Streit um den Ganztag
Bremervörde. Die Fraktionen von SPD und WG PRO Bremervörde im Bremervörder Stadtrat kritisieren die Vorwürfe von Landrat Marco Prietz gegen Bürgermeister Michael Hannebacher in de Debatte um die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen. Beide Fraktionen fordern mehr Verantwortung des Landkreises und eine sachliche Debatte im Interesse von Kindern und Familien.
Im Mittelpunkt müsse stehen, dass sich Kinder und Eltern auf eine verlässliche Betreuung verlassen können. Die Kritik des Landrats an Hannebacher greife aus Sicht der beiden Fraktionen zu kurz. Dabei müsse auch die Entwicklung an den Schulen berücksichtigt werden.
Aufgrund fehlender Lehrkräfte hätte die Schulen einen verlässlichen Übergang vom schulischen Ganztagsangebot in die anschließende Betreuung nicht für alle Jahrgänge gewährleisten können. Die Beschränkung auf einen Jahrgang sei daher nach Darstellung von SPD und WG PRO Bremervörde keine Entscheidung gewesen, die der Bürgermeister allein getroffen habe.
„Die Kritik ärgert mich nicht nur – sie macht mich sauer“, sagt Lukas Hinz, Mitglied im Ausschuss für Finanzen und personal. „Die Stadt steckt schon heute erhebliche eigene Mittel in Betreuung und Kinder- und Jugendhilfe. Der Landkreis könnte und müsste deutlich mehr Verantwortung übernehmen, anstatt der Stadt und Bürgermeister Michael Hannebacher öffentlich vorzuwerfen, sie habe zu wenig getan.“
Die Fraktionen verweisen darauf, dass der Landkreis Träger der öffentlichen Jugendhilfe sei. Gleichzeitig setze die Stadt Bremervörde eigene Mittel ein, um Betreuungsangebote abzusichern und Lücken zu schließen. Auseinandersetzungen über Zuständigkeiten und Finanzierung dürften nicht zulasten von Eltern und Kindern gehen.
Auch die CDU sehen SPD und WG PRO Bremervörde in der Verantwortung. Sie habe über mehrere Wahlperioden die Mehrheit im Bremervörder Stadtrat gestellt und damit die Entwicklung der vergangenen Jahre maßgeblich mitgestaltet. Entstandene Strukturen oder mögliche Versäumnisse allein dem Bürgermeister anzulasten, werde die Situation nach Ansicht der beiden Fraktionen nicht gerecht.
Zudem verweisen SPD und WG PRO Bremervörde darauf, dass Landrat Prietz selbst wiederholt eine unzureichende finanzielle Ausstattung der Landkreise durch Bund und Land kritisiere. Dieser Einwand sei nachvollziehbar, müsse aus ihrer Sicht ebenso im Verhältnis zwischen Landkreis und Kommunen berücksichtigt werden.
SPD und WG PRO bremervörde appellieren an alle Beteiligten, die Kinderbetreuung nicht zum Gegenstand gegenseitiger Schuldzuweisungen zu machen. Notwendig sei vielmehr eine gemeinsame Lösung von Stadt, Schulen und Landkreis.
„Kinder brauchen verlässliche Betreuung. Eltern brauchen Planungssicherheit. Und Politik muss Verantwortung übernehmen – im Rathaus ebenso wie im Kreishaus“, erklären die beiden Fraktionen abschließend.

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