die Arbeit immer wieder neue Herausforderungen bringt und neue Aufgaben, so weiß man doch, wofür man diesen Beruf gewählt hat.“

 

Neuwahl voraussichtlich im Juni 2024

 

Doch wie geht es nun weiter in der Samtgemeinde Börde Lamstedt? Laut §80, Abs. 2 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes (NKomVG) wird innerhalb von 6 Monaten per Direktwahl ein/e Nachfolger/in gewählt, wenn ein Hauptverwaltungsbeamter vorzeitig aus dem Amt ausscheidet. Dies sollte möglichst gemeinsam mit einer anderen Wahl durchgeführt werden, wofür sich die Europawahl am 9. Juni 2024 anbieten würde. Der erste Schritt für das Wahlverfahren gibt an, das am 120. Tag vor der Wahl die Wahlbekanntmachung der Wahlleitung zu erfolgen hat – in diesem Fall wäre es der 10. Februar 2024. Bis dahin müsste das Verfahren zur Überprüfung der Dienstfähigkeit abgeschlossen sein und der Samtgemeinderat muss einen Beschluss über Neuwahlen getroffen haben.

Da Hauptverwaltungsbeamte normalerweise synchron zur Wahlperiode des Rates gewählt werden, wäre die Wahlzeit des neuen Samtgemeindebürgermeisters auf Grundlage der Kommunalverfassung 7,5 Jahre und würde bis zum 31.10.2031 gehen.

Bis es zu den Neuwahlen kommt, hat Henning von Bargen die kommissarische Leitung übernommen, der seit kurzem das Team in der Samtgemeindeverwaltung der Börde Lamstedt ergänzt. Seinen Mitarbeitenden hat Meyer in der letzten Personalversammlung seine Entscheidung persönlich mitgeteilt und ist auf sehr viel Verständnis und Zuspruch gestoßen.


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