Lena Stehr

Wer Tierwohl will, muss zahlen

Niedersachsen. Anlässlich des Welttierschutztages in der vergangenen Woche rücken die bereits im Frühjahr diskutierte Tierwohlabgabe sowie der illegale Welpenhandel in den Fokus.

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Foto: www.countrypixel.de

„Jetzt mehr Tierschutz!“ war jüngst das Motto des Welttierschutztages. Die europaweite Bewegung „End the Cage Age“ zeige, dass die Gesellschaft eine tierwürdigere Haltung einfordere und kein Tierleid mehr ertragen wolle, heißt es dazu aus dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium.
Die von der Bundesregierung eingerichtete Borchert-Kommission und die Zukunftskommission würden sich daher darum bemühen, eine tiergerechtere Haltung von Nutztieren zu erreichen und gleichzeitig die Tierhaltung in Deutschland zukunftsfähig zu halten. Unter anderem sei dafür ein eine Tierwohlabgabe auf tierische Produkte unbedingt erforderlich.
Das bedeutet, dass Verbraucher:innen künftig mehr fürs Fleisch bezahlen müssten, damit die hiesigen Landwirt:innen mehr Geld bekommen, um in bessere Haltungsbedingungen investieren zu können.
Stephan Warnken, Kreislandwirt und Vorsitzender des Landvolk-Verbands Osterholz, betont, dass die Landwirt:innen schon lange viel für bessere Haltungsbedingungen getan hätten. Unter anderem habe sich die Anbindehaltung im Kuhstall längst zur Weide- und Laufstallhaltung entwickelt, die Ställe seien größer und die Tieranzahl immer kleiner geworden.
 
Deutsche Standards sind schon top
 
Die deutschen Standards seien längst top im Vergleich zu anderen Ländern. Angesichts immer neuer Verordnungen und Anforderungen und fehlender Planungssicherheit sei aber die „Ratlosigkeit über die Zukunft“ bei der Mehrheit der Landwirt:innnen inzwischen sehr groß. Und niemand könne laufend in seinen Betrieb investieren.
Dass angesichts des Wettbewerbs mehr Geld für deutsches Fleisch gezahlt werden müsse, sei unumgänglich, sagt Warnken. Wichtig sei aber, dass das Geld - sollte es eine Tierwohlabgabe geben - auch bei den Landwirt:innen ankomme - und zwar ohne großen bürokratischen Aufwand.
Ähnlich sieht das auch Alexander von Hammerstein, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Bremervörde-Zeven. Seiner Meinung nach wäre aber statt einer Tierwohlabgabe eine Mehrwertsteuererhöhung auf tierische Produkte effektiver und schneller umsetzbar. Wichtig sei auch, dass Umbauten von Ställen unbürokratisch und zügig genehmigt würden.
 
Greenpeace für Tierwohlabgabe
 
Greenpeace - genauso wie der Deutsche Bauernverband - befürwortet eine Tierwohlabgabe. „Mehr als 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher möchten, dass unsere Tiere besser gehalten werden. Sie sind bereit, über Steuern und Abgaben dafür zu zahlen, wenn die Einnahmen an Landwirtinnen und Landwirten fließen, die in bessere Haltungsbedingungen investieren. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat es verschleppt. Die neue Bundesregierung muss das jetzt schnell umsetzen“, so Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter.
Dass eine Tierwohlabgabe vor allem Menschen mit geringem Einkommen treffen wird, kritisieren unter anderem der Bundesverband der Verbraucherzentralen und der Grünenfraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter.
 
Illegaler Welpenhandel
 
Auf ein weiteres Tierschutz-Problem weist das Landwirtschaftsministerium hin - den illegalen Welpenhandel. Um diesem entgegenzuwirken, müsse dringend eine Regulierung des Onlinehandels von Tieren erfolgen. Das anonyme Anbieten von Tieren müsse untersagt werden.
Das sieht Laura Tolle vom Vorstand des Vereins „Tiere in Not“ aus Osterholz-Scharmbeck genauso. Sie appelliert an alle, die sich ein Tier anschaffen wollen, sich im Vorfeld genau zu informieren und auf keinen Fall Tiere dubioser, privater Anbieter:innen aus dem Internet zu kaufen - auch wenn die Preise - insbesondere im Hinblick auf bestimmte Rassen - verlockend seien. Meistens seien die Tiere massiv von Inzucht betroffen, verhaltensauffällig und/oder krank, was sich aber häufig erst später zeige.
 
Worst Case Tollwut
 
Was im Worst Case passieren könne, wenn Hunde illegal nach Deutschland kämen, habe gerade ein Fall aus dem Landkreis Verden gezeigt. Aus Mitleid hatte eine Familie einen Welpen aus Südosteuropa mitgebracht, der kurz darauf verstarb, weil er an Tollwut litt. Die Krankheit verläuft auch bei Menschen meist tödlich und ist eigentlich in Deutschland ausgerottet.


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