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Unterhaltung für die Seele

Oese (eb). „Oeser Abendgebete“ kann man jetzt als Podcast abonnieren

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Vier kirchliche Mitarbeitende auf neuen Wegen: Diakonin Christiane Schult (oben), Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey, Pastor Marco Müller, Pastorin Anja von Issendorff.  Foto: eb

Vier kirchliche Mitarbeitende auf neuen Wegen: Diakonin Christiane Schult (oben), Friedenspädagoge Michael Freitag-Parey, Pastor Marco Müller, Pastorin Anja von Issendorff. Foto: eb

Es ist 18.15 Uhr, an der Oeser Dorfkirche bei Bremervörde verstummen langsam die Abendglocken. Kurze Zeit später macht es „pling“ auf hunderten Smartphones: Seit fast einem Jahr werden aus der der kleinen Kirchengemeinde im Kirchenkreis Bremervörde-Zeven Abend für Abend die „Oeser Abendgebete“ verschickt.
Begonnen hatte alles mit Whats-App-Sprachnachrichten. Mittlerweile sind die Kurzandachten sogar als Podcast bei Spotify, Apple und Google Podcast und anderswo zu finden. Sie finden ihren Weg regelmäßig nach Frankreich, die Schweiz und in die USA.
„Mit dem Smartphone am Altar zu stehen und dort Gedanken zum Tag und ein Gebet ins Mikrofon zu sprechen, das war anfangs sehr, sehr merkwürdig“, erinnert sich Marco Müller, Pastor der Kirchengemeinde. Aber genau das sei im vergangenen Frühjahr der Weg gewesen, vielen nahe zu sein, die im ersten Lockdown ebenso unter der auferlegten Distanz litten, die sich Sorgen machten und um die rechten Worte rangen. Mit einem kleinen Kreis von nur 15 Empfänger:innen einer WhatsApp-Gruppe sei es losgegangen. Doch schnell wurden diese täglichen Impulse weitergeleitet. Neue, unbekannte Personen, fern der Oeser Kirchengemeinde hätten sich gemeldet, wollten aufgenommen werden in die Gruppe. So sei diese neue „digitale Gemeinde“ gewachsen. „Über den Sommer, als sich vieles im Alltag wieder normalisiert hatte, haben auch wir die digitalen Andachten ausgesetzt“, erzählt Diakonin Christiane Schult, die von Anfang an im Team war. „Als es dann aber im November wieder losging, wurden die Rufe nach einer Wiederaufnahme lauter und lauter.“ - „Seit einem Jahr können wir in unserer winzigen Dorfkirche keinen Gottesdienst mehr feiern“, berichtet Müller. Und trotzdem sei und bleibe man ja „Gemeinde“: Menschen, die zusammen hoffen und bangen, die sich sorgen und ihre Sorgen vor Gott trügen. „Wenn’s nicht am Sonntagmorgen miteinander geht, dann eben Abend für Abend digital. Da lassen sich plötzlich alte Damen von ihren Enkeln das Smartphone erklären, um den Podcast empfangen zu können.“
zehnminütiger Podcast
Um die zehn Minuten dauert der abendliche Podcast, der montags bis samstags verschickt wird. Mittlerweile sind die „Macher:innen“ zu viert. „Wir stellen die Fragen, die uns selbst unter den Nägeln brennen, und ringen um Antworten“, ist der Diakonin wichtig. Es sollen keine Phrasen gedroschen werden. Und der Pastor ergänzt: „Wir sind ja selbst auf der Suche. Das auszusprechen, scheint für viele Menschen ein großer Trost zu sein.“ Neben der Gemeindediakonin und dem Pastor engagiert sich auch Michael Freitag-Parey für den Podcast. Der Friedenspädagoge der Gedenkstätte Lager Sandbostel trägt seine spannenden Perspektiven ehrenamtlich ein. Und mit Pastorin Anja von Issendorff ist seit Januar die Seelsorgerin des Hospizes zwischen Elbe und Weser mit an Bord. Einmal pro Woche erzählt sie von Erlebnissen, die alles andere als trübsinnig sind.
„Ich möchte uns gern als Unterhalter verstehen: Das Oeser Abendgebet als Unterhaltung“, schmunzelt Müller. „Manchmal lache ich wirklich herzhaft, wenn ich die Andachten der Kollegen höre“, freut sich der Theologe, „so frisch und frei weg von der Leber werden Themen angesprochen.“ Aber im Kern ginge es ihm um Unterhaltung im eigentlichen Sinne des Wortes: Unterhalt für die Seele und Herz. Denn genau das sei es, was derzeit so viele suchten. Wo seit einem Jahr soziale Kontakt zurückgefahren seien, nicht zuletzt die Nähe innerhalb der Kirchengemeinden, da blieben solche Bedürfnisse ja weiterhin vorhanden. „Dieses gemeinsame Auf-dem-Weg-Sein in schwieriger Zeit ist die Perspektive, die wir mit Empfänger:innen und teilen“, erzählt Christiane Schult.
Das „Oeser Abendgebet“ lässt sich als kostenloses Angebot bei allen großen Podcatchern anhören und abonnieren.


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