

Schiffdorf/Beverstedt. Dichte blühende Hecken voller summender Insekten, Vogelgesang und vielfältiger Pflanzen waren einst lebendige Grenzen in unserer Landschaft. Vielerorts ist dieser Reichtum verstummt. Seit Jahrzehnten verlieren Hecken in Niedersachsen immer mehr ihren historischen Charakter. Fehlende Pflege hat sie zu hohen, dunklen Baumreihen werden lassen. Unter den ausladenden Kronen der Großbäume sterben lichtliebende Pflanzen ab. Was früher ein dichtes, lebendiges Mosaik aus Sträuchern, Kräutern und Kleinbäumen war, ist heute ein ökologischer Schattenraum. Fachleute sprechen von „Vergreisten Hecken“.
Lebendige Rückzugsorte verschwinden
Immer mehr Lebensräume, die Sonnenlicht, Schutz und Nahrung bieten, gehen verloren. Leise, dennoch spürbar, verschwinden Insekten, Vögel und Säugetiere aus unserer Landschaft. Genau hier setzt das Bingo-Jubiläumsprojekt „Hecken in Niedersachsen“ an. Die Bingo-Umweltstiftung möchte den Trend umkehren und den Hecken neues Leben einhauchen. Ziel ist es, bestehende Hecken zu revitalisieren und eine fachgerechte und nachhaltige Pflege zu etablieren. Hecken sollen wieder das werden, was sie einmal waren – ein lebendiger Rückzugsort und ein einzigartiger Lebensraum für Fauna und Flora.
Da es immer wieder zu Anrufen und Nachfragen aus der Bevölkerung in den Gemeindeverwaltungen oder bei den Ortsvorstehern kommt, ob Maßnahmen wie das Entnehmen von Bäumen gerechtfertigt ist, will die Norddeutsche Landschaftpflegeschule zusammen mit den Gemeindeverwaltungen Schiffdorf und Beverstedt für mehr Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern werben. Die Pflegemaßnahmen müssen während der Vegetationsruhe von Oktober bis Februar stattfinden. Sie werden entweder vom Bauhof der Gemeinde oder einer beauftragten Firma ausgeführt.
Lebensräume erhalten
Heutzutage wird aus Naturschutzgründen ein Wellenprofil angestrebt. Das bedeutet, dass sich Niedrigwüchse und mittelhohe Bereiche abwechseln. So bieten sie Niederwild, Vögeln und Insekten einen sicheren Rückzugsort und eine Strukturvielfalt. Bevorzugt werden in der Norddeutschen Tiefenebene heimische Gehölze wie Weißdorn, Holunder, Heckenrosen oder Wildapfel.
Hecken bieten einen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, bereichern das Landschaftsbild und sind Klimahelden. Im Zeitraum von 20 Jahren kann eine Hecke bis zu 25 Tonnen CO2 pro Hektar binden. Außerdem schützen sie vor Bodenerosionen und tragen zum Hummusaufbau bei. Ihre Wirkung können Hecken nur voll entfalten, wenn sie fachgerecht gepflegt werden.
Der Umgang mit Natur- und Landschaftsschutz hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Trotzdem fühlen sich Menschen durch widersprüchliche Debatten verunsichert. Dass im Zuge der heutigen Pflege Bäume entnommen werden, mag auf den ersten Blick irritieren – ist aber für das gedeihen einer Wallhecke erlaubt. Das Projekt „Hecken in Niedersachsen“ setzt deshalb bewusst auf einen bodenständigen Ansatz.
Praxisorientierte Heckenpflege
Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung feierte im Jahr 2024 ihr 35-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass wurde ein besonderes Projekt zur Heckenpflege ins Leben gerufen. Wenn es um praxisorientierte Schulung bei der Pflege von Feld- und Wallhecken, Wegseitenräumen und um ökologisch wertvolle Biotope geht, ist die Norddeutsche Landschaftspflegeschule (NoLa) in Geestenseth die erste Adresse im Elbe-Weser-Dreieck. Das Hauptanliegen besteht darin, die norddeutsche Landschaft zu schützen. In den Landschaftspflegekursen stehen Themen wie „Hecken in der freien Landschaft“, „Baumanagement“ oder „Gehölzbestimmung“ auf dem Stundenplan.Dem ehrenamtlichen Team der NoLa ist es wichtig, die richtige Vorgehensweise bei der Pflege einer Hecke zu vermitteln.
Im November dieses Jahres wird es einen neuen Kurs geben. Die Vorsitzende Rita Kröncke appelliert: „Da unser Landschaftspflegekurs immer sehr gefragt ist, sollten sich interessierte Teilnehmer jetzt schon anmelden.“ Die Anmeldung kann per Post, per E-Mail oder über das Online-Formular erfolgen. Weitere Informationen gibt es unter landschaftspflegeschule.de


