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Ralf G. Poppe

"Nightmare on Elm Street"

Seitdem im Mai die Elmer Ortsdurchfahrt geschlossen wurde, sind die Anwohner:innen mit vielen Problemen konfrontiert.

Elm. Im Mai dieses Jahres wurde mit Baubeginn der Arbeiten an der B74 die Elmer Ortsdurchfahrt mehr oder weniger geschlossen, und es wurden alternative Umleitungen von beiden Ortseingängen eingerichtet.

„Nach Beendigung der Bauarbeiten werden sich alle Einwohner:innen hoffentlich trotz aller Belastungen über die neue Straße freuen“, hofft Bürgermeister Erich Gajdzik, denn im Zuge der Bauarbeiten würden nicht nur Wasserleitungen und Elektrokabel neu verlegt sowie die Oberflächenentwässerung verbessert, sondern u.a. durch den Rückbau der Bushaltestellen entstehe eine neue Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt. Gajdzik bedauert allerdings sehr, dass es im Zuge der Baumaßnahmen öfter auch im Strombereich zu Problemen und Ausfällen kommt, da bei den Baggerarbeiten oftmals marode und teilweise stark durchwurzelte Kabel gebrochen werden.

 

„Nightmare on Elm Street“

 

Seit dem Beginn der Bauarbeiten hat sich in der Ortschaft Elm eine Menge getan – allerdings nicht immer zur Zufriedenheit der Dorfbewohner:innen. Im Bezug auf die Bauarbeiten, die nun etwa zu einem Drittel erledigt sind, hörte die Redaktion oft Anspielungen auf den amerikanischen Horrorfilm „A Nightmare on Elm Street“ (frei: „Ein Albtraum auf der Elmer Straße“).

So wurden zu Beginn der Umleitung die Ausweisung der Vollsperrung von Google-Maps nicht übernommen, da der örtliche Verkehr weiterhin durch das Dorf führte. Eine Bürgerin, die werktäglich auf ihrem Arbeitsweg (im Sommer mit dem Fahrrad) nach Bremervörde durch Elm fahren muss, weil sie in einer Nachbarortschaft wohnt, empfand die Umleitungsempfehlungen von Beginn an als sehr schlecht ausgeschildert. Anfangs seien ihr selbst im Elmer Wohngebiet, das sie nun durchqueren musste, sogar noch LKW mit Anhängern entgegengekommen. Nachdem eine Einbahnstraßen-Regelung ausgeschildert wurde, hätte sich die Situation jedoch stark verbessert. „Obwohl noch immer einige Leute meinen, für sie würde diese Regelung nicht gelten“, bedauert sie.

Die Umleitung in Richtung Bremervörde sei dennoch eine einzige Katastrophe. „Das letzte Stück zur B 74 besteht aus einem Schotterweg und einem Stück mit Pflastersteinen.“ Nach starken Regenfällen bestünde die Strecke nur noch aus Löchern, sei kaum noch befahrbar: „An dem Teilstück mit den Pflastersteinen bin ich auch schon mit meinem Auto aufgehauen“, sagt die Frau. Der Weg sei eine Zumutung, hatte sie bereits im Juli gesagt. Wenig später wurde das besagte Stück des Weges scheinbar folgerichtig gesperrt, damit es geteert werden konnte. Dadurch entstand wiederum eine Umleitung für die bisherige Umleitung. Am Tag vor der Freigabe wurde die Wegstrecke extra mit Schotter befestigt. Doch nach einer Woche waren bereits wieder derart große Weglöcher entstanden und die Strecke sei teilweise so verschlammt, dass die Arbeitnehmerin diesen Teil nicht mehr mit ihrem PKW befahren möchte.

Nicht nur sie findet, dass die Verantwortlichen die aufkommenden Situationen besser hätten planen müssen. Die Frau bestätigt zudem, dass Anwohner hinter den Bäumen auf die Straße springen, um Autofahrende zu erschrecken. Recherchen führten zu einem gut fünfzigjährigen Anwohner. „Man wird angemeckert, warum man dort fährt oder immer vorwurfsvoll angeguckt. Es werden Mülltonnen so dicht an die Straße gestellt, dass man kaum eine Möglichkeit hat, dort hindurchzukommen.“ Sie könne den Ärger der direkt betroffenen Anwohnenden allerdings gut verstehen, wenn so viele Autos durch die Straßen fahren. „Aber ich habe es mir auch nicht so ausgesucht. In anderen Orten (z.B. Oldendorf / Landkreis Stade) funktioniere die Durchfahrt doch auch. Trotzdem sei sie froh, nicht über Mulsum / Kutenholz fahren zu müssen. Nutze sie die dortige Umleitungsempfehlung, benötige sie 35 Minuten für eine Wegstrecke, für die sie bis zum Ziel zuvor lediglich 15 Minuten benötigte.

 

Stundenlange Irrfahrt

 

Noch extremere Situationen wurden von der Pressestelle der Polizeiinspektion Rotenburg am 6. September vermeldet. Seinerzeit erhielt die Bremervörder Polizei die Mitteilung, dass ein verdächtiges Fahrzeug seit Stunden im Bereich der Elmer Landstraße langsam umherfahren würde. Vor Ort trafen die Beamten dann einen Fahrer aus Hamburg an, der aufgrund der örtlichen Baustellensituation den Weg aus der Ortschaft Elm hinaus nicht mehr gefunden habe. Die Polizisten eskortierten den ortsunkundigen Fahrzeugführer aus der Ortschaft bis zur nahegelegenen Bundesstraße. Von dort aus konnte der PKW-Führer den Heimweg eigenständig fortsetzen.

 

Aktuelle Situation

 

Die Schlaglöcher, bzw. der katastrophale Zustand des Torfweges in der Anfangszeit der Baustelle aus Elm heraus habe sich seit der Instandsetzung des Weges derart verbessert, dass er nun in Ordnung sei, so eine Einwohnerin in der vergangenen Woche: „Die Instandsetzung hätte vor Beginn der Baustelle erfolgen müssen, da abzusehen war, dass der Weg der täglichen Belastung nicht standhalten würde. Dadurch hätte viel Unmut vermieden werden können“, findet (nicht nur) sie. Zudem sei die Beschilderung zu Beginn der Bauphase eher suboptimal gewesen. Als Anwohnerin ärgere sie sich nicht nur über ihren werktäglichen Arbeitsweg in die Ostestadt, sondern auch darüber, dass Elm weiterhin regelmäßig von Ortsfremden durchfahren wird, die die offizielle Umleitung nicht benutzen. „Auch scheinen viele die Bedeutung einer Einbahnstraße nicht zu kennen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem mir in den Einbahnstraßen mal kein Auto entgegenkommt. Ebenso wird die 30 km/h-Regelung nur selten eingehalten“, bemängelt sie.

Dem schließt sich auch Erich Gajdzik an, denn pro Woche werden circa 6.000 bis 7.000 Fahrzeuge durch die Umleitungsstrecken geschleust. Das habe die Auswertung der Geschwindigkeitsmessanlage ergeben. „Würden mehr Bürger die ausgewiesenen weiträumigen Umfahrungen nutzen, würde die derzeitige enorme Belastung für die Anwohner erträglicher werden“, so der Elmer Bürgermeister.

Trotz der Probleme sei die Zusammenarbeit mit der Straßenbauverwaltung, den ausführenden Firmen und der Stadt Bremervörde dennoch konstruktiv positiv. Zudem bringe sich der Ortsrat bei allen Bauschritten in vielfältiger Weise mit ein, und versuche, über die DorfApp umgehend über Besonderheiten oder kurzfristige Änderungen zu informieren. Weiterhin habe jede(r) Einwohner:in die Möglichkeit, in der jeweils mittwochs im Baucontainer in der Ortsmitte stattfinden Baubesprechung die individuellen Anliegen persönlich vorzutragen.


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